Snowpiercer (2013)

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Originaltitel: Snowpiercer / Seolgugyeolcha
Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson
Kamera: Hong Kyung-pyo
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 126 Minuten
Darsteller: Chris Evans, Song Kangho, Tilda Swinton, Jamie Bell, Octavia Spencer, John Hurt, Ed Harris
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Südkorea, USA
FSK: ab 16 Jahren

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Durch eine chemische Wunderwaffe wollten Wissenschaftler die nahende Klimakatastrophe abwenden. Doch sie erreichten damit genau das Gegenteil und nach deren Einsatz ist die Erde komplett mit Eis und Schnee bedeckt. Die Überlebenden haben sich in einen Zug zurückgezogen, der einsam durch die Schneelandschaft fährt und eine autarke Welt für die letzten Menschen bildet. Im vorderen Teil leben die Reichen, in den mittleren Waggons die Mittelschicht und ganz hinten die Armen. Sieben Jahre lang umrundet der Zug die vereiste Erde, bis eines Tages eine Revolution ausbricht und die Menschen, die im hinteren Teil leben, ihre Fäuste erheben.

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Wer von „Snowpiercer“ einen typischen Actionfilm erwartet, wird verwundert feststellen, dass sich hinter Bong Joon-hos erstem von den USA mitproduziertem Film ein weitaus anspruchsvollerer Stoff verbirgt, als man annimmt. Schon Joon-hos bis dato bekanntester Monsterfilm „The Host“ konnte absolut überzeugen und da dieser nicht in typisch südkoreanischem Stil gedreht wurde, war es nicht verwunderlich, dass amerikanische Produzenten auf den Regisseur aufmerksam wurden. „Snowpiercer“ ist nun das Ergebnis. Und das kann sich sehen lassen!

Die apokalyptische Schneewelt wird (auch wenn sie nicht allzuoft zu sehen ist) wirksam in Szene gesetzt und lässt eine beklemmende Atmosphäre aufkommen, die sich durch den ganzen Film zieht. Doch kaum ist man als Zuschauer im Inneren des Zuges zugegen, wird man in eine anarchaische Welt á la „Die Stadt der verlorenen Kinder“ geworfen.

Da treiben sich so allerhand skurrile Gestalten herum, die ohne weiteres in obengenannten Film passen würden. Dennoch schlägt Joon-ho eine andere Richtung ein und verbindet diese Skurrilitäten mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und deftigen Action-Szenen. „Snowpiercer“ ist ein Film, den man sich ohne Erwartungen ansehen sollte. Im Grunde genommen wird alles geboten, was man von einem Kinofilm erwartet: Action, Spannung, Humor, Blut und Liebe. Aber es ist die Inszenierung, die diesen Film von allen anderen abhebt, denn der südkoreanische Regisseur lässt sich auch bei seinem englischsprachigen Debüt nicht auf Mainstream-Tauglichkeit ein. Geradlinig, aber enorm außergewöhnlich, wird hier eine spannende Revolte vor einem apokalyptischen Hintergrund in Szene gesetzt, das durch viele außergewöhnliche Ideen und Handlungswendungen überzeugen kann.

Die Kulisse im Inneren des Zuges ist manchmal oscarreif und man staunt über die vielfältigen, gelungenen Einfälle, die sich Joon-ho ausgeacht hat. Da gibt es Waggons, in denen sich Schulen, Handwerksbetriebe, Saunen und Partyräume verbergen. Wie diese autarke, in sich geschlossene Welt dargestellt wird, hat schon seine Reize. Und wenn dann die Schüler im Schulwaggon eine musikalische Ode an den Erfinder des Zuges vortragen, fühlt man sich an die Filme von Tim Burton erinnert. Schräges und Skurriles wird aber im nächsten Moment von brutalen Kämpfen und melancholischen Erinnerungen an die Zeit, als die Erde noch grün war, abgelöst.

„Snowpiercer“ ist kein Mainstream-Film, aber dennoch für ein großes, breites Publikum tauglich, Das ist es auch, was den Film in seiner Einzigartigkeit auszeichnet.

Chris Evans macht seine Sache sehr gut. Tilda Swinton ist unübertrefflich in ihrer schrägen Rolle und auch John Hurt und Ed Harris vermögen zu überzeugen, obwohl sie keine tragenden Rollen darstellen.

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Fazit: Unterhaltsam, spannend, skurril und schräg. Alles andere als Mainstream, aber dennoch massentauglich.  Wer einen Film im Stil von Andrej Konchalovskys „Runaway Train“ erwartet, sollte sich auf eine andere Art von Inszenierung einstellen.

© 2014 Wolfgang Brunner

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