Liebe geht seltsame Wege (2014)

liebe

Originaltitel: Love Is Strange
Regie: Ira Sachs
Drehbuch: Ira Sachs
Kamera: Christos Voudouris
Musik: Frédéric Chopin
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: John Lithgow, Alfred Molina, Marisa Tomei, Charlie Tahan, Cheyenne Jackson, Harriet Sansom Harris, Darren Burrows, Christian Coulson, Eric Tabach
Genre: Drama, Liebe
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 0 Jahre

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Nach fast 40 Jahren Zusammenleben heiraten George und Ben endlich. Doch George verliert aufgrund seiner sexuellen Neigung seinen Job als Musiklehrer und ohne sein Gehalt können sich die beiden frisch Vermählten die große Wohnung nicht mehr leisten. Als Übergangslösung wohnen sie getrennt voneinander bei Freunden und Verwandten, um eine Wohnung zu suchen, die sie sich leisten können.

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Es dauert eine Weile, bis sich die Intensität dieses Filmes im Zuschauer entfaltet. Zu oberflächlich wirkt das Ganze im ersten Moment, als dass man die Tragweite dieses außergewöhnlichen Liebesfilms sofort erkennen würde. „Liebe geht seltsame Wege“ ist ein Juwel in der Darstellung von Menschen und ihrem (Liebes-)leben.
Man erwartet einen Film über Homosexuelle und bekommt eine Darstellung verschiedener Liebesarten, die einen mitreißt, traurig und melancholisch macht. John Lithgow und Alfred Molina sind einfach umwerfend in ihrer Darstellung als älteres, schwules Paar. Man spürt die Liebe zueinander derart intensiv und das Schauspiel der beiden ist so grandios, dass man tatsächlich glaubt, ihre Liebe zueinander wäre echt. Das ist grandios und beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit das gemeinsame Leben zweier Homosexueller dargestellt wird (was es ja auch ist) und wie gefühlvoll das Ganze inszeniert wurde.
Vollkommen unaufdringlich wird von den Ängsten und Hoffnungen zweier Menschen erzählt, die fast ihr ganzes Leben miteinander verbracht haben und nun für eine Weile getrennt leben müssen. Die Integration in das „normale“ Leben eines heterosexuellen Paars zeigt hervorragend, dass es in jeder Beziehung gleich läuft. Ob Mann mit Mann, Frau mit Frau oder Mann mit Frau – Liebe ist ganz einfach Liebe. Das will Regisseur Ira Sachs sagen und er sagt es auf eine ganz eindrucksvolle und vor allem hintergründige Weise.

„Liebe geht seltsame Wege“ ist ein extrem ruhiger, und daher sehr berührender, Film, der von klassischer Musik untermalt wird, die zu Herzen geht.  Regisseur Ira Sachs und die beiden Hauptdarsteller Lithgow und Molina zeigen ganz großes Kino zum Nachdenken und Mitfühlen. Fernab von Kitsch und unnötiger Melodramatik setzt uns Sachs einen Spiegel vor, in dem wir uns oft selbst erkennen, wenn es um die Liebe geht. Da werden Ungerechtigkeiten hingenommen, ohne persönliche Rachefeldzüge zu unternehmen, weil das Leben eben weitergeht und weitergehen muss. Die beiden Homosexuellen haben ihre Leben oft mehr im Griff als die Heterosexuellen. Und dennoch sind alle Menschen in ihren Gefühlen und Ängsten gleich.

Ira Sachs hat einen wunderbaren Film erschaffen, der außerordentlich menschlich ist und daher einen Oscar verdient hätte. In Gedanken verbeuge ich mich vor dieser Leistung ebenso wie vor den hohen Schauspielkünsten John Lithgows und Alfred Molinas. „Liebe geht seltsame Wege“ ist beeindruckend, traurig und hoffnungsvoll. Ein Film, der das Mainstream-Publikum und Menschen, die sich ihrer Liebe nicht stellen (können), zu Tode langweilen wird. Alle anderen, aufmerksamen Zuseher, werden mit einem sensiblen Porträt einer Liebe fürs ganze Leben belohnt. Ich bin nachhaltig begeistert.

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Fazit: Wunderschöner, sensibler und melancholischer Film über die Liebe zwischen Hetero- und Homosexuellen. Kein Schwulenfilm sondern ein Plädoyer für die Liebe zwischen zwei Menschen. Einfach großartig!

© 2016 Wolfgang Brunner

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