Scream At The Devil (2015)

screamatthedevil

Originaltitel: Scream At The Devil
Regie: Joseph P. Stachura
Drehbuch: Joseph P. Stachura
Kamera: David Doko
Musik: Tim Borquez
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Shari Shattuck, Eric Etebari, Jane Park Smith, Tony Todd, Kiko Ellsworth, Bill Oberst Jr., Jennifer Lyons, Amy Argyle, Corina Boettger
Genre: Mystery, Thriller, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

*

Mirium leidet unter Schizophrenie und zieht sich aufgrund einer Affäre ihres Mannes mit einer jüngeren Frau in ihre eigene Traumwelt zurück. Sie reist alleine nach Venedig, wo sie in einer alten Basilika dem Teufel begegnet. Mirium will nach ihrer Rückkehr einen Neuanfang mit ihrem Ehemann wagen. Doch schon bald wird sie von schrecklichen Visionen geplagt und als dann plötzlich ihr Mann spurlos verschwindet, beginnt sie an ihrem Verstand zu zweifeln. Steckt der Teufel hinter dem Ganzen?

*

Ich hatte mir aufgrund des Covers etwas völlig anderes vorgestellt. Wer einen Horror-Grusel-Schocker erwartet, wird von diesem Psychodrama mit Horrortouch eher enttäuscht und vor allem gelangweilt sein. Schon der Beginn lässt erahnen, dass man kein Mainstream-Produkt sondern eher einen „Kunstfilm“ serviert bekommt. Man fühlt sich irgendwie sofort an Nicholas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ erinnert, wenn man die Protagonistin durch das Venedig und seine Kirchen begleitet. Aber „Scream At The Devil“ ist kein Abklatsch, sondern astreiner Psychohorror auf relativ hohem Niveau.  Aufgrund der ziemlich schlechten Synchronisation (was sehr schade ist, weil sie der wirklich guten Atmosphäre des Filmes schadet) sollte man sich der englischsprachigen Originalversion widmen. Da kommt dann eindeutig die vom Regisseur beabsichtigte, deprimierende Stimmung auf.
Genauso wie das irreführende Cover wird auch die FSK 18-Freigabe das falsche Publikum auf den Plan rufen.

Regisseur Joseph P. Stachura beherrscht sein Handwerk und nimmt den Zuschauer auf eine Reise von der Wirklichkeit in eine schizophrene Halluzinationswelt mit, die sich ab der Mitte des Films immer mehr steigert. Es ist schon beachtlich, wie Hauptdarstellerin Shari Shattuck (am ehesten noch bekannt durch ihre Rolle als Liles  in „Auf brennendem Eis“) diese Entwicklung schauspielerisch meistert. Auch wenn sie an manchen Stellen leicht amateurhaft wirkt, so zeigt sie durchaus glaubhaft, wie sich ihre Psyche immer mehr ändert und sie Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden kann. Das macht durchaus Spaß und lässt einen die Zeit vergessen.
Ich würde „Scream At The Devil“ wirklich eher als experimentierfreudiges Kammerspiel a la Nicholas Roeg betrachten, wobei Joseph P. Stachuras dritter Langfilm dem Vorbild nicht das Wasser reichen kann. Aber nichtsdestotrotz ist ihm eine überzeugende Charakterstudie gelungen, die aus meiner Sicht hervorragend unterhält.

Besonders zu erwähnen sind die Stilmittel, mit denen uns Regisseur Stachura und Schauspielerin Shattuck in ihren verwirrenden Alptraum entführen. Ungewohnte Kameraeinstellungen, gepaart mit schräger Musik und teils schnellen Schnitten dürften nicht jedem Zuschauer gefallen. Hinzu kommt die eher schleppend wirkende Handlung, die sich einem nur erschließt, wenn man sich auf die Bilder und die Entwicklung der Geschichte einlässt beziehungsweise einlassen kann.
Die Story wirkt anfangs sehr undurchsichtig und nicht nachvollziehbar. Hält man durch, wird alles ein wenig greifbarer und die wirren Puzzlestücke setzen sich immer mehr zu einem Gesamtbild zusammen. Wie gesagt, „Scream At The Devil“ ist alles andere als Mainstream und bewegt sich weitab von den gängigen Grusel-Horror-Schockern, mit denen das Cover eine Gemeinsamkeit suggerieren will.
Wer Lust auf Neues im Genre verspürt und Spaß an einer komplizierten Geschichte über die Gedanken einer schizophrenen Frau hat, wird sich wie ich gut unterhalten. Leute, die sich nicht wirklich für das Medium Film als Kunstausdruck interessieren, sei abgeraten.

*

Fazit: Experimentiell wirkendes Psychodrama mit Horroreinschlägen, das wohl den gängigen Mainstream-Zuschauer zutiefst verstören und vor allem verärgern wird. Wer Film auch als Kunst sehen mag, wird schon eher begeistert sein.

© 2016 Wolfgang Brunner

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s