Raw – Der Fluch der Grete Müller (2013)

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Originaltitel: Raw
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Marcel Walz
Kamera: Marcel Walz
Musik: –
Laufzeit: 82 Minuten (Directors Cut)
Darsteller: Ivana Konovic, Leoni Lee, Natascha Zink
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Grete Müller starb als Hexe. Sie war vom Teufel selbst geschwängert, erzählt man sich zumindest. Als man sie verbrannte, belegte sie die Umgebung mit einem Fluch. Über hundert Jahre später verschwindet ein Pärchen in der Nähe der Hinrichtungsstelle. Drei junge Dokumentarfilmerinnen machen sich auf den Weg, das Geheimnis der Grete Müller zu lüften.

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„Raw“ ist ein deutscher Independent-Genrebeitrag zum Thema Found Footage, der zwar sein Vorbild „The Blair Witch Project“ ungeniert kopiert, aber dennoch irgendwie einen anderen, eigenständigen Weg geht. Vielfilmer und Independent-Trasher Marcel Walz liefert einen unterhaltsamen Film ab, der für manch einen langweilig wirken mag, auf mich aber durch den eher gemächlichen Spannungsaufbau und die nur wenig verstreuten Gruselszenen umso authentischer wirkte. Ich kann, ehrlich gesagt, nicht einmal genau erklären, was mich bei „Raw“ so in den Bann gezogen hat, der wirklich nichts Neues bringt und mit seinen Wackelbildern manchmal sogar ein wenig übertreibt. Eigentlich wären das nämlich alles Zutaten, die mich den Film sofort hätten stoppen lassen, weil ich genau das nicht mag. Aber Walz‘ Found Footage-Grusler hat es geschafft, mich zu faszinieren. Auch wenn ich, wie gesagt, die genaue Ursache nicht einmal nennen kann, so kann ich doch zumindest einige Dinge bemerken, an denen es mit höchster Wahrscheinlichkeit gelegen hat:
Da wären zum einen die wirklich guten Darsteller, die zwar einerseits laienhaft agieren (was ja bei solch einem Film nur von Vorteil ist, weil es absolut glaubwürdig wirkt) und andererseits aber so natürlich vor der Kamera stehen, als wären sie „Vollprofis“. 😉
Das kommt richtig gut, weil es eben sehr echt wirkt.

Was mir auch sofort (und positiv) aufgefallen ist und ich unheimlich glaubwürdig fand, waren die Geräusche des Films. Durchgehend hört man das Rauschen, wenn jemand gegen das Mikrofon kommt oder das Knacken, wenn die Kamera fallengelassen oder hingelegt wird. Das kam um einiges besser rüber als in anderen Found Footage-Streifen, wo die Geräuschkulisse manchmal nicht ganz so glaubwürdig wirkte.
Trotz geringem Budget ist Marcel Walz ein durchaus sehenswerter Genrebeitrag gelungen, der vor allem durch seine Authentizität besticht. Die Darstellerleistungen sind bemerkenswert gut, weil sie absolut echt und ungezwungen wirken, und der Sound dieser Produktion hat mich sogar richtig begeistert.

Marcel Walz erfindet das Rad des Grusel- und Found Footage-Films nicht neu, aber er kann Anhänger des deutschen Independent-Films, die sich auf seinen mit viel Herzblut gedrehten Film einlassen, gut unterhalten. Wie gesagt, spannungstechnisch mag für den ein oder anderen zu wenig passieren, aber gerade das hat mir bei „Raw“ am meisten gefallen. 😉

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Fazit: Überzeugender Found Footage-Film, der sich nah an sein Vorbild „The Blair Witch Project“ anlehnt, aber durch einen eigenen Stil überzeugen kann. Wer den ultimativen Schock-Grusler erwartet, wird enttäuscht sein, wer einem deutschen, mit sichtlich Herzblut auf die Beine gestellten, Genre-Beitrag eine Chance geben will, sollte einen Blick riskieren. „Raw“ wirkt auf mich sehr authentisch, weil eben relativ ruhig inszeniert.

© 2015 Wolfgang Brunner

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