Under The Skin (2013)

under the skin

Originaltitel: Under The Skin
Regie: Jonathan Glazer
Drehbuch: Jonathan Glazer, Walter Campbell
nach dem Roman „Die Weltenwanderin“ von Michel Faber
Kamera: Dan Landin
Musik: Mica Levi
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Scarlett Johansson, Joe Szula, Kryštof Hádek, Adam Pearson, Paul Brannigan, Michael Moreland
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 16 Jahre

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Laura ist auf der Suche nach Männern. Die Frau ist allerdings nicht von dieser Welt und ihre Opfer bekommen nicht das, was sie nach Lauras Verführungskünsten eigentlich erwarten. Denn die Außerirdische ist hungrig …
Doch je länger sie auf der Erde verweilt und die Männer immer besser kennenlernt, tauchen Zweifel in Laura auf, ob sie das richtige tut. Sie versucht, aus ihrem natürlichen Kreislauf auszubrechen.

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„Under The Skin“ macht mich (noch immer) sprachlos. Sowohl während des Films als auch im Nachhinein erscheinen mir die Bilder, die Ausnahmeregisseur Jonathan Glazer da präsentiert, wie aus einer anderen Dimension, die wir einerseits nicht begreifen können, aber andererseits von ihnen erfüllt werden, als wären sie eine Offenbarung.

Das klingt wahrscheinlich ziemlich abgehoben, was ich da schreibe, aber „Under The Skin“ ist eine filmische Erfahrung, wie es seinerzeit Samuel R. Delanys „Dhalgren“ für mich in literarischer Form war. Scarlet Johannsons Schauspiel ist grandios und bleibt so nachhaltig im Gedächtnis, dass es schon fast unheimlich ist.
Der ganze Film ist unheimlich. Unheimlich in Bezug auf gruselig, aber auch unheimlich, wenn man bedenkt, was und vor allem in welcher Form diese Geschichte erzählt wird. Glazer schafft es, den Zuschauer derart in den Bann zu ziehen, dass man manchmal nahe dran ist, vollkommen zu vergessen, ein Mensch zu sein. Man fühlt die Emotionen des Aliens und fängt sogar teilweise an, in der gleichen Art wie es zu denken. Und DAS ist wahrlich unheimlich!

„Under The Skin“ ist eine Reise, die wie ein Drogenrausch auf den Zuschauer wirkt. Vorausgesetzt natürlich, man lässt sich auf Glazer geniales, visuelles Feuerwerk ein. Im Arthaus-Stil, mit einer Prise David Lynch, David Cronenberg  und Nicholas Roeg, begleiten wir in wirren, aber ausgesprochen überirdisch schönen Bildern, das männermordende Alien durch die schottischen Highlands. Doch Glazer schafft es tatsächlich, uns die uns bekannte Welt durch die Augen eines fremden Eindringlings sehen zu lassen. Das ist wirklich enorm beeindruckend! Man sieht die Menschen durch die Augen eines Aliens, man spürt förmlich die  Unsicherheit seines eigenen Verhaltens und empfindet Verstörung, aber auch Hoffnung. In dieser Hinsicht ist „Under The Skin“ ein wahrliches Meisterwerk.
Ich bin versucht, „Under The Skin“ einfach „Die Frau, die vom Himmel fiel“ zu nennen, weil mich die ganze Inszenierung tatsächlich sehr an Nicholas Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ mit David Bowie in der Hauptrolle erinnerte. Doch Glazer geht einen riesigen Schritt weiter und verzaubert uns durch geschickt über den Film verstreute visuelle Explosionen, die es in sich haben.

Diese surrealen Aufnahmen erreichen oftmals kubricksche „2001„-Dimensionen und könnten visionärer nicht sein. In einer wagemutigen Inszenierung entfernt sich Jonathan Glazer noch weiter als mit seinen bisherigen Filmen vom Mainstream und lässt uns mit staunenden, offenen Mündern zurück. Natürlich nur die Zuseher, die sich auf das filmische Experiment einlassen. Die anderen, die sich auf einen unterhaltsamen Filmabend mit Chips und Bier eingestellt haben, werden spätestens nach einer halben Stunde eingeschlafen sein und somit einen filmischen Triumph, der seinesgleichen sucht, verpassen.

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Fazit: Visionärer und visuell einzigartiger Alien-Roadmovie, der einem nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt und für mich einen Genre-Meilenstein darstellt. Scarlett Johannson in ihrer bisher besten Rolle überzeugt ohne Einschränkungen und lässt uns die reale Welt vergessen. Muss man einfach gesehen haben! Ein ganz großer, künstlerischer  Film und für mich einer der wichtigsten Science Fiction-Filme der letzten Jahre.

© 2014 Wolfgang Brunner

3 Gedanken zu “Under The Skin (2013)

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