Big Driver (2016)

Originaltitel: Big Driver
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Richard Christian Matheson
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Steve Cosens
Musik: Jeff Beals
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Maria Bello, Ann Dowd, Will Harris, Joan Jett, Olympia Dukakis, Jennifer KyddTara Nicodemo
Genre: Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einer Lesung bleibt die Schriftstellerin Tess Thorne während der Heimfahrt aufgrund einer Reifenpanne in einer verlassenen Gegend mit dem Auto liegen. Ein riesiger, aber sehr freundlicher Mann hilft ihr und bietet an, den Reifen zu wechseln. Doch noch bevor er sich an die Arbeit macht, bedrängt er Tess und ist alles andere als nett zu ihr.  Tess überlebt den Angriff und findet zurück ins Leben. Doch sie kann das Geschehen nicht vergessen und entschließt sich eines Tages, sich auf die Suche nach dem großen Mann zu machen, der ihr das angetan hat.

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Die Geschichte beginnt, King typisch, ruhig und eher harmlos. Das Grauen schleicht sich aus einer, wenngleich unerfreulichen, Alltagssituation in das Leben der Schriftstellerin. Die Überschreitung dieser Grenze wurde von Regisseur Mikael Salomon (dessen Filme „Hard Rain“ und das Remake „Andromeda“ den meisten bekannt sein dürften) hervorragend in Szene gesetzt. Man spürt das Knistern zwischen den beiden Protagonisten, erlebt das Umschwenken von Freundlichkeit in Bedrohung so hautnah, das es einem selbst als Zuschauer Angst einjagt. Dazu kommt neben der intensiven Inszenierung die unglaublich gute Schauspielleistungen von Maria Bello und Will Harris. Das Agieren der beiden passt so perfekt zusammen, dass es unglaublich authentisch wirkt, wenn der riesige Mann die Frau bedroht. Die Szenen, die dann folgen, sind hart und strapazieren die Nerven, wirken aber niemals übertrieben gewalttätig, sondern einfach nur real.

Trotz diesem harten und teilweise auch brutalen Einstieg wird die Geschichte im weiteren Verlauf in einem sehr ruhigen Ton erzählt, der eine wahnsinnig gute Atmosphäre aufkommen lässt. Die Schauspielleistung von Maria Bello ist beeindruckend und in Verbindung mit der besonnenen und stillen Inszenierung sehr emotional. Ich war absolut gebannt von den Ereignissen und Wendungen und fieberte mit der Protagonistin in jeder Sekunde mit. Alleine ihre Wandlung/Darstellung von einer hilflosen Frau in eine toughe „Kriegerin“ ist sehr glaubwürdig und intensiv.
Überhaupt sind die Charaktere King typisch und wurden allesamt sehr gut umgesetzt. Ein Wiedersehen mit der Rocksängerin und Gitarristin Joan Jett („I Love Rock ’n‘ Roll“ dürfte wohl jeder kennen), die ihre größten Erfolge in den 80er Jahren feierte, und mit der Golden Globe- und Oscargewinnerin Olympia Dukakis („Mondsüchtig“) runden das gelungene Filmerlebnis noch ab.

Man merkt dem Film in keiner Minute an, dass er fürs Fernsehen produziert wurde. Regisseur Mikael Salomon überzeugt mit stimmungsvollen Bildern und einer konsequent durchdachten Linie, als hätte er fürs große Kino gedreht. Ein wenig erinnert „Big Driver“ an den Rape & Revenge-Thriller „I Spit On Your Grave“, nur dass hier einfach mehr Menschlichkeit und Emotionen hinter dem Rachefeldzug stecken. „Big Driver“ enthält bedeutend mehr Seele als ein einfacher Slasher- und/oder Splatterfilm in dieser Art. Genre-Fans, die hier einen ähnlichen Film erwarten, könnten unter Umständen sogar enttäuscht sein. Fast schon auf melancholische Art und Weise erzählt Mikael Salomon die Geschichte einer zutiefst verletzten Frau, die sich erst später zu wehren beginnt. Auch wenn „Big Driver“ nicht zwingend etwas Neues in der Krimi- , Thriller- und Stephen King Verfilmungswelt bietet, so ist er für mich dennoch eine der besseren Adaptionen Kings (die von Frank Darabon inszenierten einmal ausgenommen, denn die sind unschlagbar spitzenmäßig) und spricht ein Publikum an, dass eine intelligente, emotionale Handlung mag, die von einem sehr fähigen Regisseur und grandiosen Schauspielern umgesetzt wurde. Wer sich für die Kurzgeschichte interessiert, die Vorlage für diesen Film war, sollte sich das Buch „Zwischen Nacht und Dunkel“ zulegen, das in Deutschland im Jahr 2010 erschien. Die zweite Geschichte dieser Kurzgeschichtensammlung ist „Big Driver“.

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Fazit: Atmosphärischer Thriller, der mehr Wert auf Emotionen als auf blutige Effekte legt. Ganz klarer Geheimtip für echte King-Fans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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