Bergkristall (2004)

bergkristall

Originaltitel: Bergkristall
Regie: Joseph Vilsmaier
Drehbuch:  Klaus Richter (nach der gleichnamigen Erzählung von Adalbert Stifter)
Kamera: Joseph Vilsmaier
Musik: Stefan Busch, Christian Heyne, Regensburger Domspatzen
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Dana Vávrová, Daniel Morgenroth, François Goeske, Josefina Vilsmaier, Max Tidof, Christian Nickel, Jürgen Schornagel, Thomas Wlaschiha
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 6 Jahren

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Die Bewohner der Bergdörfer Millsdorf und Gschaid sind seit Generationen verfeindet. Ausgerechnet in Susanne, eine Millsdorferin, verliebt sich Seabastian aus Gschaid. Sie heiraten und kämpfen verzweifelt gegen die Bösartigkeit der anderen an. Zwei Kinder, eine Tochter und ein Sohn, werden geboren. Doch auch sie werden von den anderen Kindern gehänselt. Eines Tages trifft Susanne die Entscheidung, für eine gewisse Zeit zurück in ihr Heimatdorf zu gehen, damit sich die Wogen glätten. Die beiden Kinder bleiben beim Vater und besuchen die Mutter im drei Stunden entfernten Nachbarsdorf so oft es geht. Auch im Winter … bis sie sich eines Tages in  der verschneiten Bergwelt verirren.

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Vor eindrucksvoller Kulisse erzählt Vilsmaier eine tragische Familiengeschichte nach einer Erzählung von Adalbert Stifter. Vilsmaier hätte ohne weiteres die Rahmengeschichte in der Gegenwart weglassen können, denn das von einem Mann geschilderte Drama aus der Vergangenheit braucht kein Mittel, um erzählt zu werden.

Beeindruckend sind nicht nur die beiden erwachsenen Hauptdarsteller Dana Vávrová und Daniel Morgenroth, sondern auch die beiden Kinder François Goeske und Josefina Vilsmaier. Glaubhaft und ans Herz gehend agieren die vier und stellen eine zerrüttete und dennoch liebevolle Familie dar, als wären sie im wahren Leben tatsächlich eine. Das Dorfleben wird so realistisch dargestellt, dass es fast schon erschreckend ist.
Zur atemberaubenden Kulisse gesellen sich neben den absolut guten Darstellern auch noch die hervorragende Kameraarbeit von Regisseur Vilsmaier selbst und die stimmungsvolle Filmmusik. Das Ergebnis ist ein Heimatfilm im modernen Gewand, der dramatisch, gefühlvoll, spannend und melancholisch gleichzeitig ist. Diese Mischung ist es auch, die Vilsmaiers Filme oft ausmachen.

Daniel Morgenroth spielt sehr emotional die Rolle des Vaters, so dass ich mich frage, warum er nicht mehr Rollen in Kinofilmen bekommen hat bzw. bekommt. Josefina Vilsmaier, die Tochter des Regisseurs und Dana Vávrová, zeigt, was in ihr steckt und macht ihre Sache sehr gut. Dana Vávrová ist gewohnt gut und überzeugend. François Goeske ging den Weg der Schauspielerei ebenfalls weiter und war 2013 in dem deutschen Horror-Mystery-Thriller „Lost Place“ zu sehen, wo er mir ebenfalls ganz gut gefallen hat.

„Bergkristall“ ist unglaublich intensiv und realistisch. Ein Heimatfilm, der Lust auf mehr macht und den ich mir mit Sicherheit noch ein weiteres Mal ansehen werde (das letzte Mal habe ich ihn bei seinem Erscheinen 2004 gesehen). Diese Verfilmung nach Adalbert Stifter hat mir wieder einmal bestätigt, dass Joseph Vilsmaier ein Ausnahmetalent unter den deutschen Regisseuren ist, denn seine Handschrift ist beeindruckend und einzigartig.

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Fazit: Beeindruckend, emotional und verzaubert. Wie ein Märchen wird ein Familiendrama in den Bergen erzählt, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Ein Vilsmaier-Film eben!

© 2015 Wolfgang Brunner

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