Champagne (1928)

champagne

Originaltitel: Champagne
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard, ALfred Hitchcock
Kamera: John J. Cox
Musik:—
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Betty Balfour, Gordon Harker, Jean Bradin, Ferdinand von Alten
Genre: Komödie, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Betty ist die verwöhnte Tochter eines Millionärs und lebt verschwenderisch. Um seiner Tochter den Ernst des Lebens beizubringen, belügt der Vater sie und behauptet, all sein Geld verloren zu haben. Betty, das Partygirl, muss sich nun ohne Reichtum durchs Leben schlagen.

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Hitchcocks Kömodie plätschert seicht dahin. Sie vermag zwar zu unterhalten, aber bietet filmtechnisch gesehen nicht wirklich viel. Hitchcock sagt selbst, dass dieser Film wahrscheinlich einen Tiefpunkt seiner Karriere darstellt und er von Anfang an nicht besonders euphorisch an den Stoff herangegangen ist. Die Moral der Geschichte hat durchaus seinen Reiz und wird auch alles andere als langweilig dargestellt. Aber während des gesamten Films fehlt einfach das gewisse Etwas. Es ist schwer zu sagen, was genau dieses „fehlende Etwas“ ist, aber vermutlich liegt es wirklich daran, dass dem Film das Herzblut des Regisseurs irgendwie fehlt.

Die Kameraeinstellung durch ein (Trink)Glas ist zwar ein Hitchock-typisches Element, vermag aber die eher belangslose Inszenierung nicht wirklich retten. Hitchcock-Fans sollten sich diesen Film dennoch schon alleine des Komplettierens willen ansehen, denn die Regie ist zweifelsohne sauber und perfekt gelungen, obwohl der Handlung wie gesagt das Herz fehlt. Auch bei den Charakterzeichnungen sieht man meines Erachtens die Lustlosigkeit des Regisseurs, denn keine der agierenden Personen geht einem wirklich nahe. Da hilft es auch nicht, wenn Betty Balfour lasziv ihre Orgien feiert und „die Sau raus lässt“.
Man lässt die Handlung über sich ergehen, ohne Gefühle zu spüren und ist sich am Ende nicht ganz sicher, ob es sich gelohnt hat. Zeitverschwendung ist der Film nicht, ein herausragendes und vor allem im Gedächtnis haften bleibendes Erlebnis ist er aber nicht. Hitchcock kann es besser, vor allem, wenn er Lust auf das hat, was er macht beziehungsweise machen soll.

Oft wird „Champagne“ mit „Die Frau des Farmers“ verglichen, was die inszenatorischen Qualitäten angeht. Letzterer hat mich persönlich aber weitaus mehr überzeugt und fasziniert wie diese ausschweifende Odyssee einer Frau, die sich ans viele Geld gewöhnt hat und nicht weiter darüber nachdenkt, was passieren könnte, wenn einem diese finanzielle Grundlage entzogen wird.

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Fazit: Einer der schlechteren Filme von Alfred Hitchock. Schwache Charakterdarstellungen und ein lustlos inszeniertes Drehbuch machen „Champagne“ zu einem nur für Hitchcock-Komplettisten interessanten Werk.

© 2015 Wolfgang Brunner

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