Zero Killed (2012)

zero

Originaltitel: Zero Killed
Regie: Michal Kosakowski
Drehbuch: Michal Kosakowski
Kamera: Michal Kosakowski
Musik: Paolo Marzocchi
Laufzeit: ca. 78 Minuten
Darsteller: Uli Aigner, Aylin Ayaz, Teresa Behr, Dietmar Beinhauer, Dorothée Berghaus, Max Boehme, Barbara Braun, David Bruckner, Michele Cavaliere
Genre: Dokumentation, Horror
Produktionsland: Deutschland, Österreich
FSK: ab 16 Jahren

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Regisseur Kosakowski fragte Frauen und Männer verschiedener Berufe und Länder, ob sie manches Mal Mordfantasien hätten? Zu den Antworten wurden Kurzfilme gedreht, bei denen die Interviewten entweder die Rolle des Täters oder des Opfers aus ihren eigenen Fantasien übernehmen mussten.

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Michal Kosakowskis „Zero Killed“ fand seinen Ursprung in dem fantastischen Kunstprojekt „Fortynine“, bei dem 49 Kurzfilme über das Thema „Mordgedanken“ auf Monitoren abgespielt wurden, die in einem vollkommen verspiegelten Raum untergebracht waren. Wer sich ein Bild über diese beeindruckende Videoinstallation machen möchte, sollte sich folgendes Video ansehen:

Zehn Jahre später entstand dann die Idee, dieses Projekt in einem Kinofilm zu verewigen und Künstler und Regisseur Michal Kosakowski traf die gleichen Personen noch einmal, die damals ihre Fantasien geäußert und in den Kurzfilmen mitgespielt hatten, um sie erneut zu befragen.

Herausgekommen ist ein unterhaltsames, erschreckendes, brutales und ehrliches Bild unserer Gesellschaft, in der Gewalt immer mehr zur Normalität wird. Die Befragten wurden ursprünglich nur danach gefragt, ob sie Mordfantasien hätten, doch während der Gespräche machten sich die Themen selbständig und es wurde auch über Todesstrafe, häusliche Gewalt oder Selbstmord geredet. Das Ergebnis ist ein schockierender und nachdenklich machender Beitrag über unsere Gesellschaft und das Thema Gewalt. Die inszenierten Kurzfilme, die zwischen den Interviews eingefügt wurden, sind manchmal so realistisch, dass man unsicher wird, ob es sich gar um Snuff Movies handelt. Die Szene zum Beispiel, in der ein Selbstmord inszeniert wird, geht dermaßen unter die Haut, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Aus über 70 Stunden Filmmaterial hat Kosakowski und Claudia Engl einen beeindruckenden Film geschaffen, der erst beim zweiten Ansehen seine bedrückende Wirkung zeigt. Sicherlich ist man als Zuschauer nicht immer einer Meinung mit den Worten der Interviewten, aber alleine schon die Offenheit, mit der die Menschen ihre Meinung kundtun, verlangt Respekt. Die Vielfalt der gezeigten Eindrücke und der gesprochenen Worte hallt noch lange im Gedächtnis des Zusehers nach. Kosakowski hat einen zeitgenössischen Film über Gewalt und Tod gedreht, der auch noch nach Jahren seine Aktualität, Brisanz und Beklemmung nicht verlieren wird.

Durch die teils sehr blutigen Kurzfilme vermischt sich „Zero Killed“ in einer, fast möchte man sagen noch nie dagewesenen, Mischung aus „Dokumentarfilm“ und „Splatter-Horror“. Aber gerade diese Mischung ist es, die einem auf den Magen schlägt. Denn, obwohl inszeniert, könnten sich derartige Ereignisse in der Realität abspielen. Kosakowskis Film hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack, weil er der Gegenwart leider oftmals sehr nahe kommt. „Zero Killed“ ist ein mutiger Film, der noch mehr Beachtung verdient hätte, als er sie bekommen hat.

Infos über den Regisseur, die ursprüngliche Videoinstallation und den Film gibt es auf der dazugehörigen Internetpräsenz.

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Fazit: Beklemmender Film über die Entwicklung von Gewalt in unserer Zeit. Aus Interviews und inszenierten Kurzfilmen entstand eine Dokumentation mit Horroreinlagen aus dem realen Leben. Sehr interessant und nachdenklich stimmend.

© 2015 Wolfgang Brunner

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