Poseidon (2006)

poseidon2006

Originaltitel: Poseidon
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Mark Protosevich
nach dem Roman von Paul Gallico
Kamera: John Seale
Musik: Klaus Badelt
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Josh Lucas, Kurt Russell, Richard Dreyfuss, Jacinda Barrett, Jimmy Bennett, Emmy Rossum, Mike Vogel, Mía Maestro
Genre: Katastrophenfilm, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Das Passagierschiff „Poseidon“ wird durch eine 50 Meter hohe Riesenwelle erfasst und auf den Kopf gedreht. Die Überlebenden versuchen nun, von unten nach oben zur Rumpfunterseite des kieloben liegenden Wracks zu kommen, um in die Freiheit zu gelangen, bevor das stark beschädigte Schiff sinkt …

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Wolfgang Petersen mag wohl das Wasser. 😉
Nach seinem Welterfolg „Das Boot“ kehrte er neunzehn Jahre später mit „Der Sturm“ aufs Wasser zurück. Und dann, nach sechs weiteren Jahren, inszenierte er erneut ein Action-Drama auf dem Meer: „Poseidon“.

Sehr locker an die Buchvorlage von Paul Gallico und den 1972 entstandenen Film „Die Höllenfahrt der Poseidon“ angelehnt, serviert Petersen dem Zuschauer einen wirklich atemberaubenden und spannenden Katastrophenfilm, der keine Sekunde langweilt. Oft fühlt man sich an Camerons „Titanic“-Spektakel erinnert, aber das ist wohl bei der Thematik unausweichlich. Petersens Untergangs-Drama wird oft vorgeworfen, keine tiefgehenden Charaktere verzeichnen zu können. Mag schon sein, obwohl ich persönlich finde, dass Kurt Russell und Josh Lucas ihre Sache ganz gut machen. Sicherlich sind hier keine ausgeprägten Charaktereigenschaften dargestellt, aber wir sehen ja schließlich einen Actionfilm. Aber, für mich das Wichtigste: Haben diese Kritiker nicht gesehen, wie Richard Dreyfuss agiert?
Für mich ist Dreyfuss in seiner Rolle als alternder, von einer frischen Trennung trauriger Homosexueller einfach nur grandios. Hier finde ich auch, dass sehr wohl ein ausgezeichneter und überzeugender Charakter geschaffen wurde. So ausdruckslos, wie in vielen Meinungen die Charakterarmut und -leere in Petersens Film kritisiert wurde, empfinde ich sie deswegen nicht.

Wichtig bei diesem Film sind meiner Meinung nach die sehr guten Spezialeffekte und der unglaublich gut aufgebaute Spannungsbogen. Man wird in die Flucht der Überlebenden förmlich mit hineingerissen und das hat für mich einen sehr hohen Unterhaltungswert. Ich mag „Poseidon“, zum einen wegen der, wie gesagt, gut eingesetzten Effekte und der rasanten Inszenierung, aber vor allem wegen der grandiosen Schauspielerleistung von Richard Dreyfuss.

Die Musik von Klaus Badelt ist übrigens auch eine unglaublich passende Untermalung für diesen Katastrophenfilm.

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Fazit: Enorm spannend, mit tollen Effekten und einem beeindruckenden Richard Dreyfuss, hat mich Wolfgang Petersens „Poseidon“ vollkommen überzeugt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Erpressung (1929)

erpressung

Originaltitel: Blackmail
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Afred Hitchcock, Benn W. Levy, Michael Powell
Kamera: Jack E. Cox
Musik: Hubert Bath
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Anny Ondra, Sara Allgood, Charles Paton, John Longden, Donald Calthrop, Cyril Ritchard, Hannah Jones, Harvey Braban
Genre: Krimi
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Alice ist eigentlich mit dem Polizisten Frank liiert. Nach einem Streit trifft sie sich eines Abends aber mit dem Maler Crew, der jedoch schon beim ersten Treffen zudringlich wird und versucht, Alice zu vergewaltigen. Alice verteidigt sich und ersticht Crew aus Notwehr mit einem herumliegenden Brotmesser. Frank findet am Tatort einen Handschuh von Alice und ahnt schon bald, dass sie die Täterin ist. Aus Liebe zu ihr verheimlicht er seinen Fund. Doch dann taucht ein Mann auf, der behauptet, den Mord beobachtet zu haben, und Alice und Frank nun mit seinem Wissen erpresst.

