Urban Explorer (2011)

Urban

Originaltitel: Urban Explorer
Regie: Andy Fetscher
Drehbuch: Martin Thau
Kamera: Andy Fetscher
Musik: Steven Schwalbe, Robert Henkel
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Max Riemelt, Nathalie Kelley, Nick Eversman, Klaus Stiglmeier, Catherine de Léan, Brenda Koo
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Urban Explorer sind neugierige Menschen, die sich in verlassenen, unterirdischen Höhlensystemen unter Städten umsehen. Vier Urban Explorer aus dem Ausland lassen sich von dem einheimischen Führer Kris in die „Unterwelt“ Berlins führen. Bei einem Sturz verletzt sich Kris, so dass sich die Touristen auf den  Weg machen müssen, um Hilfe zu holen. In dem unterirdischen Labyrinth treffen sie dabei auf den ehemaligen Grenzsoldaten Armin, der in den verlassenen Gewölben wohnt. Als er ihnen Hilfe anbietet, folgen die Touristen ihm. Doch als sie in seiner Behausung ankommen, spüren sie schon bald, dass mit Armin irgendetwas nicht stimmt …

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„Urban Explorer“, Andy Fetchers zweite Regiearbeit, ist irgendwie ein harter Brocken. Es wird nicht einmal viel Gewalt und Blut gezeigt, aber dennoch fühlt man sich während der gesamten Spieldauer unwohl. Das liegt zum einen mit Sicherheit an den spektakulären Drehorten, die Fetcher sich da ausgesucht hat, zum anderen aber auch an der gekonnten Inszenierunsgweise, die gekonnt zwischen Spiel- und Dokumentarfilm balanciert. „Urban Explorer“ wurde an Originalschauplätzen in der unterirdischen Tunnelwelt von Berlin gedreht und man bekommt wirklich einige Gänge, Räume und Orte zu sehen, die in einem trotz unheimlicher Atmosphäre die Abenteuerlust wecken, selbst einmal an einer solchen Expedition teilzunehmen. Dieser Ausflug ins unterirdische Berlin ist es alleine schon wert, sich den Film anzusehen.
Aber es geht nicht nur um die Örtlichkeiten und die wunderbar düstere Stimmung, die dieser mit sich bringt. Fetchers Film hat weitaus mehr zu bieten, als nur eine gute Kulisse.

Ich fange mit den Schauspielern an, die mich allesamt in ihrer Natürlichkeit überzeugt haben. Keiner von ihnen ist ein Weltklasseschauspieler, aber alle agierten selbstsicher und professionell vor der Kamera und zeigten gerade in ihrer Unbedarftheit eine sehr glaubwürdige Darstellung. Was vielen sauer aufstößt, hat mir gefallen: nämlich die Tatsache, dass man die englischsprechenden Touristen nicht ins Deutsche übersetzt hat, sondern mit Untertiteln gearbeitet hat. Das machte den Horrortrip für mich auf jeden Fall noch authentischer, als er es sowieso schon war. Erst nach einem Unfall wechselt der anfangs wie ein Abenteuerfilm anmutende Streifen ins Horrorgenre. Aber auch das wird so gekonnt gemacht, dass dieser Genrewechsel irgendwie gar nicht richtig auffällt. Klaus Stiglmaier als abgedrehter Höhlen-Grenzsoldat kann einem an manchen Stellen schon richtig Angst einjagen, vor allem weil er verrückt-schräg und sympathisch-hilfsbereit gleichzeitig erscheint. Sein Schauspiel konnte sich wirklich sehen lassen.
Insgesamt trugen zu den beeindruckenden Schauplätzen auch sämtliche Schauspieler dazu bei, dass sich dieser deutsche Schocker bei mir ins Gehirn brannte.

Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass sich „Urban Explorer“, wenngleich er sich in Richtung „Hostel“ oder anderen Torture-Filmen entwickelt, letztendlich doch seinen eigenen Weg geht und einen relativ untypischen Slasher-Film darstellt. Sicherlich fühlt man sich an den ein oder anderen Film erinnert, aber wo tut man das bei den meisten Filmen dieser Art nicht? Fetcher hätte vielleicht am Ende das Ruder nicht ganz so herumreißen und den Plot in Richtung Klischee steuern sollen. Aber mir hat es gefallen. 😉
„Urban Explorer“ ist ein kurzweiliger, handwerklich solider und visuell beeindruckender Horrorfilm aus Deutschland, der glaubhaft unterhält. Man darf gespannt sein, was Andy Fetcher als nächstes auf die Beine stellt.
Wer durch die FSK 18-Freigabe einen blutspritzenden Splatterfilm erwartet, sei gewarnt: Gegen Ende hin wird zwar nicht mit Goreszenen gegeizt, aber ein Braindead-Peter Jackson-Gemetzel findet definitiv nicht statt. Fetcher geht einen relativ ruhigen und stimmungsvollen Weg, bevor er in die Gewaltschublade greift. Und genau das machte „Urban Explorer“ für mich zu etwas besonderem. Der Film ist kein Meisterwerk, aber einfach gut und mit Herzblut gemacht. Das ist es, was für mich bei solchen Filmen zählt. Horror aus Deutschland funktioniert!

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Fazit: Visuell beeindruckende und gegen Ende brutale Abenteuerreise in die Berliner Unterwelt. Ein Film aus Deutschland, der zeigt, dass Horror auch hier funktioniert.

© 2016 Wolfgang Brunner

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