Roulette – A Game Of Chance (2013)

Roulette-2012

Originaltitel: Roulette
Regie: Julian Schöneich
Drehbuch: Julian Schöneich, Leon Graf
Kamera: Henri Schierk
Musik: Valentin Boomes
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Lena Steisslinger, Matthias Unruh, Gunnar Titzmann, Aimé Göpfert, Chris Arend
Genre: Thriller, Horror, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahren

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Sina lebt auf der Strasse und versucht, mit Betteln und kleinen Gaunereien Geld zu ergattern, um sich über Wasser zu halten. Eines Tages trifft sie Michelle, eine ehemalige Schulkameradin. Sie will Sina helfen und vermittelt ihr eine makabre Verdienstmöglichkeit: Sina soll vor Publikum Russisch Roulette spielen. Überlebt sie, warten 15.ooo Euro auf sie. Die Chancen stehen 1:5 und Sina willigt ein. Doch es ist leider nicht nur mit dem tödlichen Spiel getan, denn Sina gerät immer mehr in einen Strudel aus Gewalt. Denn wer sich gegen den „Veranstalter“ wehrt, muss mit dem Schlimmsten rechnen …

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Julian Schöneichs Debütkinofilm reisst einen förmlich von Hocker, wenn man bedenkt, was er und seine Crew mit einem Minibudget von 15.000 Euro und persönlichem Engagement auf die Beine gestellt haben. Mit einer unglaublich sicheren Hand führt der Regisseur und Drehbuchautor den Zuschauer durch eine fremde Welt, die doch so nah sein könnte. Da gibt es so irgendwie gar nichts zu bemängeln, denn die Regiearbeit, die Story, die Schauspieler, die Kameraführung, der Schnitt und die Musik wirken so perfekt und aufeinander abgestimmt, dass es wirklich schwer fälltzu glauben, welch geringer Geldbetrag zur Verfügung stand.

Lena Steisslinger als Sina ist wirklich toll. Sie spielt ihre Rolle überzeugend und vor allem sehr routiniert, so dass man nur hoffen kann, dass solch ein junges Talent in Zukunft öfters auf der Leinwand zu bewundern ist. Aber nicht nur sie (obwohl sie mir zugegebenermaßen von allen Rollen am besten gefallen hat 😉 ), sondern auch der Rest der Crew hat wirklich hochwertige Arbeit geleistet.
Matthias Unruh, den man auch auf Theaterbühnen zu Gesicht bekommt, spielt den sadistischen Gangsterboss absolut glaubwürdig. Ebenso wie Gunnar Titzmann, den man vom gesamten Cast bis jetzt wohl am meisten in Fernseh- und Kinofilmen gesehen hat (Schimanski muss leiden, Die Gustloff).
An Aimée Göpfert als Femme Fatale kann man ebenfalls absolut nichts aussetzen.
Sie alle geben eine perfekte Besetzung für Schöneichs Genremix ab. Womit wir bei einem weiteren Aspekt des Films sind, der mir sehr gefallen hat.

Schöneich verbindet Krimi, Thriller, Drama und sogar einen Schuss Horror zu einem stimmigen Gesamtwerk. Die Idee zu seinem Film stammt, so der Regisseur, von der berühmten „Russisch Roulette“-Szene aus „Die durch die Hölle gehen“  und wurde kurzerhand von Vietnam nach Hamburg verlegt. Stimmungsvolle Bilder der Großstadt wechseln  sich mit ruhigen, aber auch brutalen Szenen ab und lassen in keiner Minute Langeweile aufkommen. Die Filmmusik von Valentin Boomes passt perfekt und sorgt immer für die richtige Untermalung zur entsprechenden Stimmung.

Roulette hat den Award für „BEST ACTION FEATURE“ auf dem Germany After Dark Festival gewonnen. Zu Recht!
Wer sich für den Film interessiert, sollte sich die Film-Homepage ansehen.

Ich denke, man kann von Julian Schöneich noch so einiges erwarten. Zuerst aber freue ich mich schon auf sein neues Projekt „St. Pauli Zoo“, ein Dokumentarfilm über den Wandel des Hamburger Traditionsstadtteils St. Pauli, der übrigens zum Großteil schon abgedreht ist. Für die finalen Feinarbeiten braucht der talentierte Regisseur aber noch ein wenig finanzielle Unterstützung. Deswegen hat  er ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen.

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Fazit: Julian Schöneichs Indie-Thriller kommt stylisch und routiniert daher. Durch den gekonnten Genremix aus Krimi, Thriller, Drama und einer leichten Prise „Torture“-Horror schafft der junge Regisseur einen faszinierenden Film. Für mich ein uneingeschränkt zu empfehlender Geheimtip in der deutschen (unabhängigen) Filmszene. Mehr davon bitte!

Ach ja, und eine Blu Ray-Veröffentlichung steht demnächst auch an.

© 2014 Wolfgang Brunner

2 Gedanken zu “Roulette – A Game Of Chance (2013)

  1. Pingback: Interview mit dem Regisseur Julian Schöneich | Film-Besprechungen

  2. Pingback: Absolutio – Erlösung im Blut (2013) | Film-Besprechungen

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