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Ursprünglich nicht als Tonfilm vorgesehen, ist „Erpressung“ dann letztendlich aber der erste britische Tonfilm geworden. Alleine aus diesem Grund ist der Film auf jeden Fall sehenswert. Denn anfangs wird auch in der Tonfilm-Fassung in bester Stummfilm-Manier erzählt. Erst wenig später kommen dann die „sprechenden Bilder“.

Hitchcock zeigt hier zum ersten Mal (von „Der Mieter“ vielleicht einmal abgesehen), was er als Regisseur so drauf hat. Da wird gespielt und experimentiert, die Kamerafahrten machen einfach nur Spaß und das Ausprobieren mit dem Ton hat es ebenfalls in sich. Vor allem die Szene, in der eine keifende Kundin von dem geschehenen Mord erzählt und immer wieder das Wort „Knife“ (Messer) erwähnt, ist für mich genial. Während Hitchcock die Kamera auf die Mörderin richtet, die ein ähnliches Messer in der Hand hält, mit dem sie auch den Notwehr-Mord begangen hat, quasselt die Kundin unentwegt. Wir als Zuhörer verstehen  das Gerede teilweise gar nicht, nur das Wort „Knife“ wird laut in Szene gesetzt, bis es schier unerträglich wird. Wie Hitchcock hier die Nerven des Zusehers in gleicher Weise strapaziert wie die seiner Protagonistin ist einfach toll gemacht.

Sicherlich fehlt dem Kriminalfilm noch die gewisse Raffinesse, die Hitchcocks spätere Inszenierungen auszeichnetet, aber Wegbereiter zu diesem Ziel war „Erpressung“ allemal.
Man sucht vergebens nach einer Unsicherheit der Schauspieler, die, ebenfalls wie die gesamte Filmcrew, dem Novum „Tonfilm“ gegenüberstanden. Alles in allem ein gelungener Krimi mit unübersehbaren Hitchcock-Touch.

Ach ja, und der Cameo-Auftritt des in einer U-Bahn sitzenden Alfred Hitchcock , der von einem Jungen geärgert wird, ist höchst amüsant.

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Fazit: Im ersten britischen Tonfilm experimentiert Hitchcock nicht nur optisch sondern auch akkustisch. Sehenswerter Kriminalfilm mit unübersehbarem Hitchcock-Touch.

© 2015 Wolfgang Brunner

Borgman (2013)

Borgman-Poster

Originaltitel: Borgman
Regie: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
Kamera: Tom Erisman
Musik: Vincent van Warmerdam
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere, Sara Hjort Ditlevsen, Elve Lijbaart, Dirkje van der Pijl
Genre: Psychothriller, Mystery
Produktionsland: Niederlande, Belgien, Dänemark
FSK: ab 16 Jahren

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Der Landstreicher Borgman findet nach anfänglicher Ablehnung Unterschlupf bei der Familie van Schendel. Immer mehr mischt er sich fast unmerklich in das Familienleben ein und zieht die Ehefrau in einen mysteriösen Bann aus sexueller Lust und unbestimmbarer Faszination. Das Leben der van Schendels gerät mit der Zeit völlig aus den Fugen …

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„Borgman“ ist Psychothriller, Familiendrama, Mystery und horrormäßiger Home Invasion Film in einem. Von allem etwas und von allem gar nichts. Van Warmerdams bereits achter Spielfilm wandelt auf den Pfaden von David Lynch, Peter Greenaway oder Michal Haneke (vor allem „Bennys Video“ und „Funny Games“ lassen grüßen) und ist dennoch eigenständig und vor allem auch eigenwillig.

