Und Nietzsche weinte (2007)

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Originaltitel: When Nietzsche Wept
Regie: Pinchas Perry
Drehbuch: Irvin D. Yalom (Novelle), Pinchas Perry
Kamera: Georgi Nikolov
Musik: Sharon Farber
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Armand Assante, Ben Cross, Katheryn Winnick, Michal Yannai, Jamie Elman
Genre: Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Der angesehene Wiener Arzt Dr. Josef Breuer wird während eines Aufenthalts in Venedig von der jungen Russin Lou Salomé darum gebeten, den Philosophen Friedrich Nietzsche zu behandeln, der seit der Trennung von Lou in Depressionen versinkt und sich mit Selbstmordabsichten trägt. Breuer willigt ein und versucht Nietzsche mit einer von ihm entwickelten Redekur zu heilen, ohne dass dieser etwas davon merkt. In den therapeutischen Gesprächen mit Nietzsche wird Breuer aber mehr und mehr selbst zum Patienten. Der Psychologe gibt zu, dass er von seiner ehemaligen Patientin Bertha besessen ist und davon fantasiert, seine Frau Mathilda deshalb zu verlassen. Breuer sucht Rat bei seinem jungen Freund und Kollegen Sigmund Freud …

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Der Film „Und Nietzsche weinte“ beruht auf dem gleichnamigen Roman von Irvin D. Yalom aus dem Jahr 1994. Der Autor gehört zu den einflussreichsten Psychoanalytikern in den USA. So mag sich Yalom vielleicht gedacht haben, was wohl naheliegender wäre als über seinen Beruf einen Roman zu verfassen und darin längst verstorbene Kollegen auftreten zu lassen. Wie es wirklich dazu kam, dass der Roman geschrieben wurde, weiß ich nicht, aber jedenfalls ist das Thema der Psychoanalyse rund um Breuer und Freud sowie Nietzsches Theorien für mich sehr interessant und deshalb war ich ziemlich gespannt, als ich den Film entdeckte. Das zugrundeliegende Buch habe ich noch nicht gelesen, jedoch werde ich es höchstwahrscheinlich bald lesen.

Was lässt sich nun über diesen Film sagen, da ich ihn so unvoreingenommen beurteilen kann? Nun, ich hatte mir ein wenig mehr erhofft. Es sei verraten, dass der Film reale Fakten mit Fiktion vermischt und so keinen Anspruch auf völlige historische Korrektheit erheben kann. Die Handlung selbst spielt im Jahre 1882 in Wien. Dementsprechend ist die Kulisse recht eindrucksvoll. Was man von den Figuren und der Handlung nicht eben behaupten kann. Da „Und Nietzsche weinte“ ein Independet-Film ist, will ich nicht ganz so hart sein, doch bei dem Versuch, die komplexe Psyche des großen Denkers in Bildern und Dialogen einzufangen, scheitert Regisseur und Drehbuchautor Pinchas Perry fast durchgehend. Nietzsche und Breuer mögen zwar Exzentriker gewesen sein, doch eine glaubhafte Umsetzung dessen gelingt hier nicht. Stattdessen wirken die Figuren stark überzeichnet. Die vielen zusammengeschnittenen Traumszenen, die einige psychische Zustände und Gefühlslagen der Protagonisten verdeutlichen sollen, wirken viel zu oberflächlich. Tiefgreifende Dialoge sucht man hier vergeblich. Dafür wird viel aus Nietzsches Werken zitiert. Ich bezweifle aber, ob die Schauspieler wirklich den Sinn des zitierten verstanden haben oder einfach nur Stumpf ihren Text aufgesagt haben. Ich tippe auf letzteres.
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Fazit: Eine Literaturverfilmung, die kein Mensch braucht, mit einem Wort: Enttäuschend. Bestenfalls ein B-Movie. Er lebt von überzogenen Figuren, schlecht harmonierenden Schauspielern und unfreiwilliger Komik. Nietzsche hätte sich die Haare gerauft. Ich hoffe das Buch ist besser

 © 2015 Lucas Dämmig

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