Amer – Die dunkle Seite der Träume (2009)

amer-dvd-cover-alt

Originaltitel: Amer
Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Drehbuch: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Kamera: Manuel Dacosse
Musik: n/a
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Marie Bos, Delphine Brual, Harry Cleven, Bernard Marbaix, Cassandra Forêt, Charlotte Eugène-Guibbaud
Genre: Thriller, Experimentalfilm
Produktionsland: Frankreich, Belgien
FSK: ab 16 Jahren

*

Nach dem Tod ihres Großvaters besucht die kindliche Ana den Landsitz ihrer Familie. In den unheimlichen Fluren des bedrohlichen Herrenhauses fühlt sie sich bald von seltsamen Gestalten verfolgt.
Ein paar Jahre später: In Anas  Jugend trifft ihre seltsame Lust an der Angst auf ihre erwachende Sexualität – eine Kombination, die zumindest in ihrer Phantasie äußerst schräge Blüten treibt. In der dritten und längsten Episode stellt sich die erwachsene Ana im Haus ihrer Großmutter den Geistern ihres Lebens, die inzwischen erschreckend reale Formen angenommen haben …

*

Wow! Was soll ich zu diesem Film sagen… „Mindfuck“, „a real masterpiece“, „fuckin‘ awesome“ – all das wäre zuwenig, um Amer zu beschreiben. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Das belgisch-französische Filmdebüt der beiden Regisseure in Spielfilmlänge hat es echt in sich.

Doch bevor ich jetzt weiterschwärme noch einen Warnung: Das ist ein Kunstfilm! Wer einfach nur Unterhaltung sucht, sollte hier die Finger davon lassen! Hier bekommt der Hollywood-Mainstream so richtig ein’s in die Fresse.

Amer ist eine Hommage an das Genre des italienischen Giallo-Filmes, der in Italien um 1960 äußerst populär war. Gialli (wie sie in der Mehrzahl heißen) waren oft reißerische Thriller voller Gewalt und Sexualität, die mit einfallsreichen Bildern in Szene gesetzt wurden. Ohne dieses Genre wären viele Filme Brian de Palmas (z.B. Scarface) überhaupt nicht denkbar gewesen. Und der typische amerikanische Slasherfilm beruft sich auch auf dieses Genre, was als erstes die Abgründe der menschlichen Seele zeigte. Amer nähert sich diesem Genre mit einem künstlerischen Ansatz und rückt besonders Töne und aufwendige Perspektiven in den Mittelpunkt. Der Name Giallo (bedeutet gelb) leitet sich übrigens vom gelben Einband billiger italienischer Krimi-Taschenbücher ab. Und „Amer“ bedeutet übersetzt soviel wie „Verbitterung“.

Doch genug der Vorinformation, kommen wir nun zum eigentlich Film. Wenn ich den Film mit einem oder zwei Worten beschreiben müsste, würde ich sagen: bizarre Schönheit. Es ist ein wildes, verrücktes und ziemlich gewagtes Experiment. Im Großen und Ganzen umfasst es drei Stationen im Leben einer Frau namens Ana – von der Kindheit bis zum Erwachsenenleben. Wie diese drei Episoden ursprünglich zusammenhängen, wird nicht erklärt – man ahnt es eher, als es zu wissen. Da der Film kaum einen Dialog enthält (insgesamt werden wohl nicht viel mehr als 10 Sätze gesprochen), der die Vorgänge auf der Leinwand erklären könnte, muss man sich ganz auf die sorgsam komponierten Bilder verlassen und sich von ihnen die Geschichte erzählen lassen. Diese lassen natürlich mehr als genug verschiedene Interpretationen zu sodass außer dem Grundgerüst nicht viel fest steht.

