Love (2011)

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Originaltitel: Love
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank
Kamera: William Eubank
Musik: Angels & Airwaves
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Gunner Wright, Corey Richardson, Roger E. Fanter
Genre: Science-Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

*

Im fernen Jahr 2039 wird der amerikanische Astronaut Lee Miller auf eine einsame Mission zur ISS geschickt. Nachdem sie vor über 20 Jahren verlassen wurde, soll er dort notwendige Repaturen vornehmen. Doch schon kurz nach seiner Ankunft versinkt die Erde in einem nicht näher bezeichneten Chaos. Daraufhin dessen bricht der Kontakt zur Erde ab und Miller ist ganz allein. Nach jahrelanger und kompletter Isolation von der Welt, wird er zusehends von Halluzinationen und Visionen geplagt. Die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn drohen komplett zu zerfallen …

*

„Es heißt, wenn man das Heulen der Teufel hört, ist alles andere verstummt. Ich frage mich, woher weiß man aber, dass es die zwielichtigen Gesellen sind die man da hört. Ich wage zu behaupten, dass das teuflische Lärmen am Lautesten wird, wenn ein große Anzahl von Männern sich anmaßt, den Herrn über Leben und Tod bei Andern zu spielen. Und weiter behaupte ich, bei solchen Gelegenheiten hört man nicht nur ein Geräusch … sondern viele. „Ein stilles Orchester des Todes!“

Mit diesen Worten beginnt einer der wohl seltsamsten Filme, die ich je gesehen habe. Love fängt in einem Kontext an, der weder zu dem Filmtitel, noch überhaupt zu Science-Fiction passt. Mit den ersten Szenen, und jenen eingangs zitierten Überlegungen, findet man sich mitten im amerikanischen Bürgerkrieg wieder. Hier geht es nicht um Wissenschaft oder Zukunft, sondern um das nackte Überleben für einen Trupp Soldaten in ihrem letzten Kampf, der schon so gut wie verloren ist. Ein junger Captain wird trotzdem fortgeschickt, um ein ominöses Objekt in einem Krater, der in der Nähe gefunden wurde, zu erkunden und Bericht zu erstatten. Hier stellte sich für mich schon zum ersten mal die Frage nach dem Sinn. Während seine Kameraden weiterkämpfen und sterben, sieht man den jungen Captain, wie er über den Kraterrand klettert und staunt. Über was er da staunt, und was überhaupt diese ersten fünfzehn Minuten mit dem Rest des Films zu tun haben sollen, wird erst viel später deutlich.

„Love“ handelt von dem psychologischen Effekt der Isolation und Einsamkeit, was Bezüge zu „Cast Away“ nahelegt. Ein Raumfahrer sitzt im Weltall fest und lernt dadurch die Wichtigkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen und Liebe kennen. Außerdem ist die Vernichtung der Menschheit durch ein apokalyptisches Weltuntergangsszenario ein Thema und es wird die Bedeutung von Erinnerungen und Geschichten als Erbe der Menschen hervorgehoben. Der Film wird oft mit Duncan Jones‘ „Moon“ verglichen. Beide Regisseure stammen aus der Werbe- und Musikvideobranche, beide Filme hatten nur ein ziemlich kleines Budget (hier 500.000-600.000 Dollar) zur Verfügung und beide behandeln mehr oder weniger dasselbe Thema: Ein Astronaut findet sich einsam und verlassen in der Weite des Alls wieder und wird mit seinen Ängsten konfrontiert. Doch, statt wie „Moon“ zum Ende hin einen sozialkritischen Schwenk zu machen, wird „Love“ zu einer rätselhaften und für mich etwas unbeholfenen Meditation über den Menschen als soziales Wesen. Doch der Film ist nicht unbedingt schlecht. Die sphärischen Klänge passen gut zu der Atmosphäre völliger Einsamkeit und zu den stimmungsvollen, fast psychedelischen Bildern. Oft weiß man gar nicht genau, ob die weitere Handlung des Filmes nicht nur im Bewusstsein des Hauptprotagonisten stattfindet. Der besagte Hauptprotagonist und Schauspieler Gunner Wright war (mir) völlig unbekannt und hatte hier auch nicht übermaßig viel zu schauspielern, liefert dafür jedoch eine ganz passable Leistung ab.

Eine Aufklärung darüber, wohin der Film eigentlich weisen soll, darf man sich trotz oder gerade wegen seines seltsamen und vieldeutigen Endes nicht erhoffen. „Love“ gehört zu jenen Science-Fiction-Filmen, die sich mehr für menschliche Gedanken und Gefühle interessieren, als für technischen Fortschritt und Alieninvasionen. Etwas schade ist dabei bloß, dass der Regisseur den Fluss der stimmungsvollen Bilder immer wieder mit erzählerischen Spielereien stört. Irritierend sind zum Beispiel die zwischendurch eingestreute Interviews, in denen Lees Vorgänger auf der Raumstation ihre Binsenweisheiten zur Natur des Menschen preisgeben. Es wäre vielleicht besser gewesen, der Intelligenz seiner Zuschauer zu vertrauen.

Trotz allen Lobes sind hier auch ein paar Kritikpunkte angebracht: aufregende Bilder gut und schön, jedoch überschreitet der Film oftmals fast die magische Grenze die eine geheimnisvolle Atmosphäre von Langweile trennt. Auch so bleiben noch viele Fragen ungeklärt, wie zum Beispiel die unerklärliche Tatsache, dass auf der ISS Schwerkraft vorzuherrschen scheint. Entweder sind wir in 25 Jahren soweit, um eine Art „Schwerkraftgenerator“ zu bauen oder dem Regisseur ist dieses kleine Detail einfach durch die Lappen gegangen. Oder – was ich am ehesten glaube – Aufgrund des geringen Budgets fehlte es dem Regisseur an Möglichkeiten, Schwerelosigkeit filmisch umzusetzen. Aber da es ein Erstlingswerk ist kann man schon mal darüber hinwegsehen.

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Fazit: Wenn man das geringe Budget bedenkt und weiß, dass Eubank die Kulisse für die Raumstation teilweise aus Haushaltsschrott im Garten seiner Eltern zusammenschraubte, wird man vielleicht den Film trotz seiner inhaltlichen Schwächen eher für ein Meisterwerk halten. Nebenbei ist noch zu bemerken, dass die amerikanischen Rockband Angels & Airwaves den Film finanzierte, für die Eubank vorher Musikvideos produziert hat. Für mich war der Film ein visuelles Erlebnis.

Fliehende Stürme – Satellit

© 2014 Lucas Dämmig

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