Die Stadt der verlorenen Kinder (1995)

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Originaltitel: La cité des enfants perdus
Regie: Jean-Pierre Jeunet, Marc Caro
Drehbuch: Gilles Adrien, Jean-Pierre Jeunet, Marc Caro
Kamera: Darius Khondji
Musik: Angelo Badalamenti
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: Dominique Pinon, Ron Perlman, Judith Vittet, Jean-Claude Dreyfus, Rufus, Tricky Holgado,
Jean-Louis Trintignant,
Marc Caro
Genre: Komödie, Fantasy
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 12 Jahren

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In der Stadt spricht man von seltsamen Mitgliedern, die einem merkwürdigen Orden angehören. Sie sind alle blind und verschleppen Kinder, um mit den dafür erhaltenen elektronischen Augen zumindest teilweise wieder sehen zu können.
Drahtzieher des Ganzen ist ein böser Mann, genannt Krank. Er lebt auf einer Bohrinsel vor der Küste und braucht die kleinen Kinder, weil er keine Träume kennt. Deswegen versucht er, ihre Träume zu stehlen. Eines Tages wird Denrée – der Bruder von One – von den blinden Männern entführt. One will sich mit dem Verschwinden seines Bruders nicht abfinden und macht sich auf die Suche nach ihm. Dabei wird er von Miette unterstützt, die mit einer Kinderbande zusammen für diesen seltsamen Orden arbeiten muss. Die Suche entwickelt sich zu einem gefährlichen Vorhaben …

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Der Film beginnt mit einer scheinbar märchenhaften, weihnachtlichen Szene: Ein Weihnachtsmann kommt durch den Schornstein. Noch lacht der Junge in seinem Bettchen und freut sich. Doch dann steigen immer mehr Weihnachtsmänner aus dem Kamin und schließlich kommen sie aus jeder Ecke und drängen sich in das Zimmer. Die Szenerie wirkt immer mehr bedrohlich und der Junge fängt vor Angst an zu weinen. Der Junge steckt in einem bösen Alptraum. Und dieser breitet sich aus, entrollt sich vor unseren Augen. Wir sehen einen düstere Hafenstadt mit verwinkelten Gassen. Hier scheint alles anders als normal zu sein.
Ein Mann wird mit einem Messer ermordet und keiner nimmt davon Notiz. Es herrscht so etwas wie Krieg. Eine Bande von Zyklopen will die Herrschaft der Menschen für immer zerstören. Komische Männergestalten mit einem künstlichen Auge sprechen von einer besseren Rasse. Sie stehlen Kinder. Sie haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen – mit Krank der auf einer Art Bohrinsel draußen auf dem Meer lebt. Auf der Insel befindet sich eine Art Laboratorium, in dem er sich an eine Maschine anschließen lässt, um die Träume der von den Zyklopen eingefangenen Kinder zu stehlen.

Die beiden Regisseure zaubern hier mit ihren Bildern eine surreale Welt, die genauso gut ein Traum sein könnte. In einer Mischung aus Science-Fiction, Märchen und Fantasy entstehen skurille Gestalten. Alles in dem Film scheint frei erfunden zu sein. Jeunet und Caro erzählen hier eine Geschichte, die sich wie ein klassisches Märchen anhört: Zwei Helden die sich mit bösen Hexen und Zauberern herumschlagen müssen. Der Riese „One“, gespielt von Ron Perlman und die kleine Miette (französisch für Krümel) kämpfen hier für das Gute. Sie wollen die Kinder befreien und Krank ein für allemal zur Strecke bringen. Das ganze wird durch allerlei Einfälle noch herrlich verkompliziert. Das hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen, ist aber gut für díe Handlung.

Was spricht für den Film? Auf alle Fälle seine Optik. Man wird während der ~110 Minuten Spielzeit von den Bildern so in den Bann gezogen, dass man glatt vergisst, sich in einem Film zu befinden. Doch auch die Geschichte, die Musik, die Figuren, die Handlung … all das macht den Film für mich zu einem Meisterwerk des französischen Kinos. Die Schauspieler liefern natürlich noch ihren Teil dazu, um das Ganze zu einem Märchen für Erwachsene werden zu lassen.

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Fazit: Ich liebe diesen Film einfach. Hier ist den beiden Regisseuren eine Meisterleistung gelungen, weil einfach alles stimmt. Auch in diesem Film kann man wieder die Detailverliebtheit in den bildgewaltigen Szenen beobachten, die mir schon bei „Delicatessen“ so gut gefallen hat. Ich kann diesen Film uneingeschränkt empfehlen.

© 2014 Lucas Dämmig

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