Delicatessen (1991)

delicatessen

Originaltitel: Delicatessen
Regie: Jean-Pierre Jeunet, Marc Caro
Drehbuch: Gilles Adrien, Jean-Pierre Jeunet, Marc Caro
Kamera: Darius Khondji
Musik: Carlos D’Alessio
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Dominique Pinon, Marie-Laure Dougnac, Jean-Claude Dreyfus, Karin Viard, Rufus
Genre: Komödie
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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Das Frankreich der 1950er Jahre: Eine nicht näher genannte Katastrophe hat das Land vollkommen verwüstet. Die verbliebene Bevölkerung ist völlig verarmt und es herrscht ein großer Mangel an Nahrungsmitteln. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Der Metzger Clapet ist das beste Beispiel dafür. Per Stellenausschreibung in der Zeitung lockt er ahnungslose Interessenten in sein Haus, um sie dort im wahrsten Sinne des Wortes zu Hackfleisch zu verarbeiten. Die saftigen Fleischstücke werden dann in der Umgegend verkauft. Schon etliche sind auf diese Weise über die Ladentheke gewandert. Eines Tages taucht der ehemalige Zirkusclown Louison in der Stadt auf und bewirbt sich um die freie Stelle als Hausmeister. Während die Nachbarschaft schon einen fetten Braten wittert, verliebt sich Julie, die Tochter des Metzgers, in den Neuen. Mit Hilfe einer vegetarischen Rebellengruppe, die im Untergrund lebt, versucht sie den Plänen Clapets ein Ende zu bereiten …

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„Delicatessen“ ist das Spielfilmdebüt der beiden Regisseure Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro. Es ist ihr erster Langspielfilm seit ihrer Zusammenarbeit. Diese beiden Regisseure zählen zu meinen Lieblingsvertretern des französischen Kinos. Warum? Nun, als erstes erkennt man ein Werk von Jeunet und Co. schon an seinen Bildern. Diese ruhige Verspieltheit und seine scheinbar belanglose Detailverliebtheit sowie überhaupt die ganze perfekte Kameraführung hab ich bisher in keinen anderen Filmen in diesem Maße entdeckt. Neben einem Schmaus für die Augen bekommt man aber auch noch etwas auf die Ohren. Die heiter-französische Filmmusik rundet die gezeigten Bilder perfekt ab und schafft so ein stimmungsvolles Ambiente. Die beiden Regisseure haben damit schonmal den Grundstein für einen erfolgreichen Film gelegt. Doch nun muss man sich auch noch eine gute Story einfallen lassen.

„Nichts einfacher als das“ werden sich die beiden gedacht haben und sannen sich daraufhin eine Geschichte aus, die sowohl skurill und makaber als auch irgendwie fantastisch ist. Der Film schafft es mit seiner Originellität den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und ihn die Umwelt eine Weile vergessen zu lassen. Wie machen sie das und was zeichnet den Film aus? Da ist zum einen die groteske, oft schwarzhumorige Handlung, bei der ich oft unfreiwillig lachen musste, obwohl die Sache bei genauerem Nachdenken eigentlich nicht zum lachen ist. Der Film sprüht geradezu vor komischen, aberwitzigen Einfällen und hat in seiner damaligen Zeit visuelle Maßstäbe gesetzt. Sein Intro kann sich ohne weiteres zu einem der besten zählen, die ich je sah.

Man merkt richtig, wie Jeunet und Caro Spaß an dem Film hatten. Als Komödie konzipiert, spielt der Film doch in einem nicht näher benannten Endzeitszenario, aber verfällt nie in die Muster eines apokalyptischen Filmes. Das ganze Werk ist in kleinere Kapitel aufgeteilt, die sich zu einem großen Ganzen verdichten. Weil sich die Handlung meistenteils auch nur auf das Haus des Metzgers beschränkt (das mich aus der Weitwinkelperspektive übrigens oft an Hundertwassers Schöpfungen erinnerte), braucht der Film auch nicht besonders viele Personen. Diese wenigen jedoch legen eine mehr als akzeptable schauspielerische Leistung ab. Und da das Ganze eine Komödie sein soll, schaffen es die meisten dabei auch noch urkomisch zu wirken. Mein besonderer Liebling hier: Der arbeitslose Clown, gespielt von Dominique Pinon. Er taucht noch in einigen Filmen von Jeunet auf. Doch erst mit ihm erhält der Film meiner Meinung nach erst den Rundschliff, den er benötigt.

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Fazit: Wer den Film noch nicht kennt, mit schwarzem Humor klarkommt und eine noch wirklich originelle Komödie sehen möchte sollte sich „Delicatessen“ ansehen. Ein Meisterwerk in meinen Augen!

© 2014 Lucas Dämmig

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