Reise nach Agatis (2010)

agatis

Originaltitel: Reise nach Agatis
Regie: Marian Dora
Drehbuch: Marian Dora nach einer Idee von Adrian d’Angelo
Kamera: Marian Dora
Musik: Transmitted Dreams
Laufzeit: 73 Minuten
Darsteller: Thomas Goersch, Tatjana Paige Müller, Janna Lisa Dombrowsky
Genre: Horror, Thriller,
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das Ehepaar Isabell und Rafael nimmt eine junge Anhalterin, Lisa, mit ihrem Motorboot mit. Anfangs scheint alles idyllisch und die drei freunden sich an. Doch auf dem Meer bemerkt Lisa, dass der Mann anscheinend sadistische und perverse Neigungen hat. Schon bald beginnt ein grausames Psychospiel, aus dem es für Lisa kein Entrinnen mehr gibt.

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Wer schon einmal einen Film von Marian Dora gesehen hat, weiß, was einen erwartet. (S)Exploitation par excellence!
Doras Filme sind schwer verdaubar und, ähnlich wie Jörg Buttgereits Werke, ein Paradebeispiel, wie verschieden Zuschauer derartige Filme als Müll oder Kunst interpretieren.
Handlungstechnisch ist Doras „Reise nach Agatis“ eher schwach. Sie dient eher nur dem Zweck, das zu zeigen, was der Fan sehen (und Dora zeigen) will. Vom Aufbau her hat mich der Film an den 2006 abgedrehten „Cannibal“ erinnert, in dem es um Armin Meiwes, den Kannibalen von Rothenburg, ging, wobei hier der Schlag in die Magengrube aus meiner Sicht bedeutend zurückhaltender ausfiel. Keine Frage, das Gezeigte übersteigt die Sehgewohnheiten des Normalzuschauers um unzählige Einheiten, aber das dumpfe Magengefühl war bei „Cannibal“ intensiver.

Mutig versetzt Dora seine perverse Gewaltorgie mit melancholischen Gedichten, die übrigens alle von Darstellerin Janna Lisa Dombrowsky stammen, und erfindet damit fast ein neues Genre. „Torture Porn“ meets melancholische „Literatur“. Auch hier lässt sich eine Gemeinsamkeit mit dem Filmer Jörg Buttgereit nicht von der Hand weisen. Während Marian Dora bei „Cannibal“ und „Melancholie der Engel“ noch in die Vollen ging, inszenierte er dieses Drei-Personen-Drama die meiste Zeit relativ verhalten und erreicht damit, dass die blutigen und psychischen Szenen einen weitaus unvorbereiteter treffen, als bei den beiden anderen genannten Filmen. Marian Doras Amateurfilm mag an manchen Stellen zwar auch tatsächlich amateurhaft wirken, aber im Grunde genommen erkennt man einen geborenen Filmemacher, der seine Provokationen und Gewaltdarstellungen niemals nur um ihrer selbst Willen inszeniert, sondern in nachdenklich stimmende Bilder verpackt. Vielleicht ist es gerade diese surrealistisch und gleichzeitig doch enorm realistisch wirkende Mischung, die uns das Grauen so nahe bringt.

Man muss Marian Doras Film gesehen haben (wenn man es denn durchhält 😉 ) um eine Wertung abzugeben. Diese Wertung sollte man aber vielleicht gar nicht öffentlich äußern, um eventuellen Mißverständnissen im Freundeskreis vorzubeugen, die einen unter Umständen mit schiefem Blick mustern, wenn man Gefallen an solchen Filmen findet. Marian Dora ist ein kontroverser Filmemacher, der sich traut, Dinge zu zeigen. Und trotz aller Gewalt steckt dermaßen viel Philosopie und Liebe in seinen Filmen … das würde ich ohne weiteres Kunst nennen.

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Fazit: Kontrovers, heftig und schockierend auf der einen, philosophisch und melancholisch auf der anderen Seite. Man muss Marian Doras Filme einfach selbst sehen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

© 2015 Wolfgang Brunner

Ein Gedanke zu “Reise nach Agatis (2010)

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