Babel (2006)

Originaltitel: Babel
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Gustavo Santaolalla
Laufzeit: 142 Minuten
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Gael Garcia Bernal, Koji Yakusho
Genre: Drama
Produktionsland: Frankreich, Vereinigte Staaten, Mexiko
FSK: ab 16 Jahren

*

In dem Film Babel wird die Geschichte von mehreren Menschen erzählt, die scheinbar keine Verbindung zueinander haben. Ein Schuss in der Wüste von Marokko löst eine ganzen Kette von Ereignissen aus, die vier Schicksale von unterschiedlichen Menschen auf drei Kontinenten miteinander verbindet: Da ist ein amerikanischer Tourist, der in Marokko um das Leben seiner schwer verletzten Frau kämpft. Dann ein mexikanisches Kindermädchen, das mit allen Mitteln versucht, die Grenze in Richtung Amerika mit ihren beiden amerikanischen Schützlingen zu überqueren. Ein taubstummer japanischer Teenager, der gegen seinen Vater rebelliert. Und zum Schluss zwei kleine Jungen auf der Flucht vor der eigenen Verantwortung. Geschichten und Schicksale die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben …

*

„Babel“ ist ein Drama in mehreren Episoden aus dem Jahr 2006 des Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Das Drehbuch schrieb wieder der mexikanische Schriftsteller Guillermo Arriaga.
Mit „Amores Perros“ aus dem Jahr 2000 und „21 Gramm“ von 2003 bildet dieser Film den Abschluss einer Trilogie zum Thema Gewalt, Tod und menschliche Abgründe. Das Konzept, das Iñárritu hier verwendet, findet sich in allen 3 Filmen wieder. Irgendetwas passiert und plötzlich verbindet das Schicksal in Gestalt des Regisseurs Menschen, die sich vorher überhaupt nicht kannten.
Was er hier so immer aus dem Hut zaubert, ist schon beeindruckend. Es funktioniert fast jedesmal. Genau wie in den beiden vorangegangenen Filmen gibt es hier wieder 3 Episoden. Dieser Film beginnt mit einer unscheinbaren, gedankenlosen Tat, die weitreichende Kreise zieht.
Die Kunst des Regisseurs hierbei erinnert ein wenig an den Schmetterlingseffekt. Der Titel des Filmes erinnert mich auch an die biblische Geschichte über den Turmbau zu Babel. Laut dieser Legende hatten alle Menschen dieselbe Sprache, bis Gott sie verwirrte, so dass sie nicht weiterbauen konnten. Genau das passiert auch hier im Film – es gibt Verwirrungen und Missverständnisse anhand der Sprachbarrerien.

Der Film spricht in 7 unterschiedlichen Sprachen, die in Untertiteln in die jeweilige Sprache übersetzt werden, in der man den Film sieht. Deshalb muss man auch gut aufpassen, sonst verpasst man alles. Was hat mir an dem Film gut gefallen?  Er berauscht mit einer Bilderflut. Stellenweise erinnerte er mich an „Enter the Void“, weil er einfach nur Szenen zeigt, wo die Bilder für sich selbst sprechen und man nichts dazu erklären muss.
Das Gewimmel einer Großstadt wird der trostlosen Einöde einer Wüste gegenübergestellt. Auf der einen Seite sprühendes Leben, auf der anderen Seite Totenstille. Und genau wie die beiden vorherigen Filme präsentiert er seine Ereignisse auch nicht chronologisch, doch bei dieses Film ist es meiner Meinung nach am einfachsten, sie auseinanderzuhalten und zu sortieren. Auch die Filmmusik ist hier wieder sehr gut gelungen, dafür hat der Film 2007 sogar einen Oscar gewonnen.

Die letze Episode – die mit dem taubstummen japanischen Teenager – finde ich irgendwie fehlgeschlagen. Sie trägt nicht viel zur Geschichte bei und wirkt wie lieblos hingeklatscht und etwas Geschichte drumherum erfunden. Bei dieser Episode gibt es jedoch auch etwas, was mir gut gefallen hat. Man stelle sich einmal eine pulsierende Millionen-Metropole bei Nacht vor. Ein Teenager ist mit seinen Freunden in einer Disco und versucht, sich im Blitzlichtgewitter zurechtzufinden. Das Problem dabei ist – er ist taubstumm. Er kann sich nur in Gebärdensprache unterhalten und versteht andere, nur wenn er von ihren Lippen lesen kann und sie langsam sprechen. Überall um sich herum sieht er Menschen tanzen, doch er kann keine Musik hören, sondern nur den Beat fühlen. So ein Mensch muss sich doch sicher einsam fühlen. Das kommt hier sehr gut rüber. Der Rest des Filmes mit seinen Schicksalen schafft es, wie aus einem Guß zu wirken.

*

Fazit: Wenn man viel Zeit hat, kann man sich „Babel“ ruhig einmal ansehen. Es ist kein Film für zwischendurch. Genauso wie „Amores Perros“ hat er zwar nicht geschafft, mich so tief zu beeindrucken wie „21 Gramm“, aber das ist sicher Geschmackssache. Alles in allem ein recht guter Film, der auf manche vielleicht aber etwas zu langatmig wirken könnte.

© 2014 Lucas Dämmig

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s