Lockere Sitten (1927)

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Originaltitel: Easy Virtue
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
Kamera: Claude McDonnell
Musik:—
Laufzeit: 79 Minuten
Darsteller: Isabel Jeans, Franklin Dyall, Eric Bransby Williams, Ian Hunter, Robin Irvine, Violet Farebrother, Frank Elliott, Dacia Deane, Dorothy Boyd
Genre: Drama, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Larita Filton ist mit einem Alkoholiker verheiratet und verliebt sich in einen jungen Maler. Als dieser Selbstmord begeht, lässt sich Larita scheiden und flieht nach Frankreich, wo sie John Whitaker trifft und ihn bald darauf heiratet. Johns misstrauische Mutter forscht in Laritas Vergangenheit nach und erfährt über den Skandal, der damals zum Selbstmord des Malers geführt hat.

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„Lockere Sitten“ wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein richtiger Hitchcock-Film, da man fast meint, keine experimentiellen Elemente darin zu finden, von ein paar Überblendungstechniken einmal abgesehen. Aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man das Ausprobieren des Regisseurs, um auf ganz spezielle Weise dem Zuschauer etwas nahezubringen.
Das beste Beispiel in diesem Drama ist ein  Heiratsantrag, bei dem man weder Mann noch Frau sieht, sondern nur eine Telefonistin, die das Gespräch belauscht. Ihre Mimik ist grandios und man vermeint förmlich, die Worte der beiden Liebenden zu hören, obwohl es sich bei „Lockere Sitten“ um einen Stummfilm handelt. Dieses Experiment ist Hitchcock absolut gelungen und zeigt, wie beeinflussbar das Publikum sein kann. Es folgt dem Gespräch zweier turtelnder Liebender, obwohl diese nicht einmal zu sehen sind!

Dennoch ist „Lockere Sitten“ kein kleines Meisterwerk wie zum Beispiel „Der Mieter“. Das Thema Schuld und Sühne wird (wieder einmal) von Hitchcock zwar sehr intensiv und emotional verarbeitet, hebt sich aber nicht besonders von Stummfilmen aus jener Zeit ab, wenn man einmal von den oben erwähnten inszenatorischen „Experimenten“ absieht. Obwohl Hitchock mit vielen Schnitten arbeitet, fällt die Kameraarbeit bei diesem Film irgendwie gar nicht so richtig auf. Schauspielerisch kann man nicht meckern, da sind ein paar wirklich gute Aktionen dabei, ansonsten ist „Lockere Sitten“ eine eher unscheinbares Liebesdrama, das ohne Zweifel interessant und kurzweilig ist, aber eben kein Meisterwurf.

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Fazit: Für Hitchcock-Liebhaber durchaus interessant, aber im Grunde genommen relativ einfacher Stummfilm, der nichts Weltbewegendes zu erzählen hat.

© 2015 Wolfgang Brunner

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