Einen weiteren wichtigen Aspekt des Filmes macht die „Filmmusik“ aus. Hier kommen Originalstücke aus Giallos zum Einsatz. Es ist inszeniert wie ein Drogenrausch. Besonders mit Licht und Farbe sowie extremen Kameraeinstellungen wird hier viel gespielt. Das extravagante Sounddesign treibt das Ganze dann noch auf die Spitze. Ich könnte endlos über diesen Film schreiben, ohne seiner künstlerischen Schönheit auch nur im geringsten gerecht zu werden. Besonders fasziniert hat mich, dass man fast kaum ein gesprochenes Wort hört, der Film aber dennoch permanent durch die Bildsprache zu erzählen weiß. Durch die vielen Interpretationsmöglichkeiten ist das Ganze wie gesagt oft nur schwer nachvollziehbar und daher sicher nicht jedermanns Sache, aber wer den künstlerischen Aspekt eines Filmes würdigen kann – nur zu!

*

Fazit: Ein Film der mehr Fragen stellt als er beantwortet. Außergewöhnlich. Ich freue mich schon richtig auf der nächste Werk der beiden Regisseure welches am 29. Januar 2015 auf DVD erscheint und den Titel The Strange Colour Of Your Body’s Tears (deutscher Titel: Der Tod weint rote Tränen) trägt.

© 2014 Lucas Dämmig

Stalingrad (2013)

Stalingrad_2013_Blu-ray-3D_cover

Originaltitel: Сталинград
Regie: Fjodor Bondartschuk
Drehbuch: Ilja Tilkin, Sergei Sneschkin
Kamera: Maxim Osadtschi
Musik: Angelo Badalamenti
Laufzeit: 135 Minuten
Darsteller: Pjotr Fjodorow, Janina Studilina, Dmitri Lyssenkow, Alexei Barabasch, Andrei Smoljakow, Marija Smolnikowa, Thomas Kretschmann, Heiner Lauterbach
Genre: Krieg, Drama
Produktionsland: Russland
FSK: ab 16 Jahren

*

Die Einnahme eines strategisch wichtigen Gebäudes in Stalingrad ist Ziel der vorrückenden deutschen Armee. Eine Gruppe entschlossener Soldaten und eine Frau, die schon immer in diesem Haus wohnt, stellen sich den deutschen Soldaten und verteidigen das Gebäude mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mittel.

*

„Stalingrad“ ist der erste russische Film, der komplett in 3D gedreht wurde. Und da bin ich auch schon bei meinem ersten Pluspunkt, den ich diesem Kriegsfilm „verleihe“, denn ich habe die 3D-Fassung gesehen und war wirklich absolut begeistert. Vollkommen unaufdringlich zieht die dreidimensionale Fassung den Zuseher mitten ins Geschehen und lässt einen dabei sein. Das macht richtig Spaß.

Aber nun zum eigentlichen Film: Der hat mir ebenfalls sehr gefallen. Vor allem die russischen Darsteller machten ihre Sache wirklich sehr gut. Da gingen die deutschen Schauspieler Heiner Lauterbach und Thomas Kretschmann fast schon unter. 😉
Allen voran war Janina Studilina wirklich sehr überzeugend.
Die relativ einfach gestrickte Handlung war dennoch in hohem Maße unterhaltend, was aus meiner Sicht in erster Linie daran lag, dass Regisseur Fjodor Bondartschuk immer wieder geschickt zwischen actionlastigen und ruhigen, fast schon melancholisch wirkenden, Szenen wechselte. Dadurch bekam „Stalingrad“ fast schon einen Hauch von „Pearl Harbor“.

Die umwerfend gute Musik von Angelo Badalamenti tat ihr übriges dazu. Sie untermalte das Kriegsdrama eindringlich mit einer bombastischen, aber auch -wo angebracht- mit einer wundervollen, zarten Melodie, die einem nicht mehr aus dem Ohr ging. So muss Kino sein, egal aus welchem Land es kommt. Die ein oder andere kleine Drehbuchschwäche sei vergeben, wenn man zwei Stunden lang bombastisch, spannend und emotional unterhalten wird.
Sicherlich fühlt man sich so manches Mal an den Film von Joseph Vilsmaier aus dem Jahr 1993 erinnert, viel öfter musste ich allerdings an den 2001 erschienenen „Duell – Enemy At The Gates“ denken. Aber das bleibt natürlich auch bei der gleichen Thematik unausweichlich.

