#funnyFACE (2015)

funnyFace-Poster-2

Originaltitel: #funnyFACE
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Florian von Bornstädt
Kamera: Roland Freitag
Musik: Klaus Pfreundner
Laufzeit: 73 Minuten
Darsteller: Roland Freitag, Enya Maria Tames, Nicole Lauer, Shawn C. Phillips, Daniel Zielhoff
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

*

Franzi und Nicolas verbringen ihre Flitterwochen in einer spanischen Finca. Sie wollen ihre Zeit mit einer Kamera festhalten und filmen so ziemlich alles. Doch plötzlich dringt jemand in die Finca ein und macht Jagd auf sie.Es dauert nicht lange und Franzi und Nicolas stellen fest, dass die Jagd live im Internet übertragen wird und der maskierte Killer, der hinter ihnen her ist, den Namen Funnyface trägt …

*

Also, die erste positive Nachricht, die ich über den neuen Film von Marcel Walz berichten kann, ist, dass es sich nicht um einen dieser nervtötenden Found Footage-Filme handelt, die den Zuschauern mit ihren permanenten Wackelbildern Kopfschmerzen bereiten, denn Walz geht einen weitaus angenehmeren Weg, in dem er nämlich die typischen Found Footage Bilder mit ruhigen Kameraeinstellungen unterbricht und dadurch eine angenehme Atmosphäre schafft. Durch die Wackelfilmaufnahmen kommt aber dennoch immer wieder ein Schuss Authentizität mit dazu. „#funnyFACE“ hebt sich aber schon aufgrund des Plots wohltuend von ähnlichen Produktionen ab. Marcel Walz, der sonst die Drehbücher für seine Filme meistens selbst schreibt, hat diesen Job dieses Mal abgegeben. Und zwar an Florian von Bornstädt, der normalerweise selbst Regisseur von Kurzfilmen ist. Und von Bornstädt hat hervorragende Arbeit geleistet, denn „#funnyFACE“ scheut sich zwar nicht, Altbekanntes aus anderen Genre-Filmen zu zitieren, geht aber dabei sehr ideenreich und fast schon innovativ zur Sache.

Social Network meets Serienkiller! Die Geschichte funktioniert sehr gut, nimmt aber erst in der zweiten Hälfte so richtig Fahrt auf. Aber das macht gar nichts, denn die „Vorgeschichte“ ist deswegen keinesfalls langweilig, denn immer wieder wird in bester Brian dePalma-Manier ein zweiter Handlungsstrang eingeblendet. Da muss man schon genau hinsehen, um alles mitzubekommen, aber genau das macht auch unglaublichen Spaß. Walz richtet sich in seinem neuen Film eindeutig an ein jüngeres Publikum als in seinen anderen (bedeutend härteren) Werken. Ich persönlich fand die ruhigere Gangart, die der Regisseur bei „#funnyFACE“ einlegte, ziemlich gut. Die Einbeziehung der sozialen Netzwerke in eine mörderische Liveübertragung wirkte auf mich wie eine Mischung aus „Peeping Tom“, „Halloween:Resurrection“ und „Open Windows“. Das ist wirklich grandios umgesetzt, wie einem während des Films die Hashtags um die Ohren fliegen und einem, wie den beiden Protagonisten, plötzlich klar wird, dass das Ganze im Livestream zu beobachten ist. Walz macht den Zuschauer, ohne dass dieser es will, zum Voyeur.

Auch die Schauspieler können durch ihre sehr natürliche Art vollkommen überzeugen. Vor allem Roland Freitag, der nicht nur den Part des Hauptdarstellers sondern auch des Kameramanns übernommen hat, macht seine Sache in beiden Belangen absolut gut. Im letzten Drittel wird der Film dann leider etwas dunkel, so dass man an manchen Stellen nicht viel sieht. Wenn ich aber davon ausgehe, dass Amateuraufnahmen, aus denen der Film ja letztendlich bestehen soll, genauso aussehen, verleihen diese Bilder genaugenommen eine gewisse Realitätsnähe.
Die Musik von Klaus Pfreundner, der bereits andere Filme von Marcel Walz vertonte, passt perfekt. Laut, wuchtig, melancholisch und spannend. Mal im Vordergrund, mal im Hintergrund. Eine perfekte Soundkulisse für den Social Network-Horror.

Vielleicht lehne ich mich ein wenig weit vor, wenn ich sage, dass Walz mit „Funnyface“ fast schon eine Art Kultfigur erschaffen. Auf mich hatte der Killer eine geradezu faszinierende Ausstrahlung. Das lag zum einen an der wirklich hervorragenden Maske, die mich ein wenig an „V wie Vendetta“ erinnerte und zum anderen an dem leuchtenden Kameralämpchen, das aus der Maske blinkte, wenn aufgezeichnet wurde. Ich finde „#funnyFACE“ auf jeden Fall eine erfrischende und innovative Bereicherung im Found Footage-Horror, die soziale Netzwerke auf erschreckende, aber realistische Weise miteinbezieht. Und, wie schon erwähnt,  die etwas weniger harte Gangart tut Marcel Walz ausnehmend gut.

*

Fazit: Kultverdächtiger Serienkiller mordet im Social Network! Der neue Film von Marcel Walz überzeugt durch einen gelungenen Plot, der im Grunde genommen zwar nichts Neues bietet, aber erstaunlicherweise dann doch wieder das Genre fast schon neu definiert. „#funnyFACE“ ist #spannend#kurzweilig#kultig!

© 2015 Wolfgang Brunner

Advertisements

Ein Gedanke zu “#funnyFACE (2015)

  1. Pingback: Blood Feast (2016) | Film-Besprechungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s