Gangster Chronicles (2013)

gangster

Originaltitel: Pawn Shop Chronicles
Regie: Wayne Kramer
Drehbuch: Adam Minarovich
Kamera: Jim Whitaker
Musik: The Newton Brothers
Laufzeit: 112 Minuten
Darsteller: Paul Walker, Brendan Fraser, Elijah Wood, Matt Dillon, Chi McBride, Norman Reedus, Pell James, Vincent D’Onofrio, Michael Cudlitz
Genre: Komödie, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Zwei Junkies planen, ihren Dealer hochzunehmen. Ein Mann findet den Ehering seiner vermissten Frau und macht sich auf die Suche nach ihr. Ein schlechter Elvis-Imitator schließt einen Pakt mit dem Teufel. um erfolgreich zu werden. Und alle drei Geschichten verbinden sich im Pfandleihhaus von Alton, dem Besitzer.

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Wow, was für eine Orgie an sprühenden Ideen, coolen Settings und abgedrehten Charakteren. Ich weiß gar nicht, wo genau ich anfangen soll, denn zu vieles gefällt einfach.
Da wären zum einen schon mal die durchdachten und vollkommen undurchschaubaren Stories, die in ihrer Erzählweise manchmal wie die besten Episoden aus „Geschichten aus der Gruft“ wirken.  Die Übergänge zwischen den Geschichten, die verzwickten Zusammenhänge und die teils aberwitzigen Dialoge sind einfach nur genial. Inszenatorisch ist diese filmische Kurzgeschichtensammlung meisterhaft gelungen und erinnert des öfteren an Grindhouse-Produktionen. Niveauvoller Trash wechselt sich mit schauspielerischen Glanzleistungen und einem äußerst effektiven Plot ab, der die 112 Minuten wie im Winde verstreichen lässt. Es macht unheimlichen Spaß, den irren, aggressiven, bescheuerten und manches Mal sogar philosophisch angehauchten Charakteren auf ihren mal brutalen und mal völlig abgefahrenen Wegen zu begleiten.

Regisseur Wayne Kramer liefert ein kleines Meisterwerk ab, das bei mir noch öfter den Weg in den BluRay-Player schafft. Die Besetzungsliste liest sich wie ein „Who Is Who“ der jungen Hollywood-Darstellerriege: Paul Walker in einer vollkommen untypischen Rolle, als abgefahrenen Drogenabhängiger. Elijah Wood als perverser Triebtäter, Brendan Fraser als erfolgloser Elvis-Imitator … es ist unglaublich, zu welchen grandiosen Darstellerleistungen Kramer seine Schauspieler treibt. Matt Dillon ist da als verzweifelter Ehemann eher unterfordert und Norman Reedus sieht man leider gar nicht, denn er verbirgt sich hinter einer Maske. Skurril und unkonventionell werden  die Geschichten erzählt, die alle ihren Auslöser in einem Pfandhaus haben.  Und auch diese „Rahmenhandlung“ im Pfandhaus ist grandios, vor allem Vincent D’Onofrio als Pfandleiher hat es mir da angetan. Es ist eine wahre Freude, seiner coolen Schauspielerei zuzusehen.

Das Schöne an diesem Film (der im Original übrigens „Pawn Shop Chronicles“ heißt, was auch viel mehr Sinn als „Gangster Chronicles“ ergibt) ist, dass er sich definitiv keinem Genre zuordnen lässt. Krimi, Action, Mystery, Komödie … das alles versteckt sich in den Episoden und verbindet sich zu einem meisterhaften Mix, der zwar manchmal an Tarantino erinnert, aber auf jeden Fall sehr eigenständig und voller eigener kreativer Ideen ist.
Hinzu kommen noch Jim Whitakers außergewöhnlichen Kameraeinstellungen, die den Film neben der Regie und den Schauspielern nochmals aufwerten. Wer verrückte Geschichten im Gewand einer abgedrehten, innovativen Regieführung mag, wird wie ich hellauf begeistert sein. Wer einen geradlinigen Actionfilm erwartet, schaltet wahrscheinlich nach der ersten Episode ab. Hier ist nichts, wie es scheint und endet alles anders, als man denkt.
Für mich ein äußerst herausragender Film, der unverständlicherweise nicht einmal annähernd den Bekanntheitsgrad erreicht hat, den er verdient hätte.

Kramer versucht auch, seinen Bildern eine künstlerische Note zu verleihen, indem er Szenen mit Flammen unterlegt oder comicartige Überblendungen einsetzt. Hin und wieder setzt eine gewöhnungsbedürftige, aber dadurch auch sehr mutige, Situationskomik ein, die die Grenze zur Lächerlichkeit nie überschreitet, sondern brav im Rahmen bleibt. Der Film wirkt, als Gesamtwerk gesehen, wie ein von Drogen vernebelter Alptraum, dessen Faszination man sich schwer entziehen kann, vorausgesetzt natürlich, man kann sich auf so ein filmisches Experiment einlassen.
Volle Punktzahl für dieses ausgezeichnete Meisterwerk.

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Fazit: Skurril, abgedreht und dennoch manchmal hintergründig. Abseits vom Mainstream strotzt dieser Film von innovativen Ideen, sowohl den Plot als auch die Inszenierung betreffend.

© 2016 Wolfgang Brunner

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