Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (2012)

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Originaltitel: Mirror Mirror
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller, Melissa Wallack
Kamera: Brendan Galvin
Musik: Alan Menken
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Julia Roberts, Lilly Collins, Armie Hammer, Sean Bean, Nathan Lane, Jordan Prentice, Mark Povinelli, Joe Gnoffo, Danny Woodburn, Sebastian Saracento, Martin Klebba
Genre: Komödie, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 0 Jahre

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Als die Königin bemerkt, dass ihre Stieftochter Schneewittchen angeblicher viel schöner sei, als sie, entschließt sie sich kurzerhand, das Mädchen in den Wald zu verbannen. Doch Schneewittchen gibt sich nicht so schnell geschlagen. Als sie den charmanten Prinzen Andrew und sieben Zwerge kennenlernt, schmiedet sie Rachepläne …

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Wer die Filme von Tarsem Singh kennt, weiß, dass „Spieglein Spieglein“ nicht nur eine Komödie sein kann, sondern auch ein visuelles Erlebnis sein muss. Zwar anders wie in seinen Meisterwerken „The Cell“ und „The Fall“ entführt Sing dennoch in eine optische Wunderwelt, bei der man einfach nur staunen kann.
Bei der Neuinterpretation des Märchens von Schneewittchen geht der indische Regisseur eindeutig einen anderen Weg wie bei seinen bisherigen Filmen. Aber er geht das Thema erfrischend humorvoll an und verzichtet auf plumpe Witzchen, wie das bei so vielen Komödien der Fall ist. „Spieglein Spieglein“ ist stimmig und wechselt Humor, Abenteuer, Spezial- und visuell berauschende Effekte wunderbar ab.

Außer den prunkvollen Kostümen, die einem Tim Burton- oder Bollywoodfilm gerecht wären, punktet die Komödie mit einer gutgelaunten Julia Roberts, die in ihrer Rolle sichtlich aufgeht und dem Charakter der bösen Schwiegermutter einen unvergleichlichen persönlichen Touch aufdrückt. Eine Rolle, die für die sympathische Roberts wie auf den Leib geschnitten wirkt. Alan Menkens Soundtrack besticht durch eingängige Melodien und untermalt das Abenteuer perfekt. Tarsem Sing bewegt sich mit diesem Film aber eindeutig in Richtung Mainstream, was man von seinen anderen Werken eher nicht behaupten kann. Dennoch bleibt sein typischer Stil erhalten und macht diese Märchenverfilmung zu einem kurzweiligen Vergnügen. Fast möchte man behaupten, diese Interpretation ist eine der besten.

Sing verleiht dem Ganzen zwar oft einen etwas kitschigen Hauch, den man ohne weiteres hätte drosseln können, ohne auch das jüngere Publikum zu enttäuschen, aber der schmälert den Unterhaltungswert keinesfalls. Manches Mal nähert sich der Film tatsächlich den Visionen eines Tim Burton, was aber wohl hauptsächlich an den teils schrägen Charakteren und den farbenfrohen Kostümen liegt. Sean Bean muss sich in seiner Rolle, wie so oft, wieder einmal bereits in den ersten Minuten ins Reich der Toten begeben. Lilly Collins, Tochter des Sängers und Schlagzeugers Phil Collins, verkörpert die teils naive, teils aber auch toughe junge Königstochter ziemlich gut und glaubwürdig. „Spieglein Spieglein“ beachtet sämtliche Konventionen des klassischen Märchens und interpretiert die Geschichte modern und dennoch auf gewisse Art und Weise auch zeitlos. Mit Sicherheit nicht Sings bester Film, aber ein absolut sehenswerter Ausflug in ein völlig anderes Genre. Alleine schon Julia Roberts völlig überdrehte Darstellung sollte man gesehen haben.
Und spätestens am Ende, wenn das Lied „I Believe In Love“ von Lilly Collins gesungen wird, merkt man, dass Tarsem Singh Inder ist, denn diese Bilder könnten ohne weiteres aus einem Bollywood-Film stammen.

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Fazit: Von Tarsem Sing teils untypisch mainstreamartig inszeniertes, farbenfrohes und verrücktes Märchen. Und dennoch absolut sehenswert.

© 2015 Wolfgang Brunner

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