Enemy (2013)

enemy

Originaltitel: Enemy
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Javier Gullón
nach dem Roman von  José Saramago
Kamera: Nicolas Bolduc
Musik: Daniel Bensi, Saunder Jurriaans
Laufzeit: 109 Minuten
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Isabella Rossellini, Sarah Gadon, Joshua Peace, Tim Post, Kedar Brown
Genre: Thriller, Literatur
Produktionsland: Spanien, Kanada
FSK: ab 12 Jahren

*

Adam ist verzweifelt und gelangweilt von seinem Alltag als Professor für Geschichte und seiner Beziehung zu Mary. Eines Abends entdeckt er in einem Independence-Film den Schauspieler Anthony Claire, der Adam vom Aussehen bis hin zur Stimme vollkommen gleicht. Neugierig geworden, versucht Adam mit seinem Doppelgänger Kontakt aufzunehmen. Als ihm dies auch gelingt, steigert sich das Interesse an seinem Double zu einer gefährlichen Bessesenheit, der sich Adam bald nicht mehr entziehen kann …

*

Denis Villeneuves Interpretation von  José Saramagos Roman „Der Doppelgänger“ hat es in sich. Visionär, geschickt und herrlich verworren wird hier der Kampf eines Mannes gegen sich selbst geschildert. Zur Regie kommt noch die schon fast oscarreife Schauspielleistung von Jake Gyllenhaal hinzu. Der Amerikaner geht in seiner Rolle völlig auf und liefert hier seine, meiner Meinung nach, beste Performance neben „Brokeback Mountain“ ab. Das Psychospiel der beiden Doppelgänger ist höchst faszinierend und alles andere als langweilig, wie viele Zuseher bemängeln. Sicher, wer hier Action und Mainstream-Popcorn-Kino erwartet, bekommt wahrscheinlich schon nach den ersten Minuten einen „Kulturschock“, weil er vergeblich nach Special-Effects und einer bereits auf den ersten Blick nachvollziehbaren, logischen Handlung sucht. „Enemy“ ist eine raffinierte Mischung aus David Cronenberg, David Lynch und Nicholas Roeg. Ruhig wird der Zuseher in einen Sog gerissen, den weder er noch der  Protagonist so richtig verstehen, dem man sich aber schwer entziehen kann.

Gyllenhaals Darstellung ist es zu verdanken, dass „Enemy“ nicht in einen unglaubwürdigen Plot abgleitet, sondern den Zuschauer auf fast schon unheimliche Weise anspricht. Wenn man genau hinsieht, erkennt man sich in einigen Dingen vielleicht sogar selbst wieder. Villeneuves Film ist eine Metapher für die Unsicherheit vieler Menschen, die mit der Realität nicht klarkommen und Auswege in Form eines Alter Ego suchen. „Enemy“ ist ein nachhaltiges Erlebnis voller schauspielerischem Können, inszenatorischer Raffinesse und einem Plot, der in bester Lynch-Manier Platz für Unmengen an Interpretationen zulässt. Edelkino zum Nachdenken mit einem fantastischen Blick ins Seelenleben eines Menschen, der auf der Suche nach seinem ganz eigenen Sinn des Lebens ist.

Viele finden das Ende nicht gelungen, ich hingegen bin echt begeistert. Auch wenn es vielleicht im ersten Moment etwas unbefriedigend und verwirrend wirkt, so entfaltete es nach einer Zeit eine unglaubliche Stimmung in mir, die ich nicht näher erklären kann. „Enemy“ ist ein enorm ausdrucksstarkes Filmabenteuer.

*

Fazit: Nachhaltiges Erlebnis, das voller schauspielerischem Können und inszenatorischen Raffinessen steckt. Der Plot lässt unglaublich viele Interpretationen zu, so dass „Enemy“ für den durchschnittlichen Mainstream-Kinogänger eher langweilig und unverständlich wirkt. Der aufmerksame Zuschauer wird diese Reise in eine gebrochene Seele allerdings von Anfang bis Ende genießen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s