Auch wenn der Anfang des Films erst einmal befremdlich wirkt, so rundet er das Bild der dramatischen Kriegsereignisse dennoch (wenn auch nicht unbedingt vollkommen logisch) irgendwie auf melancholische Weise ab. Mir hat es, je länger ich darüber nachdenke, gefallen. Lasst euch überraschen, denn anfangs denkt man in der Tat, man sitzt im falschen Film. 🙂

*

Fazit: Bombastisch, spannend und melancholisch zeigt „Stalingrad“ eine Auseinandersetzung aus russischer Sicht um ein wichtiges strategisches Gebäude. Die 3D-Umsetzung ist hervorragend gelungen und lässt, wie der Film überhaupt, nichts zu wünschen übrig.

© 2014 Wolfgang Brunner

…und Gerechtigkeit für alle (1979)

UndGerechtigkeitfralle-Cover-170942

Originaltitel: … And Justice for All
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: Valerie Curtin, Barry Levinson
Kamera: Victor J. Kemper
Musik: Dave Grusin
Laufzeit: 115 Minuten
Darsteller: Al Pacino, Alan North, Craig T. Nelson, Lee Strasberg, Jack Warden u.v.m
Genre: Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

*

Der Anwalt Arthur Kirkland hat ein idealistisches Verständnis von Recht und Justiz. Seiner Meinung nach soll die Justiz dafür sorgen, dass die Gerechtigkeit siegt. Im Laufe seiner Tätigkeit muss er aber feststellen, dass die Realität anders aussieht. Bürokratische Pedanten wie der Richter Henry T. Fleming sorgen dafür, dass Kirklands Vertrauen in das Rechtssystem ziemlich erschüttert wird. Als er gebeten wird, ausgerechnet Fleming in einer Vergewaltigungsklage zu verteidigen, ahnt er nichts Gutes. Kirkland geht davon aus, dass Fleming seinen Ruf als glühender Verfechter für die Gerechtigkeit nutzen will, um als Unschuldiger dazustehen. Widerwillig nimmt er das Mandat an und gerät immer mehr in einen Konflikt zwischen seiner Karriere und seinem Selbstwertgefühl …

*

Die Phrase „…und Gerechtigkeit für alle“ stammt aus dem üblichen Treueschwur der USA und ist am Anfang des Filmes zu hören. Aktuelle Ereignisse sprechen diesem Gelöbnis allerdings mehr als Hohn. Gerechtigkeit ist leider extrem subjektiv. Doch ich bin nicht hier um meine Meinung über Gerechtigkeit zu verbreiten sondern um über einen Film zu rezensieren.
Der Regisseur Norman Jewison ist in Hollywood keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Er ist für seinen sozialkritischen Blick auf Amerika bekannt. Ob Krimi- , Polit- oder Pokerfilme als auch Science-Fiction-Dystopien – er hat sich bisher an fast allem versucht und wurde dafür fünfmal für einen Oscar nominiert. Leider hat er bisher noch keinen gewonnen. Auf diesen Film bin ich durch ein Lied meiner Lieblingsband gekommen. Als ich dann noch feststellte das (der damals noch junge) Al Pacino (bekannt unter anderem aus Der Pate) mitspielt (wofür er übrigens auch für einen Oscar nominiert wurde), war klar dass ich mir den Film ansehen muss. Das Thema ist bekannt. Ein Justizwesen, das nach eigenen Regeln und fernab der hohen Ideale agiert. In dem Film sieht es allerdings eher wie eine Irrenanstalt aus, oder, um es anschaulicher zu formulieren wie das Haus, das Verrückte macht.