Was der Zuschauer hier zu sehen bekommt, verstört, verwirrt, fasziniert und erschreckt. Da werden menschliche Tiefen ausgelotet, die abstoßend und hypnotisierend gleichermaßen sind. van Warmerdam spielt mit dem Zuschauer und zieht ihn durch seine kompromisslose Inszenierung von Anfang an in seinen Bann, wo er ihn  bis zum Ende des Film fest im Griff behält. „Borgman“ lässt nicht los, auch wenn er für viele (ungeduldige) Zuschauer ab einem gewissen Punkt langatmig wirken mag. In lynchesker Weise hinterlässt der Film eine Unmenge an offenen Fragen, in die wohl jeder etwas anderes hineininterpretiert, was mich unweigerlich an „Twin Peaks“ oder „Lost Highway“, um nur zwei Beispiele von David Lynch zu nennen, erinnert.

„Borgman“ ist ein innovativer Real-Alptraum, der auf kühne Weise den Zerfall eines Ehepaares und einer Familie schildert, voller sexueller Obsessionen und schockierender Brutalität. Dennoch mischt van Warmerdam  auch Einflüsse einer absurden, bizzaren Komödie  oder Mystery-Elemente in seine skurrile Fabel. Das Ergebnis ist ein unheimlicher Trip in die Abgründe der menschlichen Psyche. Und auch wenn man den Film nicht versteht, so versteht man ihn in gewisser Weise tief in seinem Inneren irgendwie doch … Minuten später dann auch wieder nicht …

Fest steht, dass der holländische Film, der bei der Oscarverleihung 2014 für die Kategorie „Bester nicht englischsprachiger Film“ ausgewählt (aber dann leider nicht nominiert) wurde, ein selten gewordenes Erlebnis ist. Fernab vom Mainstream spielen die Schauspieler allesamt ein glaubwürdiges Spiel, allen voran „Borgman“ Jan Bijvoet, der in seiner Rolle so richtig aufgeht und einem in so mancher Einstellung Angst einjagt.

Dass das Kinoplakat sofort an das wohl bekanntestes Werk des Malers Johann Heinrich Füssli (auch bekannt unter dem Namen Henry Fuseli) mit dem Titel „Nachtmahr“ erinnert, ist mit Sicherheit beabsichtigt, denn „Borgman“ ist genau so ein Alptraum.

Wer eine logische Handlung und ein aufklärendes Ende erwartet, sollte die Finger von diesem Werk lassen. Wer sich für neue Filmideen und professionelle Inszenierungen interessiert, sollte sich diese Perle nicht entgehen lassen. Ich bin der Meinung, „Borgman“ muss man einfach gesehen haben.

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Fazit: Verstörender Alptraum, der erschreckt, schockiert, fasziniert und verwirrt. „Borgman“ sollte man gesehen haben!

© 2015 Wolfgang Brunner

Dante’s Inferno (2010)

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Originaltitel: Dante’s Inferno: An animated epic
Regie: Mike Disa, Shukō Murase, Yasuomi Umetsu, Victor Cook, Jong-Sik Nam, Sang-Jin Kim, Lee Seung-Gyu
Drehbuch: Brandon Auman
Kamera: Eiji Arai, Kazuhiro Yamada
Musik: Christopher Tin
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: –
Genre: Animation/Zeichentrick, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Japan, Südkorea
FSK: ab 16 Jahren

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Dante verliert seine Geliebte Beatrice an Luzifer, der sie in die Hölle entführt. Dante folgt dem Teufel und muss die neun Höllenkreise durchschreiten, um Beatrice zu befreien.

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Ich bin eigentlich kein Freund von Anime-Filmen, aber hier hat mich das Thema interessiert. Obwohl es sich um die Verfilmung eines Videospiels handelt, kann man sich „Dante’s Inferno“ ohne weiteres ansehen, wenn man das entsprechende Game nicht kennt.
Die Handlung ist relativ einfach gestrickt, aber die Umsetzung von Dantes Abenteuer in der Hölle sind schon sehr einfallsreich inszeniert. Oft staunte ich, wie nah man sich an Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ orientierte und dabei auch noch andere Mythologien mit vermischte. Das hat schon Spaß gemacht, sofern man sich ein wenig mit diesen Mythen befasst hat und die diversen Anspielungen dann auch versteht.

