THX 1138 (1971)

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Originaltitel: THX 1138
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas, Walter Murch
Kamera: David Myers, Albert Kihn
Musik: Lalo Schifrin, Johann Sebastian Bach
Laufzeit: 85 Minuten (Director’s Cut)
Darsteller: Robert Duvall, Donald Pleasence, Maggie McOmie, Don Pedro Colley, Ian Wolfe
Genre: Science Fiction, New Hollywood
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Fünfhundert Jahre in der Zukunft: Die gesamte Menschheit lebt in unterirdischen Städten. Allerdings kann man nicht von einem Leben, wie wir es heute kennen, sprechen. Es herrscht ein von einem Zentralcomputer kontrollierter Überwachungsstaat. Die Menschen werden gezwungen nur noch zu funktionieren und zu konsumieren. Sie haben ihre individuellen Rechte verloren und sind kaum mehr als nummerierte Dronen. Eine Roboterarmee an Polizisten sorgt dafür, dass nicht mehr funktionierende Personen einfach eliminiert werden. Als vorbeugende Maßnahme wird jeder unter Drogen gesetzt, um seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Die Bevölkerung bewohnt jeweils zu zweit eine per Zufall ausgewähltes Wohneinheit. Sie werden dazu angehalten, sich gegenseitig zu kontrollieren und eventuelle Verstöße gegen die Ordnung sofort melden können. Sex gilt als perverser Umtrieb und Gefühle wie Liebe sind komplett tabu. In dieser Situation setzen THX 1138 und seine Mitbewohnerin LUH 3417 heimlich ihre verordnete Drogendosis herab und entdecken ihre Gefühle füreinander. Es folgt der unvermeidliche Kampf gegen das System …

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„THX 1138“ ist das erste Werk in Spielfilmlänge von George Lucas. Er basiert auf einem Kurzfilm, der während seiner Studentenzeit entstand. Im Stile von „1984“, „Brave New World“ und „Fahrenheit 451“ inszeniert Lucas hier seine Idee, die zu einem der bedeutendsten Sci-Fi-Werk des New Hollywood geworden ist. Er thematisiert hier die weitverbreitete Furcht vor dem Identitätsverlust des einzelnen in einer Gesellschaft, die immer technisierter wird. Zugleich stellt er die immer wiederkehrende Frage nach dem freien Willen des Menschen. Als passende Umgebung wählte der Regisseur eine Art dystopische Technokratie, also eine Gesellschaft, in der alle Handlungen nach dem wissenschaftlichen und technischen Standpunkt bewertet werden.

Gleich eines vorweg: Man merkt diesem Film an, das er in den 70er Jahren entstanden ist. An „Krieg der Sterne“ war überhaupt noch nicht zu denken und „Indiana Jones“ lag noch in weiter Ferne. Die Figuren, die Technik, die einfache und dennoch eindrucksvolle Kulisse – alles mutet heute so herrlich nostalgisch an. Für diejenigen, die diese Zeit erlebt haben, vermutlich noch viel mehr. Und dennoch war George Lucas mit diesem Film seiner Zeit weit voraus. Kaum zu glauben, das ausgerechnet er einen solchen künstlerischen und nachdenkliche Film geschaffen hat. Wie die meisten großen Visionäre wurde er zunächst verkannt und sein Werk wurde ein Flop an den Kinokassen. Wahrscheinlich hat er sich deshalb danach eher dem Mainstream zugewandt.

„Du bist ein wahrhaft Gläubiger – du hast den Segen des Staates – du hast den Segen der Massen – du bist dem Heiligsten untertan – geschaffen nach dem Willen des Menschen – von den Massen, für die Massen – Lass uns dankbar sein, das wir einen Beruf haben, der uns ausfüllt – Arbeite hart! – Erhöhe die Produktion! – Verhüte Unfälle! – und … sei glücklich!“

Das ist die dystopische Zukunftsidee, die in „THX 1138“ gezeichnet wird. Es gibt keinen erkennbaren Staat mehr sondern nur noch ein riesiges Unternehmen, das menschliche Wesen als entrechtete, willenlose Arbeiter einsetzt. Außerdem gibt es kein öffentliches Leben, keine Lokale, keine Geschäfte, keine Theater, keine Kirchen und keinen Gott. Statt eine Religion auszuüben, kann man in kleinen „Beichtkabinen“ mit einem Computer sprechen. „Was bedrückt dich?“ Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens haben sich die Menschen in diesem Zeitalter in der totalen Sinnlosigkeit verloren. Sie werden einzig und allein zum Dienen und Funktionieren in dem System wo sie leben benötigt. Wer nicht nach der Norm funktioniert und arbeitet und sich auch dementsprechend verhält, der wird aussortiert. Es sollte einen nachdenklich stimmen, dass es heute nicht anders ist. Natürlich leben wir zum Glück (noch) nicht in so einer Gesellschaft, wie sie Lucas entwarf, doch wer weiß, was die Zukunft noch alles bringt. Dauerhaft werden wir von unserer Umwelt dazu gedrängt, zu konsumieren und wir tun das auch noch sehr gern. Wir gehen arbeiten, um das System am Laufen zu halten und verdienen Geld, damit wir konsumieren können. Es ist sehr schwer, nicht nach diesen Spielregeln zu leben und es ist nahezu unmöglich, dem Gnzen zu entkommen. Für mich ist das irgendwie erschreckend, weil ich nicht immer so funktionieren will, wie es das System von mir erwartet.

So oder so, George Lucas‘ Regiedebüt sollte man auf jeden Fall einmal gesehen haben und als das betrachten was es ist – ein gutes Erstlingswerk.

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Fazit: „THX 1138“ ist eine spezielle Art von Gesellschafts- und Kapitalismuskritik. Die filmische Atmosphäre ist ziemlich bedrückend, die Dialoge sind auf das nötigste beschränkt. Der Film setzt viel mehr auf Bilder und Töne. Darum fällt es auch so schwer, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Das ist wahrscheinlich auch im Sinne des Regisseurs gewesen, weil es einem dadurch leichter fallen soll, sich in diese Welt hineinzuversetzen. Das funktioniert aber nicht so ganz, der Film ist nicht ohne Fehler. Aber das macht einen Debütfilm aus, finde ich.

© 2014 Lucas Dämmig

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