Absolutio – Erlösung im Blut (2013)

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Originaltitel: Absolutio
Regie: Philip Lilienschwarz
Drehbuch: Patrick Manzecchi, Philip Lilienschwarz
Kamera: Martin Faltermeier
Musik: René Bidmon
Laufzeit: 72 Minuten
Darsteller: Caroline Betz, Eldrid Remy, Herman van Ulzen, Najely Chumana, Norman Sonnleitner, Patrick Manzecchi, Philipp, Wimmer, Stefan Vancura
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Der strenggläubige Jesaja sieht überall um sich herum Sünde. Als seine Mutter stirbt, fühlt er sich dazu berufen, zumindest einen Teil der Menschheit von ihren Sünden zu befreien. Dazu sind im alle Mittel recht. Er entführt kurzerhand Sünder und zwingt sie zur Beichte, in dem er sie foltert. Erleichtert tötet er dann seine Opfer, wenn sie um Gnade gefleht haben.
Jesajas Wahn wird immer größer und er versinkt schon bald in einem wahrgewordenen Alptraum aus Blut und Wahnsinn.

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Es dauert nicht lange und man merkt, dass ein frischer Wind durch die Independent-Szene weht. Neben Ausnahmen wie „Caedes“ (Horror) oder „Roulette – A Game Of Chance“ (Thriller, Drama) gesellt sich nun auch Philip Lilienschwarz‘ „Absolutio“ in die Reihe deutscher Low-Budget-Filme, die sich hinter so manch einer internationalen Großproduktion nicht verstecken brauchen.

Obwohl die Handlung relativ einfach gestrickt ist, zeigt sie eine enorme Wirkung. Lilienschwarz holt aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste raus, in dem er (teure) Splatterszenen nur sparsam, dafür aber wirkungsvoll, einsetzt und sein Hauptaugenmerk auf die künstlerische Seite des Films legt. So manches Mal fühlt man sich an die liebevollen Erstlingswerke von Amateurfilm-Papst Olaf Ittenbach erinnert. Lilienschwarz geht aber weitaus kunstvoller und unblutiger zur Sache und geht eher in die Richtung eines Jörg Buttgereit.
Ken Russell, Dario Argento, Lucio Fulci und William Lustig fallen mir ein, wenn ich an „Absolutio“ denke. Gerade an der Anti-Kirchen-Geschichte hätte Ken Russell seine helle Freude. Stimmungsmäßig erinnerten die Verfolgungsjagden, wenn sich der besessene Protagonist seine Opfer fängt, an Lucio Fulcis „The New York Ripper“, aber auch an die atmosphärischen Bilder eines Dario Argento. Die wunderschönen Bildkompositionen fügen sich hervorragend in die real wirkende Handlung ein und der Filmschnitt, den Philip Lilienschwarz übrigens selbst übernommen hat, könnte besser nicht sein.

Philip Lilienschwarz huldigt seinen Vorbildern, kopiert sie aber niemals, sondern geht einen zielsicheren eigenen Weg, der im Gedächtnis haften bleibt. Schauspielerisch bewegen sich die Darsteller auf hohem Niveau und können (bis auf wenige Szenen, die aber nicht stören) allesamt absolut überzeugen. Der ein oder andere mag meinen, die Schauspieler würden an manchen Stellen laienhaft agieren. Dies ist, wie ich finde, absolut nicht der Fall. Aus meiner Sicht ist es nämich genau diese „echte“ Schauspielerei, die den Film so authentisch wirken lässt.
Die ruhige, fast schon melancholische Stimmung wird konsequent bis zum Ende eingehalten und nur durch die absurden, teils schockierenden Folterszenen unterbrochen. Durch die Erzählerstimme aus dem Off und die geschickt angewandte Kameraführung (Lob an Martin Faltermeier und den Regisseur selbst) wird man „Mittäter“. Lilienschwarz‘ Debütfilm ist zwar bei weitem nicht so hart und schockierend wie Marian Doras „Cannibal“, aber dennoch fühlt man sich in der Zuschauerrolle so manches Mal in einer ähnlichen Situation.

Die Gore-Szenen sind sehr realistisch umgesetzt und äußerst blutig, weshalb eine DVD/BluRay – Veröffentlichung nur ohne FSK-Freigabe möglich ist. Dennoch wird, wie bereits erwähnt, nicht das Hauptaugenmerk auf die Splatterelemente gerichtet.

Gekrönt wird der kurzweilige Religionswahnsinn von einer unglaublich guten und stimmigen Musik, die aus der Feder von René Bidmon stammt.
Wenn man sieht (und hört), wie liebe- und hingebungsvoll dieser Film von allen Beteiligten auf die Beine gestellt wurde, möchte man einfach mehr davon sehen. „Absolutio“ gehört zu jenen Filmen, die aufgrund ihrer handwerklichen Qualitäten funktionieren und nicht, weil schweineteure Spezialeffekte von schlechter Regie, halbherzigen Schauspielern und anderen Mängeln ablenken. „Absolutio“ ist ehrlich und handmade.

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Fazit: Wunderbar erfrischendes Independent-Debüt aus Deutschland. Melancholisch, brutal und atmosphärisch. Ein Anti-Kirchen-Thriller, der zwischen Splatterhorror und Kunstfilm angesiedelt ist und inszenatorisch absolut überzeugen kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Ein Gedanke zu “Absolutio – Erlösung im Blut (2013)

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