Titanic (2012)

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Originaltitel: Titanic
Regie: Jon Jones
Drehbuch: Julian Fellowes
Kamera: Adam Suschitzky
Musik: Jonathan Goldsmith
Laufzeit: 180 Minuten (2 x 90 Minuten)
Darsteller: Glen Blackhall, Ruth Bradley, Dragos Bucur, David Calder, Stephen Campbell Moore, Jenna_Louise Coleman, Maria Doyle Kennedy, David Eisner, Celia Imrie, Toby Jones, Linda Kash, Lyndsey Marshal
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Kanada, Ungarn
FSK: ab 12 Jahre

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Die rebellische Adelstochter, der politische Attentäter auf der Flucht, aber auch der einfache Maschinist. Sie alle nehmen an der Jungfernfahrt der Titanic teil und haben keine Ahnung, dass sie sich auf einen verhängnisvollen Eisberg zu bewegen, der das gigantische Schiff zum Sinken bringt.

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Okay, die Titanic spielt eine Rolle. Das ist schon mal positiv. 🙂
Es gibt leider nur ein paar Szenen, die mir gefallen haben und die eine sehr schöne Stimmung verbreitet haben.
Ansonsten wurde aber wieder einmal eine Chance versemmelt, wie bei so vielen Verfilmungen über die Schiffskatastrophe, bei der es im Grunde genommen weniger um das (historische) Schiff geht, als vielmehr um erfundene Charaktere, die zu allem Unglück dann aber auch noch sämtliche (kitschigen) Klischees zu hundert Prozent erfüllen. Klar hat auch James Cameron in seinem Bombast-Untergang Menschenschicksale erfunden. Und sicherlich ist auch er in manchen Szenen kitschig geworden. Das fiel aber wegen der enormen Dramatik, die da geschaffen wurde, nicht weiter ins Gewicht. Aber diese britische Miniserie begeht den gleichen Fehler wie der 1996 in Szene gesetzte amerikanisch-kanadische TV-Zweiteiler „Titanic“.  Auch dort wurde mit den Klischees nur so um sich geworfen, unter anderem spielte Tim Curry einen diebischen Steward.

Die Schauspieler in dieser Produktion waren nicht schlecht, aber wichtige Personen wie Kapitän Smith oder J.P. Morgan waren rein äußerlich schon sehr schwach besetzt und sahen den historischen Menschen nicht wirklich ähnlich. Aber nun gut, man kann bei solchen Filmen eben nicht alles haben und erwarten. Was für mich allerdings ausschlaggebend war, die Verfilmung nicht so sehr zu mögen, war die Tatsache, dass mir während der dreistündigen Laufzeit kein einziger der Charaktere ans Herz gewachsen ist. Zu viele Personen und deren Schicksale wurden nur angerissen und später nicht mehr richtig weiterverfolgt. Ich nahm am dramatischen Untergang nicht wirklich Anteil.

Unentschlossen geht Drehbuchautor Julian Fellowes an die Thematik heran, kann sich auf weiten Strecken nicht entscheiden, ob sie ein Drama, ein Abenteuer oder ein Gesellschafts-Kammerspiel schreibt. Und genauso wirkt das Endergebnis. Sicherlich ging Fellowes mit neuen Ideen an das Titanic-Thema heran, was an sich lobenswert ist. Aber er verstrickt sich in seinem Genre-Mix und man merkt, dass er auch die Serie „Downtown Abbey“ konzipiert hat. zu sehr wird hier das Augenmerk auf ein Gesellschaftsbild geworfen, das eigentlich keinen interessiert. Ganz anderes als bei der fantastischen Mini-Serie „Titanic: Blood And Steel“ stört hier so ziemlich jeder fiktive Charakter. Das ist eigentlich schade, denn die Herangehensweise fand ich anfangs gar nicht mal so schlecht.  Dummerweise versucht Fellowes dann im zweiten Teil eine andere  Sichtweise der Ereignisse, was die ersten zehn Minuten noch funktioniert. Aber irgendwann zieht sich der Film dermaßen in die Länge, dass man in Versuchung gerät, abzuschalten.

Der Untergang selbst ist zwar relativ unspektakulär, dafür aber umso innovativer inszeniert. Das war dann irgendwie schon ein Highlight, denn da wurde das Augenmerk auf ein menschliches Schicksal gerichtet, während das Schiff im Hintergrund in den Fluten versinkt. Das hat mir trotz all der Kritikpunkte wiederum sehr gut gefallen. Titanic-Fans werden so oder so zugreifen, weil sie neugierig sind. Allen anderen empfehle ich weitaus bessere und historisch interessantere Verfilmungen der Tragödie („Die letzte Nacht der Titanic“ von 1958 oder „Titanic“ von James Cameron zum Beispiel) oder eben die Mini-Serie über den Bau der Titanic „Blood And Steel“.

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Fazit: Klischeehafte Umsetzung der Tragödie. Historisch leider völlig unbedeutend und mit Charakteren ausgestattet, die einen zum größten Teil vollkommen kalt lassen. Eher eine der schlechteren Titanic-Verfilmungen. Einzig der Untergang wurde innovativ inszeniert.

© 2016 Wolfgang Brunner

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