Jewison konnte Al Pacino für die Hauptrolle gewinnen und sich damit schon einen halben Erfolg sichern. Dieser spielt hier einen desillusionierten Staranwalt. Und das mit Bravour! Natürlich spielen neben Pacino auch noch andere bekannte Größen der damaligen Zeit wie Alan North und Craig T. Nelson mit. Insgesamt fand ich die Besetzung sehr gelungen. Der Regisseur schafft das Kunststück trotz aller Kritik, nicht lediglich ein zorniges, pessimistisches Drama daraus zu machen, sondern sogar so etwas wie Humor (wie etwa über schrullige Richter) einzubringen, und das an einer Stelle, wo man es am wenigsten erwartet. Nur bei der Filmmusik hat sich Jewison etwas vergriffen. Diese Art Pop mag zwar in den 70er-Jahren populär gewesen sein, passt jedoch hier überhaupt nicht dazu. Man merkt es dem Film eben an, das er vor 35 Jahren gedreht wurde. Nichtsdestotrotz halte ich ihn für eine gelungene Anprangerung des Justizsystems. Er hat zwar nicht viel geändert, doch vielleicht einigen Menschen zum Nachdenken gebracht.

*

Fazit: Ein recht bissiger Film der die Utopie von Ethik und hoher Moral der Wirklichkeit gegenüber stellt. Nicht schlecht, doch durch Pacino mindestens Mittelmaß.

Metallica – …And Justice For All

© 2014 Lucas Dämmig

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (2014)

das-schicksal-ist-ein-mieser-verraeter-094333499

Originaltitel: The Fault in Our Stars
Regie: Josh Boone
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber
nach dem Roman von John Green
Kamera: Ben Richardson
Musik: Mike Mogis & Nathaniel Walcott
Laufzeit: 126 Minuten (Extended Version 133 Minuten)
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Nat Wolff, Laura Dern, Sam Trammell, Willem Dafoe, Lotte Verbeek
Genre: Drama, Literatur, Liebe
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahren

*

Hazel und Gus, zwei krebskranke Teenager, verlieben sich ineinander. Durch die ständige Angst, den Tod im Nacken zu haben, versuchen sie mit Humor ihr Leben zu meistern. Und sie machen sich auf den Weg nach Amsterdam, um Hazels Lieblingsschriftsteller zu treffen. Für kurze Zeit erleben beide eine kleine Ewigkeit miteinander …

*

Kitsch hin oder her, bei mir hat die Verfilmung von John Greens Bestseller funktioniert. Und zwar um einiges besser als das Buch. In der Regel haben es Verfilmungen schwer, ihre literarischen Originale gerecht umzusetzen. Bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ wurde ich definitiv eines Besseren belehrt. Während das Buch viel zu oft sarkastisch und übertrieben humorvoll war, schlug Regisseur John Boone den tränenreicheren, und für mich auch glaubwürdigeren, Weg mit seiner Filmumsetzung ein, denn, wer krebskrank ist, mag hin und wieder der schrecklichen Wahrheit mit gekünsteltem Humor und Sarkasmus begegnen – aber doch nicht immer! Da finde ich es schon viel realistischer, wenn bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor Herzschmerz geweint wird. Und das wird in Boones Film in der Tat ziemlich oft.

