The Green Inferno (2013)

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Originaltitel: Then Green Inferno
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Guillermo Amoedo, Eli Roth
Kamera: Antonio Quercia
Musik: Manuel Riveiro
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Lorenza Izzo, Ariel Levy, Daryl Sabara, Kirby Bliss Blanton, Sky Ferreira, Magda Apanowicz, Nicolás Martínez, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Ramón Llao
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre (Uncut)

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Nach einem Flugzeugabsturz kämpft eine Gruppe von Öko-Aktivisten im peruanischen Dschungel um ihr Leben. Als sie auf einen einheimischen Indio-Stamm treffen, gerät die Situation völlig außer Kontrolle, denn sie werden gefangengenommen und eingesperrt. Schon bald müssen die Aktivisten feststellen, dass sie sich in den Fängen eines Kannibalenstammes befinden …

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Okay, ich muss ja zugeben, dass ich die Filme von Eli Roth eigentlich nicht mag. Nach dem für mich fast schon unerträglichen „Cabin Fever“, dem etwas besseren „Hostel“ und dem danach folgenden, ganz passablen „Hostel 2“ war ich gespannt, was Roth mit seinem vierten Langfilm abliefert. „The Green Inferno“ bestätigt wieder einmal, dass man jedem Regisseur mehrere Chancen geben sollte, denn Roths Kannibalen-Schocker ist absolut gelungen.
Ich war bis jetzt der Meinung, dass Eli Roth kein wirklich guter Regisseur ist, mit „The Green Inferno“ hat er das Gegenteil bewiesen.

Man erkennt Roths Vorbilder: „Zombie Holocaust“, Nackt und zerfleischt“, „Jungfrau unter Kannibalen“, „Lebendig gefressen“ und wie sie alle heißen. Ganz im Stile der 70er und 80er Jahre entführt uns der Regisseur erst einmal in eine Dschungelwelt, in der es um den Erhalt von Natur und die Rettung eines Volkes geht. Und dann kommt die Geschichte so richtig in Fahrt. Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der mir dermaßen unter die Haut gegangen ist und mir einen Schlag in den Magen verpasst hat. Roth versteht es meisterhaft, den Spannungsbogen bis zum Zerreissen anzuspannen und den Zuschauer derart in Bann zu ziehen, dass es schon unheimlich ist.
Die Schauspieler, die den Kannibalenstamm darstellen, könnten besser nicht ausgewählt sein. Die Anführer des Volkes wirken unheimlich und bedrohlich gleichermaßen und lösen selbst beim Zuschauer Unbehagen aus. Vor allem Ramon Lao spielt seine Rolle dermaßen echt, dass man meinen könnte, er stamme tatsächlich aus einem Kannibalenvolk. Auch die Rituale der Kannibalen wurden aus meiner Sicht sehr authentisch dargestellt und man ängstigt sich mit den gefangengenommenen Protagonisten.

Alles fängt sehr ruhig und besonnen an. Doch ab der Hälfte wird dann der Härtegrad von einer Sekunde auf die andere von 0 auf 100 hochgeschraubt und verschafft dem Zuschauer so manches Mal einen Stoß in den Magen.

„The Green Inferno“ ist ein echter Schocker, der mit brutaler Härte arbeitet, die wortwörtlich unter die Haut geht. Hinzu kommen die wunderschönen Landschaftsaufnahmen, die manchmal gezeigt werden, und somit Schönheit und Brutalität der Natur fantastische gegenüberstellen. Auch das machte den Film für mich zu einem sehr realistischen Alptraum. Die Stimmung des Plots erinnerte mich, wie oben bereits erwähnt, an die „Klassiker“ dieses Genres (damals vornehmlich aus Italien) aus den 80ern, wobei Roth wesentlich professioneller ans Werk geht. Für mich ist „The Green Inferno“ tatsächlich bis jetzt ein Highlight des Jahres 2016, den ich mir mich Sicherheit noch einmal ansehen werde.

Eli Roths vierter Film ist definitiv nichts für Leute mit schwachem Magen, denn es geht wirklich absolut brutal und schonungslos zur Sache. Bitterer Beigeschmack, der die Handlung noch „schlimmer“ erscheinen lässt, ist, dass sich die in der Gewalt der Kannibalen befindlichen Opfer genau für diesen Stamm einsetzten. Mich hat diese Situation, gepaart mit den schockierenden, bluttriefenden Goreszenen, nachhaltig beeindruckt und noch Tage danach beschäftigt. Eli Roth ist fast so etwas wie ein Meilenstein des Kannibalenfilms gelungen, denn das Volk wird nicht immer nur böse, sondern auch menschlich dargestellt. Es ist schlichtweg das Leben, das sie führen, um zu Überleben. Und das ist das Erschreckende an „The Green Inferno“: Die Kannibalen sind „auch nur“ Menschen, wenngleich sie mit einer grausamen Härte an die Verspeisung ihrer Opfer herangehen.

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Fazit: Eli Roth hat das Kannibalengenre erneuert. Und das hat er so professionell, stylisch und schockierend gemacht, dass es einem den Atem raubt. Für mich einer der ersten Höhepunkte des Filmjahres 2016, obwohl der Film selbst bereits aus dem Jahr 2013 stammt.

© 2016 Wolfgang Brunner

Ein Gedanke zu “The Green Inferno (2013)

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