Ziemlich blutig schlägt sich der Held durch eine apokalyptische Hölle. Dies führt dazu, dass „Dante’s Inferno“ sehr kurzweilig ist. Erstaunlicherweise bemerkt man gar nicht, dass sieben (!!!) Regisseure dieses Action-Abenteuer in Szene setzten. Sicherlich wechselt von Höllenkreis zu Höllenkreis manchmal der Zeichenstil, lässt man sich aber von der rasanten Handlung gefangennehmen, so wie ich es tat, fällt das aus meiner Sicht gar nicht weiter auf. Der Film wirkt geradlinig und an keiner Stelle holperig, wie das oft bei solchen Zusammenarbeiten ist.

Auch die Musikuntermalung unterstreicht das episch angelegte Höllenabenteuer sehr passend. Für mich ein Ausnahmefilm unter den Anime-Streifen, der sich erstaunlicherweise auch gar nicht richtig auf Mainstream einlässt, sondern eigenwillig seine Geschichte erzählt. Einige Dinge wirkten unlogisch auf mich, was ich aber nicht weiter schlimm fand. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich kein Gamer bin und das Spiel nicht kenne.
Auf jeden Fall fand ich die Umsetzung der Höllenkreise ideenreich und nah im Sinne von Alighieri umgesetzt.

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Fazit: Blutige und einfallsreiche Umsetzung einer Dante’schen Hölle. Auch wenn die Vorlage ein Videospiel ist, kann man dieses Anime-Abenteuer auch als „Unwissender“ genießen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Banshee Chapter (2013)

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Originaltitel: Banshee Chapter
Regie: Blair Erickson
Drehbuch: Blair Erickson
Kamera: Jeremy Obertone
Musik: Andreas Weidinger
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: Ted Levine, Katia Winter, Michael McMillian, Corey Moosa, Monique Candelaria, Jenny Gabrielle, Vivian Nesbitt, Chad Brummet
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Ann sucht nach ihrem verschollenen Studienfreund, der nach Einnahme einer Droge namens DMT spurlos verschwunden ist. Bei ihren Recherchen stößt sie auf illegale Experimente mit dieser Droge durch die CIA. Als Anne den Schriftsteller Blackburne kennenlernt, dringt sie mit ihm gemeinsam immer tiefer in ein schreckliches Geheimnis vor …

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Bei diesem Found Footage-Film handelt es sich eher um eine sogenannte Mockumentary, also einen fiktionalen Dokumentarfilm. Oft fühlte ich mich dabei an „Die vierte Art“ erinnert, wobei „Banshee Chapter“ weitaus unausgereifter wirkt. Nachdem man den Film gesehen hat, ist man allerdings schon irgendwie neugierig geworden, was hinter dem ganzen Plot steckt beziehungsweise welche Vorfälle der Wahrheit entsprechen.
Regisseur Blair Erickson hat sich von den tatsächlich geschehenen Ereignissen aus den siebziger Jahren inspirieren lassen. Die CIA unternahm Experimente mit illegalen Drogen an ahnungslosen, aber auch freiwilligen Probanden. Dabei wurden gesundheitliche Schäden der Teilnehmer durch bewußte Überdosierungen in Kauf genommen. Die Probanden bekamen zum Beispiel chronische Wahnvorstellungen, die teilweise zu einer paranoiden Schizophrenie mit Halluzinationen führte und sogar in einigen Fällen mit Selbstmord endeten.

Die Umsetzung hätte durchaus funktioniert, hätte sich Erickson, der Drehbuchautor und Regisseur gleichzeitig war, nicht mit seinem Plot verzettelt und das Ganze am Ende immer unrealistischer erscheinen lassen. Das Ende wirkte einfach zu konstruiert und aus diesem Grund vollkommen unglaubwürdig.