Aber, wie gesagt, guter Kitsch kann auch so richtig schön sein und zum Mitweinen, Mitfiebern und Mitleiden verführen, wie es im hier besprochenen Film eindeutig passiert. Shailene Woodley spielt die Rolle der Hazel absolut gut und glaubwürdig. Ihre Rehaugen treffen einen mitten ins Herz, wenn sie verzweifelt, aber nicht resigniert, ihren Liebsten ansieht.
An Ansel Elgort („Carrie“) musste ich mich allerdings erst einmal gewöhnen. Mit seiner Darstellung des Gus wurde ich anfangs nicht so recht warm, was sich aber im Laufe des Films änderte. Laura Derns Rolle als besorgte und übertrieben emotionale Mutter war gut besetzt, auch wenn ihr an manchen Stellen die Gesichtszüge vor lauter Gefühl fast entglitten. Aber genau das macht Laura Dern ja auch irgendwie aus (und sympathisch). 😉

Was mich im Buch „kalt“ gelassen hat, berührte mich im Film um ein Vielfaches. Visuell zu erleben, wie zwei Jugendliche gegen ihre tödliche Krankheit kämpfen und sich mit ihrer Liebe zueinander „über Wasser“ halten, wirkte auf mich sehr tragisch und gefühlvoll (und natürlich auch kitschig – aber wie oben bereits erwähnt: Guter Kitsch kann durchaus Spaß machen und unterhalten bzw. in diesem Falle bewegen/berühren).

Das Buch werde ich wohl nicht mehr lesen, den Film dafür mit Sicherheit nochmals ansehen, auch wenn er mich dann bestimmt wieder packen und traurig machen wird.

*

Fazit: Um Längen besser als das Buch! Anrührend, lustig, tragikomisch und vor allem traurig. Darstellerisch liegt Shailene Woodley eindeutig vor Ansel Elgort, aber die beiden geben in meinen Augen ein fast schon kultverdächtiges Liebespaar ab.

© 2014 Wolfgang Brunner

Auf brennender Erde (2008)

aufbrennendererde11

Originaltitel: The Burning Plain
Regie: Guillermo Arriaga
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Kamera: Robert Elswit
Musik: Omar Rodriguez-Lopez, Hans Zimmer
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Charlize Theron, Kim Basinger, Jennifer Lawrence, John Corbett, Brett Cullen, Danny Pino, Robin Tunney
Genre: Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

*

An der Küste der Vereinigten Staaten im Bundesstaat Oregon führt eine Frau namens Sylvia ein Restaurant, doch in ihren Gedanken lebt sie noch immer in der Wüste New Mexikos. Viele Jahre zuvor fand dort eine leidenschaftliche Affäre durch einen Brand ein schreckliches Ende. Jetzt, viele Jahre später, macht sich hier ein Mädchen auf, um seine Eltern, die durch diese Tragödie zusammengebracht und doch wieder getrennt wurden, miteinander zu versöhnen…

*

Auf brennender Erde ist das Regiedebüt des mexikanischen Regisseurs Guillermo Arriaga. Bis zu dem Zeitpunkt war Arragia eher dafür bekannt, die Drehbücher für seinen mexikanischen Kollegen Alejandro González Iñárritu zu schreiben. In seiner bekannten verschachtelten Erzählweise, die oft mit Zeit- und Ortswechseln einhergeht, spinnt Arragia hier eine Geschichte, die sich um seine Lieblingsthemen wie Schuld und Versöhnung sowie Liebe und Tod drehen. Das funktioniert auch nach dem x-ten Mal nicht schlecht. In diesem Film schafft es der Regisseur meiner Meinung nach, eine Atmosphäre einzufangen, die den Zuschauer so richtig in’s Geschehen eintauchen lässt. Man beginnt eigene Vermutungen anzustellen, wie sich eine Sache wohl verhalten könnte, und nach und nach werden alle Puzzleteile aufgedeckt. Mir hat es richtig Spaß gemacht, den Film anzusehen. Die Kameraarbeit ist ausgezeichnet.

