Das finstere Tal (2014)

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Originaltitel: Das finstere Tal
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Andreas Prochaska, Martin Ambrosch
Kamera: Thomas Kiennast
Musik: Matthias Weber
Laufzeit: 115 Minuten
Darsteller: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Martin Leutgeb, Gerhard Liebmann, Erwin Steinhauer
Genre: Drama, Thriller, Western, Literaturverfilmung
Produktionsland: Deutschland, Österreich
FSK: ab 12 Jahren

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Ein schweigsamer Fremder, der sich Greider nennt, erscheint im Dorf und möchte den Winter im entlegenen Tal verbringen. Nur durch eine Handvoll Goldmünzen entgeht der Fremde der Vertreibung durch die Söhne des Brenner-Bauern, der wie ein König über das einsame Dorf herrscht. Greider wird im Haus der Witwe Gader untergebracht, die mit ihrer Tochter Luzi dort wohnt.
Es dauert nicht lange und das Dorf wird vom Schnee eingeschlossen. Plötzlich geschehen seltsame Todesfälle unter den Brenner-Söhnen und es dauert nicht lange, bis die Dorfbewohner bemerken, dass Greider eine Rechung aus einer vergessen geglaubten Vergangenheit begleichen will …

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Wer Thomas Willmanns grandiosen Roman gelesen hat, sollte sich bei der Verfilmung auf kleine Änderungen einstellen, die aber nicht unbedingt schlechter als das Buch sind. Andreas Prochaska hat die Handlung einfach dem Medium „Film“ angeglichen und dramaturgisch aufgearbeitet. So sehe ich das zumindest.
„Das finstere Tal“ ist grandios in seiner Umsetzung und zeigt seine volle Wirkung erst einen Tag später, nachdem man sich den Film angesehen und darüber nachgedacht hat. Atemberaubende Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit dezenter Action ab und verschaffen dem Film eine derart tolle Atmosphäre, das man am liebsten selbst zu diesem Dorf fahren möchte.
Prochaska schafft eine triste Stimmung, die entfernt an Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert, was auch vom Autor des Romans, Thomas Willmann, durchaus beabsichtigt war. Und da bin ich auch schon beim ersten positiven Aspekt, der mir zu dieser Literaturverfilmung einfällt: Der Geist des Romans, nämlich Ludwig Ganghofer mit Sergio Leone zu verquicken (wie Willmann in seinem Nachwort erwähnt), wurde von Regisseur und (Mit-)Drehbuchautor Prochaska vollends erfasst und vermittelt. Man möchte im ersten Moment gar nicht so recht glauben, dass ein derartiger Genremix gelingen könnte, wird aber bereits in den ersten Minuten eines besseren belehrt, denn diese Mischung gelang nicht nur, sondern bringt frischen Wind in die Filmbranche.
Dass der Film in Dialekt (bayrisch/österreichisch) gedreht wurde, macht das Ganze vollkommen authentisch.

Das finstere Tal“ vermag aber nicht nur durch die gute Inszenierung zu überzeugen, sondern kann auch mit einer ganzen Reihe toller Schauspieler aufwarten, die sich in ihren Rollen sichtlich wohl fühlen.  Obwohl ich mir Greider irgendwie anders vorgestellt habe und im ersten Moment von Sam Riley enttäuscht war, konnte mich der gebürtige Engländer aber bereits nach ein paar Minuten schon überzeugen. Auch die noch junge Paula Beer spielt ihren Part souverän und glaubwürdig. Von den Brenner-Söhnen blieb mir Martin Leutgeb mehr haften als der von Tobias Moretti gespielte „Hauptsohn“. Leutgeb hätte mit seinem Schauspiel und seinem Aussehen hervorragend in einen Leone-Western gepasst. Schade fand ich, dass Gerhard Liebmann „nur“ die kleine Rolle als Vater Lukas spielte.
Desweiteren positiv aufgefallen ist mir der österreichische Film- und Theaterschauspieler Erwin Steinhauer in seiner Rolle als Pfarrer Breisler.

Die triste und trübe Stimmung entwickelt sich zum Ende hin zu einem genialen Showdown, der, wie ich finde, ziemlich gut inszeniert ist. Auch wenn ich in der ein oder anderen Kritik gelesen habe, Prochaska hätte bei diesem Showdown zu sehr übertrieben und sich in peckinpah’schen Ausmaßen verzettelt, so waren diese Szenen für einen deutschsprachigen Film ziemlich beeindruckend in Szene gesetzt. Wirkte die Untermalung des Showdowns durch den Song „How Dare You!“ der Steaming Satellites im ersten Moment auf mich völlig unpassend, so entwickelte sich das Zusammenspiel von SloMo-Aufnahmen und Song zu einem brachialen „Kurzfilm“, der mich an Tarantino-Filme oder „Der blutige Pfad Gottes“ denken ließ.
Überhaupt ist der Score von Mathias Weber absolut erwähnenswert, weil gut und passend.

„Das finstere Tal“  hat das Zeug, international Aufmerksamkeit zu erregen. Für die diesjährige Oscar-Verleihung geht er auf jeden Fall schon mal in der Kategorie  „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen. Verdient hätte er den Preis. Und nicht umsonst hat er in acht Kategorien den Deutschen Filmpreis 2014 erhalten.

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Fazit: Stimmungsvoller Alpenwestern, der absolut den Geist der Romanvorlage rüberbringt und mit einer glänzenden Besetzung aufwartet. Das finstere Tal zeigt, dass Deutschland und Österreich sehr wohl im Stande sind, großes Kino zu schaffen und abseits von Hollywood-Blockbustern eigenständige, atmosphärische Filme ohne Effekte-Orgien zu drehen. Für mich eindeutig ein Highlight des Kino-Jahrs 2014.

Wer sich dafür interessiert, wie mir die Romanvorlage von Thomas Willmann gefallen hat, kann dies auf dem Literaturblog meiner Frau nachlesen.

© 2014 Wolfgang Brunner

3 Gedanken zu “Das finstere Tal (2014)

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