Twin Peaks (1990 – 1991)

twin peaks

Originaltitel: Twin Peaks
Regie: David Lynch, Duwayne Dunham, Tina Rathbourne, Tim Hunter, Lesli Linka Glatter, Caleb Deschanel, Todd Holland, Graeme Clifford, Uli Edel, Diane Keaton, James Foley, Jonathan Sanger, Stephen Gyllenhaal
Drehbuch: Mark Frost, David Lynch, Robert Engels, Harley Peyton, Jerry Stahl, Barry Pullman, Scott Frost, Tricia Brock
Kamera: Frank Byers (Chefkameramann)
Musik: Angelo Badalamenti
Laufzeit: 1448 Minuten
Darsteller: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Joan Chen, Piper Laurie, Jack Nance, Ray Wise, Dana Ashbrook, Everet McGill, James Marshall, Richard Beymer, Sherilyn Fenn, Lara Flynn Boyle, Sheryl Lee, Madchen Amick, Warren Frost, Peggy Lipton, Kimmy Robertson, David Lynch, Don S. Davis, Miguel Ferrer, Harry Goaz, Wendy Robie, Eric DaRe, Russ Tamblyn, Michael Horse, Margaret Lanterman, David Duchovny
Genre: Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

*

Laura Palmer wird ermordet und in eine Plastikplane eingehüllt aufgefunden. Agent Dale Cooper übernimmt den Fall und macht sich gemeinsam mit Sheriff Truman und seiner Crew auf die Suche nach dem Mörder. Schon bald stellt sich heraus, dass jeder in Twin Peaks mit Laura in Verbindung stand und ihr Tod mysteriöser ist, als anfangs angenommen.

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Nun habe ich David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ bereits zum vierten Mal gesehen und muss sagen: Sie hat nach wie vor nichts von ihren Reizen verloren. Wenngleich manche Dinge mittlerweile veraltet wirken, so hinterlässt die Serie eine unglaublich intensive und nachhaltige Spur im Gedächtnis des Zusehers. Man weiß gar nicht genau, wo man mit seiner Begeisterung ansetzen soll.

Erster Punkt, der eindeutig den Kultstatus der Serie unterstützt, ist die wahnsinnig gute, ausgefallene und elegische Musik von Angelo Badalamenti, der ja David Lynch erprobt ist. Ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Tagen der letzten Jahre (oder gar Jahrzehnte?) mir zum Beispiel sein „Laura’s Theme“ oder eben die Titelmelodie im Gedächtnis rumspukt. Alleine das ist ist schon ein Phänomen, das bis jetzt keine Serie (und auch fast kein Film) geschafft hat.

Der zweite Punkt ist natürlich der Plot, der Mystery, Krimi und so ziemlich alle anderen Genre wild durcheinandermischt und dadurch schon keine Langeweile aufkommen lässt. David Lynchs Handschrift ist unverkennbar und alleine schon seine verrückten, aber dennoch liebenswerten Charakterzeichnungen sind der Hammer. „Twin Peaks“ hat meiner Meinung nach das Serienimage revolutioniert und übernahm eine Vorbildfunktion für viele nachkommende Serien. Noch immer kriege ich viele Szenen und Einstellungen nicht aus dem Kopf und das wird auch so bleiben.
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper hätte besser nicht ausgewählt werden können. Seine exzentrische und sehr liebenswerte Art wird von MacLachlan dermaßen überzeugend dargestellt, dass es fast schon unheimlich ist. Man schließt diesen Mann schon sehr schnell in sein Herz. Genauso wie den Sheriff, Andy und Lucy und und und … Die Schauspieler wurden hervorragend ausgewählt und verleihen ihrem Charakter ein Gesicht und eine Ausstrahlung, die man nicht so schnell vergisst.
Sicherlich gibt es die ein oder andere Stelle (oder auch Folge), die nicht so herausragend ist, dass sie für den Gesamteindruck maßgeblich wichtig wäre, aber insgesamt wird der Zuschauer auf höchstem Niveau unterhalten.

Immer wenn die Serie in den Mystery-Bereich abdriftet, kann ich meine Begeisterung auch noch heute nach mehrmaligem Sehen, nicht kontrollieren. 😉
Es ist unglaublich, welche Gedanken in diesem Plot stecken. Unzählige offene Fragen werden anscheinend gelöst, verlaufen im Sande, kommen wieder zu Tage und man meint, alles zu verstehen, bis man sich eingestehen muss, doch nichts zu verstehen. Oder doch …?
David Lynch kann diese Rätsel und Verwirrspiele einfach und mit Hilfe von Drehbuchautor Mark Frost gelang ihm mit „Twin Peaks“ ein unvergleichliches Phänomen. Eine einzigartige Atmosphäre legt sich über die gesamten Staffeln und brennt sich ins Gedächtnis ein. „Twin Peaks“ ist die einzige Serie, die mich noch heute, nach über zwanzig Jahren, beschäftigt. Denn obwohl am Ende eine Lösung angeboten wird, ist das Mystische einfach zu komplex, um verstanden werden zu können. Fernsehen zum Nachdenken, zum sich beschäftigen und nicht nur zum schlichten, gedankenlosen Konsumieren – das ist „Twin Peaks“.
Der Zwerg, der Riese, Bob, Laura, Dr. Jacoby, der Einarmige, die Wälder … Wahnsinn, in welch einen Sog uns David Lynch da entführt und hinter die Kulissen einer Kleinstadtidylle sehen lässt, wo nichts ist wie es scheint. Und dann kommt auch noch ein mystisches, unheimliches Ereignis dazwischen, das alles auf den Kopf stellt.

So etwas wie „Twin Peaks“ wird es, zumindest in dieser Art, nicht mehr geben. Lynch hatte hier die Möglichkeit, eine seiner bizarren Geschichten endlich einmal ausufernd erzählen zu dürfen. Dennoch schafft er es wieder, den Zuschauer ratlos und nachdenkend zurückzulassen. Wie oft bin ich in Gedanken in dem roten Raum und höre die unheimlichen, rückwärts gesprochenen Worte des Zwerges? Wie oft sehe ich Cooper verletzt am Boden seines Hotelzimmers liegen und mit dem alten, gebrechlichen Butler sprechen? Wie oft sehe ich Laura lachen? Wie oft sehe ich die sich im Wind beugenden Wälder in der Morgen- oder Abenddämmerung?
„Twin Peaks“ ist Teil meines Filmlebens geworden und hat somit das Siegel „Kult“ für mich absolut verdient.

Und wenn man den derzeitigen Gerüchten Glauben schenken kann, erfüllt David Lynch den Wunsch seiner Fans, den diese bereits nach der letzten Folge der Serie geäußert haben: eine Rückkehr nach Twin Peaks.

Ach ja: „Verdammt guter Kaffee!“ und „Die Eulen sind nicht was sie scheinen“. 🙂

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Fazit: Kult, Kult, Kult! Die Mutter aller Kultserien! David Lynch vermischt Genre und spielt mit dem Zuschauer Rätselraten wie in seinen Kinofilmen. Mystery, wie es besser nicht sein kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

2 Gedanken zu “Twin Peaks (1990 – 1991)

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