Interimere (2015)

interimere

Originaltitel: Interimere
Regie: Rene Zhang
Drehbuch: Rene Zhang, Romina Schade, Joachim F. Guck
Kamera: Robert Bogs
Musik: Julian Kantus
Laufzeit: 16 Minuten
Darsteller: Dennis Madaus, Moloch, Maya Klein, Ina Krenzel, Rene Zhang
Genre: Horror, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine mysteriöse Tonbandaufnahme führt den Ermittler „Pretty Jack“ auf die Spur eines vermissten Mädchens namens Ina. Je weiter er in das Geheimnis der verschwundenen Ina vordringt, desto mehr wird Jack bewusst, dass er selbst zum Gejagten geworden ist.

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Schon in den ersten Einstellungen wird einem klar, dass man hier einen sehr atmosphärischen Horror-Kurzfilm zu sehen bekommt, der sich an den Genreklassikern der 80er und 90er-Jahre orientiert. Es ist schon erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit Regisseur Zhang den Zuschauer in eine fast schon hypnotisierende Atmosphäre versetzt. Daran sind zum einen die unheimlich wirkenden Tonbandaufnahmen schuld, die sich der Protagonist anhört, und zum anderen ist es die fantastische Musik von Julian Kantus, die sofort an die magischen Klänge eines John Carpenter erinnert. Bereits nach wenigen Minuten erkennt man, dass das Potential, das die Story haben könnte, durch die kurze Lauflänge nicht ausgeschöpft werden konnte. Da geht manches leider viel zu schnell, obwohl Zhang dabei erstaunlicherweise die „heimelige“ 80er Jahre Stimmung durchgehend aufrecht erhalten kann. Das ist fast schon magisch. 😉

Neben einer interessanten Kameraarbeit und einem wirklich hervorragenden Soundtrack,  punktet „Interimere“ außerdem mit einem tollen Schauspieler-Ensemble, die durchweg mit ihrem Agieren überzeugen können. Allen voran kann Hauptdarsteller Dennis Madaus das Publikum mit seiner charismatischen Ausstrahlung für sich gewinnen. Moloch verbirgt sich zwar hinter einer furchterregenden Maske, verleiht dem Charakter des Killers aber alleine schon durch seine bedrohlich wirkende Körpergröße eine nahezu kultige Präsenz. Da wirken einige Szenen schon sehr bedrückend und erschreckend. Trotz des geringen Budgets, das Rene Zhang zur Verfügung stand, bekommt man einen sehr stimmungsvollen und spannenden Film zu sehen.
Wie oben schon erwähnt, leidet der Plot leider etwas an der Kürze des Films, denn einige Geschehnisse wirken unaufgelöst oder gar unerklärt. Das tut der Atmosphäre zwar keinen Abbruch, aber man hätte sich doch etwas mehr „Auflösung“ und Erklärungen gewünscht. Interessant dabei ist allerdings auch, dass einen durch so manch offene Frage der Film beschäftigt und man darüber nachdenkt, um selbst auf eine Lösung zu kommen. 😉 Das hat nun auch wieder seinen ganz besonderen Reiz, wie ich finde.

„Interimere“ könnte gut und gerne eine Laufzeit von 80 bis 90 Minuten haben. Und ich bin sicher, dass Zhang einen bedeutend atmosphärerischen Film in Szene setzen würde als mit seinem Kurzfilm. Gerade Dennis Madaus würde einem tiefergehenden Charakter gewachsen sein, bei dem er mehr seiner Schauspielerfähigkeiten zeigen könnte. Aber auch Maya Klein und Ina Krenzel wäre noch viel mehr zuzutrauen. Und hätte Moloch noch mehr Platz in der Geschichte, würde wohl ein Film entstehen, der den Zuschauern ein unangenehmes Gefühl im Magen bereiten würde wie seinerzeit „The Texas Chainsaw Massacre“.
Zusammengefasst würde ich behaupten, dass die Story und der Regisseur ein hohes Potential nach oben haben, hätten sie mehr Laufzeit zur Verfügung. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass „Interimere“ unausgegoren, unfertig oder nicht professionell genug wirkt. Nein, es ist ein fantastischer Kurzfilm mit einer unglaublich intensiven Stimmung, die retrogerecht mit kleinen Filmrissen, Staubspuren und eingefärbtem Bild an Klassiker des Horrorgenres erinnert. Oft fühlt man sich an  „Halloween“, „Tanz der Teufel“ oder eben „Texas Chainsaw Massacre“ erinnert, um nur einige Beispiele zu nennen. Und dennoch kopiert Zhang seine Vorbilder nicht, sondern verbeugt sich mit einem eigenständigen Werk vor seinen Idolen. Und das macht richtig Spaß.

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Fazit: Stimmungsvoll und solide inszenierte Verneigung vor Horrorklassikern der 80er und 90er Jahre. Regie, Musik und Darsteller präsentieren sich auf hohem Niveau.

© 2017 Wolfgang Brunner

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