Poltergeist (2015)

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Originaltitel: Poltergeist
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Kamera: Javier Aguirresarobe
Musik: Marc Streitenfeld
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Kennedi Clements, Jared Harris, Jane Adams, Susan Heyward, Nicholas Braun
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Die fünfköpfige Familie Bowen bezieht ein Vorstadt-Haus, das perfekt für sie zu sein scheint. Doch schon bald wird die kleine Tochter Maddy von unheimlichen Phänomenen heimgesucht. Als die Erscheinungen eskalieren, beauftragen die Eltern Geisterjäger, um den Geschehnissen auf den Grund zu kommen. Es stellt sich heraus, dass in dem Haus ein Poltergeist umgeht, der aus unerfindlichen Gründen Maddy entführen will.

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Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Neuinterpretation des Klassikers von Tobe Hooper auch nur annähernd überzeugt. Aber man lernt ja bekanntlich nicht aus und Gil Kenan, dessen Filme „Monster House“ und „City Of Ember“ mir schon gefallen haben, hat mich mit seinem Remake durchaus für sich gewinnen können. Das liegt wohl auf der einen Seite an den natürlich besseren, computererzeugten Spezialeffekten, aber erstaunlicherweise auch an der Besetzung. Wobei ich mich hier dann doch einschränke und zugeben muss, dass Heather O’Rourke als Carol Anne doch weit besser war als Kennedi Clements in der entsprechenden Rolle der Madison Bowen. Dennoch kann auch dieses Mädchen etwas und meistert ihre Rolle.

Überraschenderweise wusste ich nicht, wie ich die „neuen“ Erwachsenen mögen würde, denn JoBeth Williams und vor allem Craig T. Nelson mochte ich in der 80er Jahre Verfilmung beide sehr gut leiden. Nun gut, anfangs war ich noch ein wenig vorsichtig, als ich Sam Rockwell und Rosemarie DeWitt dabei beobachtete, wie sie die Eltern der heimgesuchten Maddy spielten. Aber je weiter der Film fortschritt, desto mehr mochte ich die beiden und wenn ich jetzt am Ende genauer darüber nachdenke, fand ich sie besser als die Eltern im Original. Ich kann nicht einmal genau erklären, aus welchem Grund, aber ihr (Zusammen-)Spiel hat mich vollkommen überzeugt. Erfrischend ist bei dieser Neuverfilmung auch, dass die damals störende Rolle der Tangina Barrons (perfekt nervtötend von Zelda Rubinstein dargestellt) gestrichen wurde. Wir haben es einfach nur noch mit einem Team aus Geisterjägern zu tun – und das ist auch gut so.

Dass man nun auch in die andere Welt (die der Toten) sehen konnte, fand ich extremst faszinierend. Einige Bilder hatten da fast schon einen Dante’schen Charakter an sich. Das hat mir sehr gut gefallen, zumal es eine eindeutige Änderung und Neuerung gegenüber dem Originalfilm war. Der neue Poltergeist ist natürlich effekthascherischer aufgemacht, was ich in diesem Fall aber gar nicht mal so schlecht fand. Die Grundstimmung des Originals wird leider vernachlässigt, aber da sehe ich diese Neuinterpretation einfach als eigenständigen Film.
Schade ist, dass sich die Filmmusik nicht an Jerry Goldsmiths genialen Score von damals annähern kann. Alleine dadurch verliert der Film an Atmosphäre, die mit einem besseren Score bestimmt zumindest einigermaßen gelungen wäre.

„Poltergeist“ hat mir gefallen, allerdings nur unter der Prämisse eines eigenständigen Films und dem Versuch, einen Kultfilm in ein modernes Gewand zu stecken. Das ist aus meiner Sicht auf jeden Fall gelungen und die Familie hat ihren eigenen Charme, der sich einfach nur von dem der anderen unterscheidet. Schauspielerisch, inszenatorisch und ideenmäßig empfand ich das 2015er-Remake als gelungen und auf jeden Fall noch ein weiteres Mal sehenswert. Entgegen vieler anderer Meinungen vertrete ich den Standpunkt, dass Kenan eine schwere Aufgabe angenommen hat, um einen Kultfilm neu zu inszenieren, und dennoch sehr souverän an das Projekt herangegangen ist , in dem er einiges der alten Vorlage beibehalten hat und dennoch neue, eigenständige Wege gegangen ist. Das finde ich allemal besser, als eine einstellungsgetreue Wiederverfilmung. Und gegenüber den Comic-Verfilmungen, von denen wir ja in letzter Zeit überhäuft werden, richtet „Poltergeist“ sein Hauptaugenmerk  eher immer noch auf die Schauspieler und nicht auf Effekteorgien. Mir hat’s gefallen. 😉

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Fazit: Wider Erwarten gut inszenierte Neuinterpretation eines Klassikers. Schauspielerisch vollkommen in Ordnung und ein paar innovative Neuerungen in der Handlung gibt es auch noch.

© 2016 Wolfgang Brunner

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