Am Sonntag bist du tot (2014)

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Originaltitel: Calvary
Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh
Kamera: Larry Smith
Musik: Patrick Cassidy
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Brendan Gleeson,  Chris O’Dowd, Kelly Reilly, Aidan Gillan, Dylan Moran, Isaac de Bankolé
Genre: Drama
Produktionsland: Irland, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 16 Jahre

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Priester Lavelle hört viel, wenn Gläubige die Beichte bei ihm ablegen. Eines Tages erzählt ihm ein Mann, dass er jahrelang von einem Priester sexuell missbraucht wurde und sich daher entschlossen habe, einen unschuldigen Priester, eben Lavelle, dafür umzubringen. Solch eine Tat würde Aufsehen erregen und auf diese Problematik aufmerksam machen.
Obwohl Lavelle an der Stimme des Mannes erkennt, wer unter Umständen sein Mörder sein wird, verbringt er die folgende Woche wie immer, während er sich Tag für Tag dem verhängnisvollen Termin nähert, dem der Mörder ihm als seinen Todeszeitpunkt genannt hatte.

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McDonaghs Drama zeigte bei mir erst einen Tag später die volle Wirkung. Das sehr ruhige, oft teils melancholische Spiel um Leben und Tod, (Nicht-)Schuld und Sühne zieht den Zuschauer sicherlich sofort in seinen Bann. Das liegt auf jeden Fall am grandiosen Schauspiel Brendan Gleeesons, aber auch an der wunderbaren Musik des irischen Komponisten Patrick Cassidy.
Seine Kompositionen in Verbindung mit den hypnotischen Aufnahmen irischer Landschaften haben eine faszinierende Wirkung auf den Zuseher, die sich durch den gesamten Film zieht.

Träger des Dramas ist aber auf jeden Fall Brendan Gleeson, der die Rolle des bedrohten Priesters atemberaubend und glaubhaft meistert. Je mehr sich das Ganze dem unvermeidlichen  Ende nähert, desto eindringlicher wird Gleesons Spiel, bis hin zu „Ausrastern“, die zeigen, dass dem Protagonisten die Gefahr doch nicht so egal ist, wie es oft den Anschein hat.
Schleichend wird Kritik an der Kirche geäußert, aber niemals so, dass man es dem Regisseur selbst als Kirchengänger, der ich übrigens nicht bin, (Religion(en) haben bei mir keine Chance) übelnehmen könnte. Die Bedrohung gerät immer mehr in den Hintergrund, schwebt aber dennoch erstaunlicherweise die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert über dem Szenario.

Bei dem schwarzen Humor bleibt einem so manches Mal das Lachen bzw. Schmunzeln im Halse stecken. McDonagh ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das sich im Hirn (und Herzen) des Zuschauers verankert und einen nicht mehr loslässt. Obwohl völlig unspektakulär in Szene gesetzt, wird man einige Bilder nicht mehr los.
Und am Ende entlässt uns der Regisseur sprachlos zurück – man möchte weinen und versinkt in einem tristen, melancholischen Sumpf, der einem den wahren Schrecken der ganzen Geschichte plötzlich nahebringt. „Am Sonntag bist du tot“ ist ein schöner und schrecklicher Film zu gleichen Teilen und obwohl er die meiste Zeit sehr ruhig „dahindümpelt“ elektrisiert er auf gewisse Art und Weise. Ich mag dieses schwarzhumorige, melancholische Drama auf jeden Fall!

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Fazit: Melancholisch ruhig und aufwühlend schockierend zu gleichen Teilen. Brendan Gleeson brilliert in der Rolle des Priesters und zeigt, dass er zu den ganz großen Schauspielern gehört.

© 2015 Wolfgang Brunner

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