Max Schmeling (2010)

Originaltitel: Max Schmeling
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Timo Berndt, Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Henry Maske, Susanne Wuest, Heino Ferch, Vladimir Weigl, Arthur Abraham, Yoan Pablo Hernández, Detlef Bothe
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Während des Zweiten Weltkriegs erzählt Max Schmeling als Soldat einem britischen Kriegsgefangenen, den er aus Kreta überführen soll, seine Lebensgeschichte. Er schildert seine ersten WM-Kämpfe, seine große Liebe zur Schauspielerin Anny Ondra und letztendlich die legendären Kämpfe gegen Joe Louis.

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Ein Film, über den nur gemeckert wird, sei es wegen des Regisseurs oder auch wegen des angeblich schlechten Schauspiels von Henry Maske. Nun gut, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und die daraus resultierenden Meinungen logischerweise auch. Mit „Max Schmeling“ ist Uwe Boll meiner Meinung nach ein unglaublich ehrlicher und authentischer Film gelungen, der das Leben des Boxweltmeisters sehr gelungen beschreibt. Gerade mit Henry Maske wurde ein Mann für die Hauptrolle verpflichtet, der Max Schmeling sogar ziemlich ähnlich sieht (ein kurzer Blick über eine Bildersuchmaschine im Internet kann meine Aussage bestätigen). Hinzu kommt das eher schüchterne, zurückhaltende Agieren Maskes, das wohl auch dem realen Charakter Schmelings entspricht. Interessant dürfte in dieser Sache auch sein, dass Max Schmeling und Henry Maske bis zum Tod Schmelings eine sehr enge Freundschaft verband, während der Schmeling einmal geäußert hatte, dass er von Maske dargestellt werden wolle, sollte sein Leben jemals verfilmt werden. Maske empfand das natürlich als eine große Ehre und sagte Bolls Angebot zu.

Sogar die Kritiker der „großen“ Zeitungen und Zeitschriften missbilligten sowohl Maskes Schauspielleistung wie auch Bolls Regie, obwohl die filmische Biografie aus meiner Sicht (und übrigens auch der meiner Frau) absolut gelungen ist. Kurzweilig und sehr intensiv wird das Leben dieses Mannes geschildert und auch ein kleiner Einblick in seinen Charakter gewährt. Selbst die so oft verpönten Boxszenen empfand ich als sehr authentisch (müssen sie ja eigentlich auch, denn sie wurden schließlich von einem echten Boxer gespielt) und vor allem sehr spannend inszeniert. Teils mit wunderschönen Bildern und teils mit beunruhigenden Einschüben der nationalsozialistischen Vorgehensweisen inszenierte Boll ein beeindruckendes Porträt eines Mannes, der sich nicht alles gefallen ließ. Uwe Boll entführt den Zuschauer ins alte Berlin, lässt eine vergangene Welt glaubhaft wieder aufleben und setzt damit nicht nur dem Boxer Schmeling, sondern auch dem alten Berlin ein Denkmal.
Man sollte diesem Film wirklich eine Chance geben, egal ob man zu den Boll-Hassern (warum gibt es die überhaupt?) oder den Henry Maske-Verurteilern bezüglich seiner Schauspielerei gehört, denn „Max Schmeling“ hat es verdient. Hier sieht man nämlich, dass Uwe Boll sehr wohl was kann, wenn er ein anständiges Budget zur Verfügung hat.

An der Seite von Henry Maske agiert Susanne Wuest als seine große Liebe. Wuest verkörpert die Geliebte und Frau des Boxers absolut gekonnt und auch sie sieht der echten Anny Ondra verblüffend ähnlich. Die Schauspieler der beiden Hauptparts hätten besser nicht gecastet werden können. Auch Heino Ferch passt als Trainer sehr gut in das Gesamtbild. Der wirklich fantastische Score von Jessica de Rooij, die so ziemlich jeden Film von Uwe Boll musikalisch untermalt hat, rundet das Bild noch so richtig ab. Unaufdringlich vermitteln ihre Töne mal Sanftes und mal Gewaltiges und verschaffen der filmischen Biografie das nötige I-Tüpfelchen, um „Max Schmeling“ zu einem wirklich sehenswerten Film zu machen. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und vergaß die Zeit, so hat mich die Story (und auch der Inszenierungsstil) gepackt.  Schon jetzt weiß ich, dass ich diesen Film auf jeden Fall noch einmal ansehen werde.
Man sollte sich den Film unvoreingenommen ansehen und sich schlichtweg seine eigene Meinung bilden. Es wäre zu schade, wenn sich der ein oder andere Zuschauer / Interessierte von unqualifizierten Meinungen oder hasserfüllten Vorurteilen gegenüber Schauspieler oder Regisseur dieses Ereignis entgehen lassen würde.

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Fazit: Völlig zu Unrecht missachtetes Lebensporträt eines berühmten Mannes.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Ein Gedanke zu “Max Schmeling (2010)

  1. Ich bin die Ehefrau und ich war total begeistert von diesem Film. Boll-Hasserin bin ich nicht, weil ich nichts gesehen habe bislang ☺. Und Henri Maske mochte ich Anfang der 90er als Boxer gern und auch als Mensch fand ich ihn immer sympathisch. Anfangs dachte ich auch, dass eine Schauspielerei eher unbeholfen wirkt aber ich habe ihn in Interviews schon oft frei reden hören und da wirkte er gar nicht scheu. Darum bin ich der Meinung, dass dieses Spiel eben Absicht war, da es den Charakter von Max Schmeling eben einfach so wiedergibt.
    Ich fand die Box- und Trainingsszenen wirklich gut, eben weil ein echter Boxer vor der Kamera stand. Die Kulisse und die Kostüme waren auch absolut toll und gut gemacht. Ich fand den Film richtig gut und würde ihn sofort noch einmal anschauen!

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