Einen großen Anteil am Funktionieren des Filmes hat daran natürlich auch die Besetzung. Mit Charlize Theron, Jennifer Lawrence und Kim Basinger sind an diesem Film drei starke Schauspielerinnen beteiligt, die den Film fast im Alleingang tragen. Zwar darf auch der männliche Teil der Besetzung nicht vergessen werden, doch das weibliche Trio lässt hier die stärksten Emotionen erkennen. Man beginnt zu verstehen, warum eine Figur so und nicht so handelt. Doch Auf brennender Erde  erscheint durch die teilweise distanzierte Schilderung der Ereignisse etwas empathielos. Dabei ist die Geschichte eigentlich tieftraurig. Das hätte man besser machen können. Jedoch mag ich den Film trotzdem. Warum? Nun, auf eine ganz spezielle, ergreifende Weise wird hier der ewige Kampf des Menschen mit seinem Selbstbild geschildert. Verpackt in eine ruhige Art und Weise, entrollt sich die Geschichte vor den Augen des Betrachters, sodass man jede einzelne Facette ganz genau betrachten kann. Man könnte den Film am ehesten mit einer modernen Version von Romeo und Julia vergleichen. Und – auch wenn es am Anfang etwas dauern mag, den berühmten roten Faden zu finden, es lohnt sich alle Mal!

*

Fazit: Aus verbrannter Erde kann sich neues entwickeln. Sie kann sogar äußerst fruchtbar sein. Jennifer Lawrence erhielt damals einen Preis als Beste Nachwuchsdarstellerin. Und es gibt auch so etwas wie ein Happy End – auch wenn angedeutet wird, dass dies die erlittene Trauer nicht aufwiegen kann. Besonders hervorheben möchte ich hier noch den genialen Score von Starkomponist Hans Zimmer. Selten so etwas Tolles gehört!

© 2014 Lucas Dämmig

The Signal (2014)

The-Signal-2014-movie-poster

Originaltitel: The Signal
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank, Cyrlyle Eubank, David Frigerio
Kamera: David Lanzenberg
Musik: Nima Fakhrara
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Laurence Fishburne, Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Lin Shaye, Beau Knapp, Robert Longstreet
Genre: Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

*

Nic, Jonah, und Haley fahren zu ihrem neuen Studienort, als sie ein Signal von einem geheimnisvollen Hacker namens Nomad erhalten, der sie damit zu einem einsamen, völlig abgelegenen Haus lockt. Als Nic und Haley das Haus betreten, geraten sie in eine Falle und werden gefangen genommen. Als sie erwachen, finden sie sich in einem unterirdischen Versuchslabor wieder und werden von Männern in Schutzanzügen befragt. Immer mehr kristallisiert sich eine schreckliche Wahrheit aus den mysteriösen Umständen heraus und die drei Studenten müssen feststellen, dass sie Versuchskaninchen für ein geheimes Experiment geworden sind …

*

„The Signal“ ist einerseits visueller Augenschmaus (besonders gegen Ende), andererseits aber irgendwie unausgegorene Mischung aus exentrischem Experimentalfilm und abgenudeltem Mainstream.  Der Film lässt sich schwer beschreiben, deswegen sollte man ihn sich auf jeden Fall ansehen, denn sehenswert ist er allemal.
Die Handlung wirkt oftmals aber leider wirr und undurchdacht. Es wurden Handlungsstränge eingeschlagen, die dann plötzlich unbeachtet links liegen gelassen werden. Die Entwicklung der Geschichte ist allerdings immer wieder sehr unvorhersehbar, was mir wiederum sehr gut gefallen hat.

Darstellerisch kann man nicht meckern, da stimmt alles soweit. Und auch inszenatorisch gelang Eubank, der bereits mit seinem Debüt „Love“ für Furore sorgte, ein durchweg gelungener Film, der im Grunde genommen nichts zu wünschen übrig lässt. Außer eben einer vielleicht doch geradlinigeren Handlung, die mehr Sinn ergeben hätte.
Die Entwicklung der Protagonisten in eine Art Superhelden hat mir gar nicht gefallen, da hätte Eubank meiner Meinung nach etwas zurückhaltender herangehen sollen, dann hätte „The Signal“ eine weitaus realistischere Grundlage bekommen und wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall spannender, erschreckender und beklemmender geworden.
Die Entwicklung der ganzen Handlung hat mir, wie schon erwähnt,  allerdings wirklich gut gefallen und die visuelle Umsetzung gegen Ende des Films hat ohne Zweifel seine Reize. Dennoch wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Ich bin sicher, dass es sich für Filmfreunde lohnt, den weiteren Weg des Regisseurs zu verfolgen. Das Gespür für gute Inszenierungen hat er auf jeden Fall.

