Irrgarten der Leidenschaft (1925)

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Originaltitel: The Pleasure Garden
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
Kamera: Gaetano di Ventimiglia
Musik:—
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Virginia Valli, Carmelita Geraghty, Miles Mander, John Stuart, Georg H. Schnell, Karl Falkenberg
Genre: Drama, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien, Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Jill Cheyne möchte unbedingt Revuetänzerin werden. Sie lernt Patsy Brand kennen und freundet sich mit ihr an. Als sie immer mehr zum Star wird, verändert sich auch ihr Charakter und sie lässt ihren Verlobten Hugh links liegen, als sich der reiche Fürst Iwan für sie interessiert. Patsy und ihr Ehemann reisen an den Comer See in Oberitalien und treffen dort Hugh, der sich sofort nach Jill erkundigt. Als er von ihrer Romanze mit dem Fürsten hört, bricht für ihn eine Welt zusammen.

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Hitchcocks erster vollendeter Film hat mich durchaus überzeugt. Schon hier kann man sehen, wie Hitchcock mit Licht und Schatten spielt und sich an Kameraeinstellungen wagt, die damals nicht der Norm entsprachen. Die Inszenierung ist sehr ansprechend und für einen Stummfilm, dem man in der heutigen Zeit leider nicht mehr allzuviel abgewinnen kann, äußerst kurzweilig und unterhaltsam.
Das liegt mit Sicherheit zum einen an der Inszenierung Hitchcocks, bei der man damals schon erahnen konnte, dass sich hinter diesem Regisseur ein Ausnahmetalent verbarg. Zum anderen taten aber die Darsteller ihr übriges dazu, um das Drama recht ansehnlich wirken zu lassen. Virginia Valli und Carmelita Geraghty in den Hauptrollen haben mich überzeugt und es war eine echte Freude, ihrem Agieren zuzusehen (das selbstverständlich mit der heutigen Schauspielerei absolut nicht zu vergleichen ist). Am meisten hat mich allerdings Miles Mander beeindruckt. Wie er den alkoholkranken, agressiven Ehemann gespielt hat, war schon ziemlich gut. Aber auch George H. Schnell versprühte sichtlich seinen Charme. Sein Gesicht kennt man aus unzähligen Filmen, die bekanntesten sind wohl Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, „Der Mustergatte“ und zuletzt eine Nebenrolle in „Die Feuerzangenbowle“ (die beiden letzten mit Heinz Rühmann).

Alfred Hitchcocks relativ harmloser Einstieg ins Filmgeschäft zeigt bereits Anzeichen seiner Genialität. Vor allem das Spiel mit den Schatten respektive die Ausleuchtung seiner Sets zeigt schon einen visionären Charakter, der sich im Laufe seiner Karriere immer mehr stabilisierte. Das Liebesdrama in „Irrgarten der Leidenschaft“ ist teilweise sehr emotional gedreht und besaß zur damaligen Zeit mit Sicherheit eine ziemlich gute Aussagekraft. Das oftmals sehr natürliche Agieren der Darsteller hebt Hitchcocks Film eindeutig von anderen Stummfilmproduktionen ab, wo sehr viel mehr Wert auf „gekünstelte“ Mimik gelegt wurde. Das machte mir „Irrgarten der Leidenschaft“ sehr sympathisch.

Für Hitchcock-Fans unbedingt empfehlenswert, denn man kann schon ganz klar die unnachahmliche Hand des Meisters erkennen.

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Fazit: Das erste vollendete Werk von Hitchcock, das bereits damals schon durch einen außergewöhnlichen und visionären Inszenierungsstil überzeugen konnte. Für Fans ein absolutes Muss, da er den Anfangspunkt einer unglaublichen Karriere darstellt, für alle anderen ein (langweiliger) Stummfilm wie jeder andere.

© 2015 Wolfgang Brunner

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