Eines muss man „Banshee Chapter“ allerdings zugute halten: Die Schockeffekte sind grandios und verursachen desöfteren gruselige Gänsehaut-Schauer. Diese Momente haben es wirklich in sich und verdienen großes Lob. Wer solche Adrenalinstöße mag, wird bei „Banshee Chapter“ auf jeden Fall bedient. Schon alleine aus diesem Grund werde ich mir den Film auf jeden Fall nochmal ansehen. Die Schauspieler sind ganz ordentlich. Ted Levine als Schriftsteller Blackburne hat mich auf jeden Fall am meisten überzeugt.

Sehenswert ist „Banshee Chapter“ allemal und für Found Footage-Anhänger sowieso.

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Fazit: Gruseliger Pseudo-Dokumentarfilm um illegale Drogenexperimente, der mit furchterregenden Schockmomenten aufwartet und teilweise eine unerträgliche Spannung erzeugt. Leider zerstören Drehbuchschwächen und Logikfehler den Gesamteindruck.

© 2015 Wolfgang Brunner

Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (2014)

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Originaltitel: Stonehearst Asylum
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi
nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe
Kamera: Tom Yatsko
Musik: John Debney
Laufzeit: 112 Minuten
Darsteller: Kate Beckinsale, Jim Sturgess, Ben Kingsley, David Thewlis, Michael Caine, Brendan Gleeson, Sinéad Cusack, Sophie Kennedy Clar, Jason Flemyng
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Der junge Arzt Edward möchte in der Irrenanstalt Stonehearst etwas über die modernsten Entwicklungen in der Behandlung von Geistesgestörten lernen. Dr. Lamb, der Leiter der Anstalt, ist der festen Überzeugung, dass es am besten ist, die Irren nicht zu betäuben oder zu fesseln, sondern sie einfach frei im Gebäude herumlaufen und ihre krankhaften Obsessionen ausleben zu lassen. Doch schon in der ersten Nacht hört Edward unheimliche  Klopfgeräusche aus dem Keller. Als er sich auf die Suche nach der Herkunft macht, entdeckt er einen eingesperrten Mann, der behauptet, der eigentliche Leiter der Irrenanstalt zu sein …

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Sehr locker an die Geschichte „Das System des Doktor Teer und des Professors Feder“ von Edgar Allan Poe angelehnt, inszenierte Brad Anderson einen wunderbar stimmungsvollen und teils erschreckenden Psychothriller. Die Anfangssequenzen sind herrlich „altmodisch“ abgedreht und erinnern an die alten Horrorfilme der Hammer-Studios. Alleine diese Aufnahmen sind es schon wert, sich „Stonehearst Asylum“ anzusehen.
Aber auch die weitere Entwicklung der Geschichte ist alles andere als uninteressant und auch für Kenner der Poe’schen Kurzgeschichte neu. Drehbuchautor Joe Gangemi führt den Zuschauer bis zum  Ende an der Nase herum und das macht er so geschickt wie der deutsche Thriller-Autor Sebastian Fitzek in der Thriller-Literatur.

Schauspielerisch ist „Stonehearst Asylum“ eine wahre Freude. Allen voran Ben Kingsley, der mich wieder einmal voll und ganz überzeugen konnte, aber auch Kate Beckinsale und Jim Sturgess waren wirklich gut. Der kurze Auftritt von Brendan Gleeson war eine unerwartete Überraschung für mich und hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Die ganze Inszenierung wirkte niemals übertrieben, sondern eher gemächlich, was keinesfalls negativ zu werten ist. Andersons Poe-Adaption ist tolle Unterhaltung mit einem wendungsreichen Plot und guten Schauspielern. Was will man mehr? Ein wenig erinnert das Ganze manchmal an „Shutter Island“, zumal auch da Ben Kingsley die Rolle eines Arztes in einer Irrenanstalt übernommen hatte.
John Debney untermalte das Psychospiel in der Irrenanstalt hervorragend und vermittelte eine stimmungsvolle Atmosphäre. Dennoch erreichte „Stonehearst Asylum“ nicht ganz die Qualitäten meines Lieblingsfilms von Brad Anderson, nämlich „Session 9“ mit dem hervorragenden Peter Mullan.