*

Fazit: Visuell absolut sehenswerter Science Fiction Film mit vielen unvorhersehbaren Wendungen. Leider verzettelt sich die Story und wirkt dadurch unausgegoren und stellenweise schwach. Hätte Eubanks einen weniger mainstreamlastigen Weg eingeschlagen, hätte er einen weitaus besseren Film zustande gebracht.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Last Days (2013)

Last-Days-4042564148350-QNyMZa

Originaltitel: Los Últimos Días
Regie: Alex Pastor, David Pastor
Drehbuch: Alex Pastor, David Pastor
Kamera: Daniel Aranyó
Musik: Fernando Velázquez
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Quim Gutiérrez, José Coronado, Marta Etura, Leticia Dolera, Mikel Iglesias, Ivan Massagué
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahren

*

Eine rätselhafte Epidemie, genannt „Die Panik“ sucht die Menschheit heim. Die Betroffenen haben panische Angst davor, nach draußen zu gehen. Tun sie es dennoch, werden sie von schrillen Tönen und Halluzinationen erfasst, die meistens mit dem Tod enden. In diesem Chaos machen sich Marc und Enrique durch das U-Bahn-Tunnelsystem und die Abwasserkanäle von Barcelona auf den Weg, um Marcs schwangere Freundin zu finden. Doch es ist gar nicht so einfach, durch die unterirdische, anarchische Welt an sein Ziel zu gelangen.

*

Nachdem mir „Carriers“ von Alex und David Pastor schon ziemlich gut gefallen hat, war ich natürlich neugierig auf den Nachfolger und hatte mir auch so einiges davon erwartet. Und ich wurde nicht enttäuscht!
„The Last Days“ war sogar noch um ein vielfach besser, als ich dachte. 🙂

Einzig das Krankheitsbild der Epidemie „Die Panik“ wirkt unlogisch und nicht ganz nachvollziehbar. Aber was soll’s? Dafür wird der Zuschauer mit einem spannenden, ideenreichen und schauspielerisch überzeugenden Endzeitfilm belohnt, der wirklich Spaß macht und hervorragend unterhält.

Schauspielerisch stach aus meiner Sicht José Coronado hervor, der seine Rolle sehr routiniert im Griff hatte.
Die Freundschaft, die während der Reise zwischen den beiden ungleichen Männern entsteht, war sehr emotional und überzeugend dargestellt und hat mir richtig gut gefallen. Die unterirdische, anarchische Welt in den Tunnels wurde sehr glaubhaft in Szene gesetzt und erinnerte mich so manches Mal an John Carpenters „Die Klapperschlange“.

Wie schon in „Carriers“ schafften es Alex und David Pastor auch in ihrem neuen Film wieder, den Zuschauer voll auf emotionaler Ebene zu packen. Die Bilder und die Musik stimmen so hervorragend überein, dass man an manchen Stellen mit den Tränen kämpfen muss. Aber die Action kommt auch keinesfalls zu kurz und gerade diese Mischung ist es, die „The Last Days“ zu einem wirklich beeindruckenden Erlebnis macht. Ich wünschte, es gäbe mehr solcher Filme.

*

Fazit: Spannend,  ruhig und emotional. Dieser Endzeit-Thriller ist eine perfekte Mischung aus Action und emotionalen Momenten. Das spanische Regieduo Alex und David Pastor haben es einfach drauf. Ganz klare Empfehlung!

© 2014 Wolfgang Brunner