Nekromantik (1987)

nekromantik

Originaltitel: Nekromantik
Regie: Jörg Buttgereit
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Kamera: Uwe Bohrer
Musik: Daktari Lorenz, John Boy Walton, Hermann Kopp
Laufzeit: 68 Minuten
Darsteller: Daktari Lorenz, Beatrice Manowski, Harald Lundt, Volker Hauptvogel, Susa Kohlstedt
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Der nekrophil veranlagte Robert arbeitet bei einer Säuberungsfirma, die Leichen nach Unfällen und anderen Todesfällen beseitigt. Seine Freundin, die seine Leidenschaft für Leichen teilt, ist begeistert, als er einen der Toten mit nach Hause bringt. Sie beginnen eine sexuelle Dreiecksbeziehung mit der Leiche. Doch dann verliert Robert seine Arbeit und kurz danach deswegen seine Freundin, die ihn zusammen mit der Leiche verlässt. Robert versinkt in Depressionen …

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Buttgereits erster Langfilm ist definitiv Geschmackssache. Der im Super 8-Format gedrehte Amateurfilm gefällt einem oder nicht – ein Dazwischen wird es nicht oder zumindest schwerlich geben.
Wenn man sich auf den Inszenierungsstil einlässt, erwartet einen ein äußerst beeindruckendes Werk, das einerseits schockiert, andererseits wunderschöne, künstlerische Darstellungen enthält. Es ist eine gewagte Gratwanderung, die Buttgereit hier wagt, aber meiner Meinung nach hervorragend meistert.
Die Musikuntermalung in Verbindung mit den gezeigten Bildern erinnert oftmals an Filme von Peter Greenaway oder Michael Haenekes „Benny’s Video“. Der Regisseur schafft es tatsächlich, dass man von dem Thema Nekrophilie angewidert, aber auch morbide fasziniert ist und den Blick von den manchmal schrecklichen Szenen nicht abwenden kann. Die künstlerischen Ambitionen, die Buttgereit verfolgt, werden vielen nicht ersichtlich sein, weil sie den Film als Schrott abtun und sich nicht darauf einlassen.

„Nekromantik“ ist meiner Meinung nach ein geschickt inszeniertes Liebesdrama, das seinen Schrecken nicht nur durch schockierende Splattereinlagen, sondern in erster Linie in einem äußerst behutsam dargestellten Versuch, Sex mit einer Leiche darzulegen, findet. „Nekromantik“ ist nichts für Weicheier, die Wert auf den guten Geschmack legen. Wer aber künstlerisch ambitioniertes, abseits des Mainstream angelegtes Genrekino aus Deutschland sucht und sich sowohl auf die Thematik und als auch den außergewöhnlichen Inszenierungsstil einlassen kann, wird eine kleine Perle unter den Amateur-Horror-Filmen finden, die sich ins Hirn einbrennt.

Jörg Buttgereits Film bricht eindeutig Tabus und zeigt hervorragend, wie man so etwas machen kann. Sensibel, morbide, schockierend, experimentell, bewegend, verstörend … und letztendlich auf gewisse Art und Weise künstlerisch. Man muss „Nekromantik“ einfach gesehen haben, um sich seine eigene Meinung zu bilden. Für mich ist dieses gelungene Experiment aus schockierendem, tabubrechendem Horror-Splatter-Albtraum und sensibel berührender Liebesgeschichte auf jeden Fall gelungen und unvergesslich.

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Fazit: Buttgereit bricht Tabus und schockt mit sichtbarem und psychologischem Grauen.

© 2015 Wolfgang Brunner

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