Blood Feast (1963)

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Originaltitel: Blood Feast
Regie: Herschell Gordon Lewis
Drehbuch: Alison Louise Downe, David F. Friedman, Herschell Gordon Lewis
Kamera: Herschell Gordon Lewis
Musik: Herschell Gordon Lewis
Laufzeit: 67 Minuten
Darsteller: William Kerwin, Mal Arnold, Connie Mason, Lyn Bolton, Scott H. Hall
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ungeprüft

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Ein Frauenmörder geht in der Stadt um. Die Polizei sucht nach dem Mörder, der seine Opfer auf bestialische Weise verstümmelt und Leichenteile mitnimmt. Es ist Fuad Ramses, der der Gottheit Ishtar verfallen ist und für sie mordet, um an ihrem Tempel mit den toten Opfern Rituale abzuhalten.

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„Blood Feast“ war im Jahre seines Erscheinens der Beginn eines neuen Filmgenres: dem Splatterfilm.
Noch nie wurden bis dato Gewaltszenen und vor allem blutige Morde so detailliert gezeigt, wie in diesem Film. Herschell Gordon Lewis inszenierte einen für die damalige Zeit echten Schocker, der wohl durch seine bluttriefenden Einlagen die teils grottenschlechten Schauspielerleistungen und die mäßige Regie bei den Zuschauern vergessen ließ.
Sieht man sich den Film heute an, muten die Schauspieler an manchen Stellen grotesk und unfreiwillig komisch an, was „Blood Feast“ aber schon wieder einen irgendwie sympathischen Touch verleiht, der leicht kultig wirkt. Man schüttelt oft unwillkürlich den Kopf, wenn die uninspirierten Charaktere ein Verhalten an den Tag legen, das schon beinahe an Slapstick grenzt. Die Dialoge sind lachhaft und wirken oftmals vollkommen unglaubwürdig. Und inmitten dieser clownesken Inszenierung richtet der Regisseur die Kamera auf Gedärme, tiefe Schnitte ins Fleisch und Blutorgien, das einem in der damaligen Zeit das Hören und Sehen verging und auch heute noch vergeht.

Das Verrückte an dem Ganzen ist, dass „Blood Feast“ trotz all dieser negativen Kritikpunkte einen gewissen Charme verbreitet, dem man sich nicht entziehen kann – vorausgesetzt natürlich, man mag Trash. 😉 Denn dieser Film ist Trash par excellence. Da werden Beine abgetrennt, Gehirne freigelegt und Gedärme, Innereien und Zungen zerstückelt, dass man nur so mit den Ohren schlackert. Interessanterweise sind die Effekte manches Mal gar nicht so übel gemacht, wenn man das Alter des Films berücksichtigt. Betrachtet man diese Splattereinlagen genauer, könnte man sich ohne weiteres vorstellen, dass sich zum Beispiel ein gewisser Lucio Fulci dort ein wenig Inspiration geholt hat.
„Blood Feast“ ist ein unbeholfen inszenierter „Kultfilm“, der zur schlechten Regie sogar noch schlechtere Schauspieler vorzuweisen hat. Und dennoch ist es ein Film, den man sich öfters anschauen kann, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht ist es der abgrundtief schlechte Trash, der einen daran fasziniert.

Als Filmfreak muss man Herschell Gordon Lewis Splatterfilm einfach gesehen haben, da führt kein Weg daran vorbei. Wie er auf einen wirkt, ist wohl jedem selbst überlassen beziehungsweise ist einfach Geschmackssache. Wer sich auf einen der trashigsten, abgefahrensten, unfreiwillig komischsten Horrorfilme aller Zeiten einlassen kann, wird mit einem unvergesslichen Amüsement belohnt. Alleine der Gedanke an „Blood Feast“ zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Alle anderen werden den Film wohl als unangenehme Erinnerung und Zeitverschwendung behandeln.

Nun hat sich Regisseur Marcel Walz an ein Remake gewagt, das mit Sicherheit schon einmal härter und brutaler ausfallen wird. Die unfreiwillige Komik wünsche ich mir da einfach mal weg, aber eine Verbeugung vor Herschell Gordon Lewis wird Walz wohl nicht lassen können, davon bin ich überzeugt.

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Fazit: Schlechte Schauspieler, noch schlechtere Dialoge und eine mäßige Inszenierung machen „Blood Feast“  erstaunlicherweise dennoch zu einer kultigen Trashperle.

© 2016 Wolfgang Brunner

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