The Nameless (1999)

Nameless

Originaltitel: Los sin nombre
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: Jaume Balagueró, Ramsey Campbell (Romanvorlage)
Kamera: Albert Carreras, Xavi Giménez
Musik: Carles Cases
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Emma Vilarasau, Karra Elejalde, Tristán Ulloa, Toni Sevilla, Brendan Price, Jessica Del Pozo, Judith Tort
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Vor fünf Jahren veschwindet das Mädchen Angela spurlos. Eines Tages erhält die Mutter einen Anruf, der ihr Herz schneller schlagen lässt: „Mama, ich bin’s … komm bitte und hol mich“.
Wer hat da um Hilfe gerufen? Gemeinsam mit einem Kommissar macht sich die verzweifelte Mutter auf die Suche nach ihrer vor Jahren verschwundenen Tochter und gerät in einen Strudel aus Gewalt und mysteriösen Geheimnissen, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen.

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Jaume Balaguerós Regiedebüt hat, zumindest in der ersten Hälfte, einen hohen Unterhaltungswert. Die melancholische Musik unterstreicht die Verzweiflung der Eltern beziehunsgweise der Mutter auf eine wirklich schöne Art, die mitfühlen lässt. Dabei setzt Balagueró hin und wieder „Rückblenden“ ein, die oftmals richtig Gänsehaut verursachen. Der Aufbau des Falles, die Rückkehr der verschwundenen Tochter und die mysteriösen Einblendungen machen den Anfang von „The Nameless“ zu einem wirklich sehr guten Thriller. Obwohl die Vorlage von Horror-Schriftsteller Ramsey Campbell stammt, bekommen die Zuschauer keinen reinrassigen Horrorfilm sondern eher einen düsteren, brutalen Thriller im Stil von „Sieben“ präsentiert.

An der Inszenierung ist auch nichts weiter auszusetzen. Durch das Fehlen jeglichen Sonnenlichts kommt schon bereits nach kurzer Zeit eine bedrückende Atmosphäre auf, die einen in den Bann zieht. Der Spannungsbogen wird auch für lange Zeit gekonnt gehalten, fällt aber dann im letzten Drittel leider ab. Für mich lag das eindeutig an der Entwicklung der Handlung. „Sekten“ mag ich nicht, das war seinerzeit auch schon der Grund, warum mir Rob Zombies „The Lords Of Salem“ am Ende nicht mehr so recht gefiel. Und auch hier sinkt der Spannungspegel konstant, je mehr die Sekte ins Spiel kommt. Das Finale, das laut Cover so erschreckend und raffiniert wie bei „Sieben“ sein soll, ist für mich eher eine Enttäuschung. Da fehlt einfach der „Knaller“.
Die Musikuntermalung von Carles Cases ist wunderschön elegisch oder bedrohlich,  je nachdem was die Bilder des Regisseurs verlangen und daher eine sehr routiniert eingesetzte Filmmusik, die absolut positiv auffällt.

Für ein Regiedebüt liefert Jaume Balagueró, der später die atmosphärischen Filme „Darkness“„Fragile“ und zusammen mit Paco Plaza die ersten REC-Filme („Rec“ und „Rec 2“) inszenierte, einen sehenswerten Film ab, der mit einer düster-surrealen Atmosphäre fasziniert. Leider nimmt das Ende den gruseligen Bildern der ersten Hälfte seinen Reiz.

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Fazit: Stimmungsvoller, düsterer und teils harter Thriller, der mit surrealen Sequenzen auch einen wohligen Schauer verbreitet. Hätte Balagueró den ruhigen, melancholischen Weg, mit dem er den Film begonnen hat, bis zum Ende weiter eingeschlagen, hätte „The Nameless“ weitaus mehr an Atmosphäre behalten.

© 2015 Wolfgang Brunner

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