Death Wish Zero (2015)

death wish zero

Originaltitel: Death Wish Zero
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Timo Rose, Andre Koock, Ewa Niziuk
Musik: Myra
Laufzeit: 72 Minuten
Darsteller: Max Evans, Thomas Binder, Rebekka Mueller, Jessy Moravec, Andre Koock, Freddy Chiniti, Maya Trojanowski, Marc Engel, Pierre Wolf, Michael Müller
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ? (es ist wohl von einer der folgenden Einstufungen auszugehen: SPIO/JK keine Jugendfreigabe oder FSK 18)

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Heath Chandon ist Auftragskiller, einer der besten. Eines Abends sucht eine junge Frau Hilfe bei ihm und klopft an seiner Wohnung. Heath verliebt sich in das Mädchen und zweifelt an seinem Job. Er entschließt sich, das Killen aufzugeben und will sich bei seiner Auftraggeberin freikaufen. Die ist allerdings alles andere als begeistert und versucht Heath zum Weitermachen zu zwingen. Als dieser aber nicht nachgibt, setzt seine Chefin die übrigen Auftragskiller, die für sie arbeiten, auf Heath an. Eine erbitterte Jagd beginnt …

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Wo soll ich beginnen? Das erste, das mir nach dem Abspann von „Dead Wish Zero“ durch den Kopf gegangen ist, war: „Was ist das denn für ein verdammt verfi$$t geiler Film?“ Ich kann es gar nicht anders ausdrücken, denn Timo Roses 25te (!!!) Regiearbeit hat mich echt umgehauen – von Anfang bis Ende.
Schon der Einstieg (wieder einmal grandios von Kai E. Bogatzki geschnitten) macht absolut Lust auf das Action-Drama, das sich völlig anders entwickelt hat, als ich ursprünglich dachte. Rose hält trotz der Spannung und Action immer einen melancholischen Unterton, der sich (bis auf das blutige Finale) durch den ganzen Plot zieht. Das ist einfach unglaublich stimmig und nachvollziehbar. Keine Sekunde kommt Langeweile auf, man will wissen, wie es weitergeht, obwohl man es sich eigentlich schon denkt. Und die Morde sind in stylischen, kultverdächtigen Bildern inszeniert.

Max Evans ist neben Jessy Moravec und Marc Engel einfach der Hammer! Evans ist noch besser als in „Nature“, zeigt Emotionen und weckt Gefühle im Zuschauer, die mitreissen. An Evans gibt es absolut nichts auszusetzen, die Rolle ist ihm buchstäblich auf den Leib geschrieben und seine Darstellung ist dermaßen glaubwürdig, dass es einem fast schon Angst macht. 😉 Jessy Moravec meistert ihre Rolle ebenfalls top wie auch Marc Engel als wütender Endgegner. Die Kampfszenen wirkten auf mich sehr überzeugend und echt. Das Finale kommt sehr blutig daher, wirkt aber niemals übertrieben. Handgemachte und computergenerierte Effekte gehen eine überzeugende Symbiose ein, die wirklich Spaß macht. Hin und wieder schimmert dann in diesen Szenen ein leichter Hauch von Amateurfilm durch, der das Ganze aber wohlwollend auflockert und in keinster Weise stört. Timo Roses Regiestil ist sicher und eigenständig. Und vor allem absolut professionell. Die Sets, der Schnitt und wie Rose seine Hauptdarsteller leitet, das alles wirkt nahezu perfekt. Bogatzkis Schnitt fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich achte sehr auf solche Dinge in Filmen, aber was dieser Mann teilweise „fabriziert“ ist echt der Knaller.

Nun zum nächsten, absoluten Pluspunkt dieser Produktion. Aus meiner Sicht ein Highlight der Extraklasse, das den ganzen Flair des Films noch zusätzlich unterstreicht und dadurch das geniale Gesamtergebnis zustande bringt. Myras Soundtrack hat mich derart begeistert und in eine Zeit entführt, in der die gute alte Filmmusik noch zur Unterstützung von Stimmungen in einem Film waren. Myra ist sowas wie die weibliche John Carpenter 😉
Ihre Piano- und Synthesizerkompositionen sind unglaublich atmosphärisch und lassen Timo Roses Film tatsächlich wie einen Film von John Carpenter erscheinen. Myras Musik ist aber nicht nur eine wahnsinnnig gute Filmuntermalung, sondern könnte auch hervorragend alleine existieren. So gesellt sich also ein weiterer Pluspunkt in meine (begeisterte) Aufzählung.

Nun kommen wir zu den liebevollen Details, die über den ganzen Film verstreut sind. Mal in einem Mono- oder Dialog und mal in einer Einstellung. Überall verbergen sich Anspielungen auf Kultfilme und solche, die es einmal werden wollten (sollten). Es dauerte nicht lange und ich habe in jeder Szene nach einer versteckten Hommage gesucht. Die Horror- und Actionfilme der 70er und 80er sind unübersehbar vertreten, in einer Einstellung fühlte ich mich sogar an Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erinnert 😉 und und und … Tarantino und die alten Charles Bronson-Filme und … es ist wirklich Wahnsinn, was Timo Rose zusammen mit seinem Cutter Kai E. Bogatzki (es werden sehr eigenwillige Stilmittel eingesetzt, die mir aber total gut gefallen haben) an Anspielungen für Filmfans eingebaut hat, und das obwohl „Death Wish Zero“ eine vollkommen eigenständige Handlung hat und niemals kopiert wirkt. Daumen hoch!

Ich könnte immer noch weiter schwärmen, aber ich glaube, ich schau mir den Film einfach nochmal an. 😉

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Fazit: Handwerklich und schauspielerisch professionelles Thriller-Drama mit einem wunderbaren Soundtrack und einem blutigen Finale. Filmfans werden ihre wahre Freude daran haben, sich während der Hommage an 70er und 80er Jahre Filme auf die Suche nach den versteckten Anspielungen zu machen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Abschließend noch einen Riesendank an den Regisseur Timo Rose, der „Film-Besprechungen“ die Workprint-Fassung zur Begutachtung zur Verfügung gestellt hat.

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4 Gedanken zu “Death Wish Zero (2015)

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