American Sniper (2014)

american sniper

Originaltitel: American Sniper
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Jason Dean Hall
Kamera: Tom Stern
Musik: —
Laufzeit: 132 Minuten
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Max Charles, Luke Grimes, Kyle Gallner, Jake McDorman, Sam Jaeger
Genre: Thriller, Kriegsfilm, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle, der während seiner Einsätze 160 Menschen tötete. Chris ist bald schon süchtig danach, „böse“ Menschen zu töten, um „gute“ Menschen zu retten. Dabei vernachlässigt er  sein Privatleben und verfällt immer mehr in eine Besessenheit, der er sich bald schon nicht mehr entziehen kann.

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Clint Eastwoods Film polarisiert. Ich kann das alles nur teilweise nachvollziehen, denn Eastwood verbreitet ja nicht seine eigene Meinung zur Thematik „Scharfschützen im Krieg“, sondern inszenierte eine wahre Geschichte. Chris Kyle war wohl derartig besessen von seiner Aufgabe, dass er alles andere um sich vergaß.
„American Sniper“ ist, wie so ziemlich jeder Fim von Clint Eastwood, ganz großes Kino. Relativ unspektakulär erzählt Eastwood die Geschichte eines Besessenen, der im Grunde genommen einsam und bedauernswert ist. Die vielen Schießereien wechseln sich mit sehr eindringlichen (auch psychologisch gut beobachteten) Szenen ab, die einen zwar nicht unbedingt tief im Herzen berühren, aber dennoch beeindrucken.

Aber der größte Pluspunkt des Films ist, außer er souveränen Regiearbeit, Hauptdarsteller Bradley Cooper. Er verkörpert den Charakter des Scharfschützen Chris Kyle derart glaubhaft, dass man meinen könnte, keinen Spielfilm, sondern eine Dokumentation zu sehen. Zum einen sieht Cooper dem Mann, den er darstellt, verblüffend ähnlich, zum anderen nimmt man ihm jede Gefühlsregung (oder auch -nichtregung) ohne Einschränkungen ab. Cooper spielt oscarreif und legt hier eindeutig die beste Leistung seiner bisherigen Karriere ab. Es ist eine wahre Freude, Cooper zuzusehen, wie er einen Mann darstellt, der an seiner selbst auferlegten patriotischen Aufgabe zerbricht und dabei fast seine Familie verliert.

„American Sniper“ ist nicht unbedingt Clint Eastwoods bester Film, dennoch hat er das Zeug zum Kultfilm, was schlicht an der feinfühligen Inszenierung und der grandiosen Darstellerleistung von Bradley Cooper liegt. Man kann über solche Scharfschützeneinsätze denken, was man will, Eastwood hat aber meiner Meinung nach das zweischneidige Schwert optimal gelöst, in dem er die Problematik dieser Vorgehensweisen und die Unsicherheiten eines solchen Scharfschützen mit viel Fingerspitzengefühl darstellte. Die Diskussion um den Film und die Vorwürfe, Eastwood würde den Krieg gegen den Terror befürworten, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Auch wenn an vielen Stellen gesagt wird, „American Sniper“ sei sowohl ein Kriegsfilm als auch ein Anti-Kriegsfilm, ist er für mich eindeutig letzterer.

Sicherlich wird teils fanatischer Patriotismus dargestellt, aber wenn man den Film gesehen hat, bleibt in erster Linie ein Eindruck zurück, der gegen den Wahnsinn solcher Kriege spricht. Mich hat „American Sniper“ beeindruckt und gerade an Coopers Schauspiel konnte ich mich gar nicht sattsehen.

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Fazit: Unter die Haut gehende Studie eines Scharfschützen, der an seiner selbstauferlegten patriotischen Aufgabe, Menschenleben seines Volkes zu retten, zerbricht. Umwerfendes Schauspiel von Bradley Cooper.

© 2015 Wolfgang Brunner

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