Der Babadook (2014)

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Originaltitel: The Babadook
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera: Radoslaw Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Benjamin Winspear
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Samuels Mutter hat ihren Mann verloren und muss sich nun alleine um den Jungen kümmern. Als sie ihm eines Tages ein Kinderbuch mit dem Titel „Der Babadook“ vorliest, glaubt Samuel darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Seine Angst wird von Tag zu Tag schlimmer und ergreift schließlich auch seine Mutter. Alpträume und Realität verschmelzen miteinander zu einem erschreckenden Gesamtbild.

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Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei diesem Film die Meinungen sehr weit auseinandergehen. Die einen sind hellauf begeistert und bezeichnen „Der Babadook“ als besten Horrorfilm des Jahres, die anderen können dem Genremix wohl wenig bis gar nichts abgewinnen.
Ich wusste nicht, was mich erwartete, folglich ging ich also völlig unvoreingenommen an diesen Film heran. Und das war auch genauso gut, wie die Tatsache, dass ich mich von den schlechten Meinungen, die ich im Vorfeld gelesen hatte, nicht habe abschrecken lassen. Denn was Jennifer Kent hier abgeliefert hat, hat mich tief beeindruckt. Die Mischung aus Horror und Familiendrama hat mich voll erwischt und gänzlich in Atem gehalten. Man merkt kaum die Grenze, bei der die „normale“ Horrorstory in ein tiefgründiges, äußerst deprimierendes Psychodrama abdriftet. Mit einer unglaublichen Intensität inszenierte Kent eine Geschichte, in der das Gehirn eines Menschen immer krankhafter wird und schließlich die Grenze zwischen Realität und Einbildung vollkommen miteinander verschmelzen lässt.

Essie Davis stellt die kranke Mutter hervorragend und absolut überzeugend dar, während Noah Wiseman seine Rolle zwar ebenfalls gut spielt, aber leider mit einem teilweise sehr nervigen Charakter „gestraft“ ist. Es gibt manche Stellen, da wünschte ich mir, ein anderer Junge hätte diese Hauptrolle übernommen. Zu übertrieben wird die Angst dargestellt, dass sie oftmals leider nicht wirklich glaubhaft wirkt, sondern  gestellt. Das schadet dem Film aus meiner Sicht sehr, denn die wirklich hervorragende Stimmung wird dadurch an einigen Stellen leider zunichte gemacht.

Jennifer Kents Horrordrama arbeitet weniger mit klassischen Horrorelementen, obwohl der ein oder andere Schockmoment mit dabei ist, sondern zeigt, wie sich die Geborgenheit eines Kindes unter der Obhut seiner Mutter immer mehr zerbricht. Das ist schockierend und sehr dramatisch aufgezeigt und nimmt den Zuschauer, der sich auf solch ein Psychospiel einlassen kann, absolut mit.

„Der Babadook“ ist ein Hochglanzfilm mit einer erschütternden Thematik geworden, den ich im Grunde genommen gar nicht in die Kategorie „Horrorfilm“ stecken würde. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Zuschauer absolut enttäuscht von diesem unterschätzten Film sind. Da gibt es keine spektakulären Spezialeffekte, keine übermäßigen Schockeffekte und kein Blut spritzt. Das Fehlen dieser Dinge bei einem Film, lässt diesen in der heutigen Zeit leider sehr schnell in die Kategorie „Langweiliger Müll“ fallen. Wer jedoch ein bisschen Hirn besitzt und sich nicht nur von Effekten blenden lassen kann, sondern auch einen mit Fingerspitzengefühl inszenierten Horror des wirklichen Lebens versteht, wird diesen Film so schnell nicht vergessen.
Für mich eindeutig eine Perle unter den heutigen „Horrorfilmen“, gerade weil er einen Horror zeigt, der passieren könnte. Und welcher Horror wäre schlimmer für ein Kind, als seine Familiengeborgenheit auf die hier gezeigte Art und Weise zu verlieren?

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Fazit: Kein Horrorfilm, sondern ein erschreckendes Psychogramm einer Mutter, die durch den Tod ihres Mannes den Bezug zur Realität verliert und ihrem Sohn das einzige nimmt, das ein Kind in  diesem Alter braucht: Geborgenheit! Horror aus dem wirklichen Leben.

© 2016 Wolfgang Brunner

Ein Gedanke zu “Der Babadook (2014)

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