Was mir aber letztendlich an „Stonehearst Asylum“ besonders gefallen hat, war die wirklich geniale Abwandlung von Poes Kurzgeschichte in einen spannenden Irrenanstalt-Thriller, der alleine schon wegen der Handlung im Gedächtnis haften bleibt. Zusätzlich zu dem bemerkenswerten Spiel der Schauspieler kommt noch die Darstellung der sogenannten „Geistesgestörten“ hinzu, die in Andersons Film in vielen Fällen klarer im Kopf wirken als die Gesunden. Dieser Kontrast zwischen Kranken und Gesunden (Homosexualität wird zum Beispiel als Geisteskrankheit dargestellt) bringt den Zuschauer auch zum Nachdenken. Voraussetzung ist natürlich, man lässt sich auf den Film ein, so wie er ist und sucht nicht verzweifelt nach einem mit Schockeffekten überhäuften Horrorfilm. Denn das ist „Stonehearst Asylum“ defintiv nicht.

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Fazit: Ruhig inszenierte, aber dennoch unglaublich spannende, Adaption einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, die sich aber durch zahlreiche unerwartete Wendungen auszeichnet. Hinzu kommt ein erstklassiges und vor allem gut gelauntes Schauspieler-Ensemble.

© 2015 Wolfgang Brunner

28 Weeks Later (2007)

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Originaltitel: 28 Weeks Later
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo, Enrique López Lavigne
Kamera: Enrique Chediak
Musik: John Murphy
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Imogen Poots, Mackintosh Muggleton, Jeremy Renner, Robert Carlyle, Rose Byrne, Idris Elba, Catherine McCormack, Harold Perrineau jr.
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien, Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Nachdem das Virus anscheinend besiegt wurde, wird in den Städten mit dem Wiederaufbau begonnen.
Jede verdächtige Person wird allerdings sofort eliminiert. Don, seine Frau Alice und deren Kinder finden in einer sogenannten Sicherheitszone wieder zusammen. Doch einer von ihnen trägt, ohne es zu wissen, das tödliche Virus in sich …

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„28 Weeks Later“ schlägt seinen Vorgänger „28 Days Later“ aus meiner Sicht um Längen. Das geht schon mit der ungemein spannenden und nervenaufreibenden Anfangssequenz los, in der das (brutale) Grauen wie aus heiterem Himmel über die Protagonisten (und den Zuschauer) hereinbricht. Aber auch die weitere Entwicklung der Geschichte hat es in sich und mich förmlich mitgerissen.

Juan Carlos Fresnadillo, der bis dahin nur Werbeclips, Kurzfilme und den Langfilm „Intacto“ inszenierte, legt ein unglaubliches Tempo vor, das sich durch den ganzen Film zieht. Fast perfekt wirken da die locker eingestreuten ruhigen und stimmungsvollen Szenen, die dem Zuschauer Atem holen lassen. Fresndaillo hat dem Originalfilm auch inszenatorisch einiges voraus. Man mag es kaum glauben, aber aus meiner Sicht ist einfach tatsächlich so. Aber auch die Schauspieler haben mir hier eindeutig mehr zugesagt.
Finster, düster und brutal zeigt der Regisseur eine apokalyptische Welt, vor der man Angst bekommt. Das Überleben steht an erster Stelle und jeder ist sich selbst der Nächste – besser kann man solch ein Szenario fast gar nicht darstellen, wie es Fresnadillo getan hat. Durch die oft mit Handkamera gedrehten Szenen wirkt „28 Weeks Later“ unheimlich beklemmend und realistisch. Hinzu kommen die schnellen Schnitte, die einem so manches Mal die Zeit vergessen lassen, so sehr fiebert man mit den Protagonisten mit.

Die Fortsetzung zu Danny Boyles Weltuntergangsszenario ist innovativ und reißerisch, aber dennoch mit einer manchmal ruhigen Atmosphäre. Genau diese Mischung ist es, die mich in den Bann gezogen und begeistert hat.

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Fazit: Besser als der Vorgänger. Brutaler, düsterer und vor allem noch beklemmender. Da wird beim Zuschauer eineinhalb Stunden Adrenalin produziert. 😉

© 2015  Wolfgang Brunner