Vampire (1998)

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Originaltitel: Vampires
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Don Jacoby
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Maximilian Schell, Tim Guinee, Thomas Ian Griffith, Gregory Sierra, Cary-Hiroyuki Tagawa
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren (indiziert)

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Jack Crow ist professioneller Vampirjäger und mit seinem Team immer auf der Suche nach Vampirnestern. Als er eines Tages in einem Haus auf einen „Meister“ stößt, wird ihm sehr bald bewusst, dass jener Meister derjenige ist, der Jacks Eltern vor Jahren getötet hat. Als er seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Meistervampir beginnt, stößt er gleichzeitig auf eine großangelegte Verschwörung, die anscheinend weltweit den Weg für die im Untergrund lebenden Vampire bereiten will, um die Menschheit zu unterjochen.

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Nach den rasanten Eröffnungssequenzen weiß man sofort, dass man einen Film von John Carpenter sehen wird. Unverwechselbar durch die von ihm selbst komponierte Musik fällt man sofort wieder in eine „Carpenter“-Stimmung, die fast alle seine Filme, außer den Auftragsarbeiten „Starman“ und „Jagd auf einen Unsichtbaren“ verströmen. Man merkt dem Film sicherlich sein Alter an, aber dennoch ist unübersehbar, dass Carpenter sein Regiehandwerk perfekt beherrscht. Manch eingestreuter Witz würde heute gestrichen oder zumindest umgeschrieben werden, aber daran merkt man einfach, dass sich der Humor in den letzten Jahren verändert hat.

Der schräge Genremix aus Splatterhorror und Western funktioniert erstaunlicherweise absolut gut und macht richtiggehend Spaß. Auch hier kann man sehen, wie gut Carpenter Filmemachen beherrscht und diese Richtungsvermischung meistert.

Der Mittelteil von „Vampire“ schwächelt leider ein wenig, ist aber dennoch weit davon entfernt, Langeweile zu verbreiten. Obwohl ich Maximilian Schell gerne sehen, hat er mich in „Vampire“ irgendwie gestört. Ich kann nicht näher erklären, woran es liegt, aber manchmal kam es mir vor, als wäre er von seiner Rolle nicht wirklich angetan beziehungsweise überzeugt gewesen. Da es aber lediglich eine Nebenrolle ist, stört es nicht weiter. Auch das Ende erscheint mir etwas überzogen, hatte aber damals bestimmt eine entsprechende Wirkung, die heute nicht mehr erreicht wird.

Was mich allerdings absolut begeistert hat, und das auch noch nach so vielen Jahren, ist die Ankunft in der vampirverseuchten Stadt Santiago, wo auch das dramatische Finale stattfindet. Die Stimmung, die Carpenter da mit seinen Bildern in Verbindung mit der leicht „westernlastigen“ Musik erschafft, ist unglaublich. Diese Szenen lassen einem Carpenter-Fan wie mir das Herz höher schlagen. Da kommt eine Atmosphäre auf, wie ich sie an seinen Filmen mag.
Das Wiedersehen mit Sheryl „Laura Palmer“ Lee war grandios. Sie hat meiner Meinung nach sogar ein wenig besser gespielt als James Woods, aber das ist wohl immer Geschmackssache. Woods war mir an manchen Stellen einfach zu cool. 😉 Am allerbesten hat mir aber Daniel Baldwin gefallen, der leider im Haufen der anderen schauspielernden Baldwin-Brüder irgendwie untergeht. Er hat mich am meisten überzeugt und spielte seine Rolle mal sympathisch und mal fies. Und beides durchwegs glaubhaft.

Da der Titel noch immer indiziert ist, gibt es auch eine stark gekürzte FSK 16-Fassung, von der jeder Filmfan die Finger lassen sollte. Der Film ist durch die FSK-Schere mehr verstümmelt worden als die „zensierten“, verletzten und blutveschmierten Menschen und Vampire von den Special-Effects-Leuten.

Noch kurz ein paar Worte zur aktuellen Blu Ray-Veröffentlichung:
Nun ist der Film endlich uncut in einem limitierten Mediabook als Blu Ray auf den Markt gekommen. Das Bild ist teilweise hervorragend restauriert, an wenigen Stellen merkt man einfach, dass der Film schon etwas älter ist. Fans sollten auf jeden Fall zugreifen, denn so klar und deutlich hat man Carpenters Vampirjäger noch nicht gesehen.

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Fazit: Für Carpenter Fans sowieso ein Muss. Für Horror- und Splatterfreunde auf jeden Fall lohnenswert. Und nicht zu vergessen, der gewagte, aber geglückte, Genre-Mix aus Horror und Western in Verbindung mit einer wunderbaren Filmmusik.

© 2015 Wolfgang Brunner

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