Borgman (2013)

Borgman-Poster

Originaltitel: Borgman
Regie: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
Kamera: Tom Erisman
Musik: Vincent van Warmerdam
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere, Sara Hjort Ditlevsen, Elve Lijbaart, Dirkje van der Pijl
Genre: Psychothriller, Mystery
Produktionsland: Niederlande, Belgien, Dänemark
FSK: ab 16 Jahren

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Der Landstreicher Borgman findet nach anfänglicher Ablehnung Unterschlupf bei der Familie van Schendel. Immer mehr mischt er sich fast unmerklich in das Familienleben ein und zieht die Ehefrau in einen mysteriösen Bann aus sexueller Lust und unbestimmbarer Faszination. Das Leben der van Schendels gerät mit der Zeit völlig aus den Fugen …

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„Borgman“ ist Psychothriller, Familiendrama, Mystery und horrormäßiger Home Invasion Film in einem. Von allem etwas und von allem gar nichts. Van Warmerdams bereits achter Spielfilm wandelt auf den Pfaden von David Lynch, Peter Greenaway oder Michal Haneke (vor allem „Bennys Video“ und „Funny Games“ lassen grüßen) und ist dennoch eigenständig und vor allem auch eigenwillig.

Was der Zuschauer hier zu sehen bekommt, verstört, verwirrt, fasziniert und erschreckt. Da werden menschliche Tiefen ausgelotet, die abstoßend und hypnotisierend gleichermaßen sind. van Warmerdam spielt mit dem Zuschauer und zieht ihn durch seine kompromisslose Inszenierung von Anfang an in seinen Bann, wo er ihn  bis zum Ende des Film fest im Griff behält. „Borgman“ lässt nicht los, auch wenn er für viele (ungeduldige) Zuschauer ab einem gewissen Punkt langatmig wirken mag. In lynchesker Weise hinterlässt der Film eine Unmenge an offenen Fragen, in die wohl jeder etwas anderes hineininterpretiert, was mich unweigerlich an „Twin Peaks“ oder „Lost Highway“, um nur zwei Beispiele von David Lynch zu nennen, erinnert.

„Borgman“ ist ein innovativer Real-Alptraum, der auf kühne Weise den Zerfall eines Ehepaares und einer Familie schildert, voller sexueller Obsessionen und schockierender Brutalität. Dennoch mischt van Warmerdam  auch Einflüsse einer absurden, bizzaren Komödie  oder Mystery-Elemente in seine skurrile Fabel. Das Ergebnis ist ein unheimlicher Trip in die Abgründe der menschlichen Psyche. Und auch wenn man den Film nicht versteht, so versteht man ihn in gewisser Weise tief in seinem Inneren irgendwie doch … Minuten später dann auch wieder nicht …

Fest steht, dass der holländische Film, der bei der Oscarverleihung 2014 für die Kategorie „Bester nicht englischsprachiger Film“ ausgewählt (aber dann leider nicht nominiert) wurde, ein selten gewordenes Erlebnis ist. Fernab vom Mainstream spielen die Schauspieler allesamt ein glaubwürdiges Spiel, allen voran „Borgman“ Jan Bijvoet, der in seiner Rolle so richtig aufgeht und einem in so mancher Einstellung Angst einjagt.

Dass das Kinoplakat sofort an das wohl bekanntestes Werk des Malers Johann Heinrich Füssli (auch bekannt unter dem Namen Henry Fuseli) mit dem Titel „Nachtmahr“ erinnert, ist mit Sicherheit beabsichtigt, denn „Borgman“ ist genau so ein Alptraum.

Wer eine logische Handlung und ein aufklärendes Ende erwartet, sollte die Finger von diesem Werk lassen. Wer sich für neue Filmideen und professionelle Inszenierungen interessiert, sollte sich diese Perle nicht entgehen lassen. Ich bin der Meinung, „Borgman“ muss man einfach gesehen haben.

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Fazit: Verstörender Alptraum, der erschreckt, schockiert, fasziniert und verwirrt. „Borgman“ sollte man gesehen haben!

© 2015 Wolfgang Brunner

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