Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)

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Originaltitel: The Holy Mountain
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky
Kamera: Rafael Corkidi
Musik: Don Cherry, Ronald Fangipane, Alejandro Jodorowsky
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Alejandro Jodorowsky, Horácio Salinas, Juan Ferrara, Adriana Page, Burt Kleiner u.v.m
Genre: Kunstfilm, Experimentalfilm
Produktionsland: Mexiko/USA
FSK: ab 18 Jahren

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Als ein Dieb einen hohen Turm erklimmt, trifft er dort in einem riesigen Regenbogenzimmer auf einem Alchemisten. Dieser ist im Begriff eine Gruppe von Leuten um sich zu versammeln, um sich auf die Reise zum „heiligen Berg“ zu machen. Dieser Berg soll das Geheimnis der Unsterblichkeit bergen. Begleitet werden sie von einer siebenköpfigen Gruppe. Jeder von ihnen muss sein Ego aufgeben, um das Geheimnis des Berges ergründen zu können …

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Wow! Was war das denn? Ist das Kunst oder kann das weg? Auf der Suche nach dem Extremen bin ich auf diesen Film gestoßen. Also ich habe ja schon einige verstörende und/oder surreale Filme gesehen aber sowas noch nie.  Die Story ist eigentlich schnell erzählt – und doch wieder nicht! Doch bevor ich über die Story berichten gilt es vorher einiges wissenswertes über den Regisseur zu erfahren der dieses „Kunstwerk“ auf die Beine gestellt hat.

Alejandro Jodorowsky ist für mich einer der schrägsten Regisseure aller Zeiten. Sein künstlerisches Schaffen zu beschreiben ist nicht einfach, denn es gibt kaum etwas, das dieser Mann nicht gemacht hat. Er ist Schriftsteller, Dichter, Musiker, arbeitete an mehreren Comics, inszenierte Theaterstücke und ist Regisseur von Filmen gewesen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass es Leute gab, die diese finanziell unterstützten. Es sind Filme, die sich nicht nur weit abseits vom Mainstream bewegen, sondern Jodorowsky erschuf mit seinen Arbeiten fast so etwas wie ein neues Genre. Da seine Filme meist im höchsten Maße surrealistisch sind, kann man oft nur schwer verstehen, was Jodorowsky einem wirklich erzählen möchte. Seine Hauptcharaktere sind meist Außenseiter und die Welt, in der sie leben, gleicht einem verrückten Labyrinth.

Auch die Enstehungsgeschichte des Filmes ist ziemlich spektakulär. So soll Alejandro Jodorowsky mehrere Tage vor Drehstart ohne Schlaf unter der Aufsicht eines Zen-Meisters verbracht haben und das Drehbuch unter dem Einfluss von LSD geschrieben haben. Außerdem soll er mehrere Wochen lang mit der Crew des Filmes in einer Art Kommune gelebt haben, wo die Schauspieler ebenfalls unter Einfluss von Drogen spirituelle Erfahrungen machen sollten. Doch genug der Vorabinformationen, jetzt will ich versuchen, den Film zu beschreiben.

Es fällt mir nicht leicht, den Film irgendeinem bekannten Schema zuzuordnen. Dazu ist er viel zu ungewöhnlich. Wenn man sich den Trailer ansieht, ahnt man schon, warum dieser Film eigentlich außerhalb jeder Kritik steht. Ihn als eine „traumartige Reise“ oder einen „Trip“ zu bezeichnen ist noch nett gemeint. „Der heilige Berg“ ist unkonventionell und ohne Zweifel mutig. Einige Dinge, die dieser Film zeigt, könnte man heute so nicht mehr drehen. Auch wie der Film mit einigen anderen Dingen umgeht, wäre heutzutage undenkbar. Obwohl „Der heilige Berg“ immer wieder Elemente enthält, die man als zynische Satire und Gesellschaftskritik auffassen kann, wird bis zum Schluß nie wirklich klar, was der Regisseur uns eigentlich sagen will, ob er nun ein Thema behandelt oder mehrere.

Auf jeden Fall präsentiert Jodorowsky mit diesem Film ein äußerst skurilles und kontroverses Szenario und lässt dabei teils radikale Anspielungen auf Kirche, Sexualität und Gewalt erkennen. Es ist schon ein gehöriger Spagat zwischen Genialität und dem puren Wahnsinn  den ich mir da angesehen habe und der mich mit völlig gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Mehrmals war ich kurz davor auszuschalten. Aber das Ende fand ich gut! 🙂

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Fazit: Das ist so einer der Filme, bei denen es unglaublich stark auf den eigenen Geschmack ankommt. Ich könnte es durchaus verstehen, wenn manch einer die DVD nach spätestens 10 Minuten stoppt. Ich glaube, man sollte bei diesem Film nicht unbedingt nach logischen Erklärungen oder dem eigentlichen Sinn der Abläufe suchen, sondern vielmehr die gewaltige Bildsprache des Szenarios auf sich wirken lassen. Denn bildgewaltig ist der Film allemal, das muss man ihm lassen. Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich den Film jemals wieder ansehen werde oder ob ich ihn guten Gewissens weiter empfehlen kann. Ist das Kunst oder kann das weg? Ich weiß es nicht.

© 2015 Lucas Dämmig

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