Veronika beschließt zu sterben (2009/2010)

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Originaltitel: Veronika Decides to Die
Regie: Emily Young
Drehbuch: Paulo Coelho (Roman), Larry Gross
Kamera: Seamus Tierney
Musik: Murray Gold
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Sarah Michelle Gellar, Jonathan Tucker, Erika Christensen, David Thewlis
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Veronika hat eigentlich ein glückliches Leben, ist aber von der ewig gleichen Routine darin so gelangweilt, dass sie beschließt, sich umzubringen. Doch ihr Selbstmordversuch schlägt fehl. Sie wacht in einer Nervenheilanstalt auf und erfährt dort, dass sie wegen der Spätfolgen ihres Selbstmordversuches nur noch wenige Tage zu Leben hat. Diese Nachricht ändert alles. Mit dem Wissen, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, lernt Veronika das Leben zu schätzen. Sie verliebt sich sogar. Doch ihr bleibt, wie gesagt, nicht mehr viel Zeit …

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Der Film „Veronika beschließt zu sterben“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho. Ich bin darauf durch ein Lied einer kanadischen Rockband aufmerksam geworden, das sich mit dem Werk beschäftigt. Daraufhin hab ich mir das Buch besorgt, es an einem Tag durchgelesen und daraufhin den Film angesehen. Ich hätte es umgekehrt machen sollen. Das Buch hat mich tief beeindruckt, der Film hingegen hat mich nur enttäuscht.
Damit das jetzt aber hier nicht wieder eine halbe Buchrezension wird, werde ich versuchen, soviel wie möglich auf den Film einzugehen. Meiner Meinung nach ist das Buch sowieso schwer zu verfilmen. Und dann schon gar nicht mit einer FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Als ob ein 12-jähriger Mensch etwas mit Selbstmord und dem Wert des Lebens anzufangen wüsste. So konnte auch die pikante Szene im Buch nicht richtig zur Geltung kommen, obwohl sie für die Geschichte essenziell ist. Ich verstehe diese Filmbewertungsgesellschaften manchmal nicht …

Und was die Amis dann aus der Geschichte gemacht haben!
Wie gesagt: Ich hätte erst den Film sehen sollen und dann das Buch lesen. Die Handlung wurde gleich schon mal in die USA verlegt, was der Geschichte seinen Sinn nimmt (ich sage nur Abschiedsbrief), Namen wurden geändert, die meisten Nebenhandlungen fast komplett weggelassen (die Personen treten nur als Statisten auf), eine Geschichte dazu erfunden und für das Filmverständnis wichtige Dinge gekürzt … Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Der ganz große Fauxpas kommt aber noch: Der Name der Nervenheilanstalt – Villete – wurde korrekt aus dem Buch übernommen, aber auf  einmal fährt doch da tatsächlich ein Krankenwagen vor, der die liebe Veronika in die Klinik bringen soll, und da steht hinten ganz groß „Bedford Hill Clinic“ drauf.  Hallo!?!  Ausrangiertes Filmrequisit, weil man kein Geld für eigene hatte oder was? Da helfen auch schöne Bilder mit viel Geklimper dazu nicht mehr. Wahrscheinlich meinte die Regisseurin, dass sich der Film so besser verkaufen lässt, als hätte man sich etwas mehr an die Vorlage gehalten. Ganz große Kommerzkacke halt.
Ich hab mich den größten Teil des Filmes nur gelangweilt und geärgert. Und dann noch die Hauptrollenbesetzung: Glaubt man wirklich, dass eine Schauspielerin, die bisher nur aus Horror- und Thrillersachen (Ich weiß was du letzten Sommer getan hast, Eiskalte Engel, Buffy – Im Bann der Dämonen) bekannt ist, so eine ernste Rolle gut spielen kann?
Wie sich herausgestellt hat, kann sie es nicht. Eigentlich sollte es in dem Film darum gehen, dass eine junge Frau ohne Perspektive ihren Lebenswillen wiederfindet und sich nicht darüber definiert, ob andere sie nun als verrückt bezeichnen oder nicht.

Das bringt eine kleine Geschichte aus dem Buch (die auch im Film ungefähr so wiedergegeben wurde) sehr gut zum Ausdruck, wie ich finde, darum will ich sie hier zitieren: „Ein mächtiger Zauberer, der ein Königreich zerstören wollte, schüttete einen Zaubertrank in den Brunnen, aus dem alle Einwohner tranken. Wer von diesem Wasser trank, würde verrückt werden. Am folgenden Morgen trank die ganze Bevölkerung davon, und alle wurden verrückt, außer dem König, der einen eigenen Brunnen für sich und seine Familie besaß, zu dem der Zauberer keinen Zugang hatte. Besorgt versuchte er, die Bevölkerung unter Kontrolle zu bringen, indem er eine Reihe von Sicherheits- und Gesundheitsmaßnahmen erließ. Doch die Polizisten und Inspektoren hatten von dem vergifteten Wasser getrunken, hielten die Beschlüsse des Königs für absurd und beschlossen, sie keinesfalls zu befolgen. Als die Bevölkerung von den königlichen Verordnungen hörte, glaubte sie, der Herrscher sei verrückt geworden und würde nunmehr sinnloses Zeug schreiben. Sie begaben sich unter lautem Geschrei zur Burg und verlangten seinen Rücktritt. Verzweifelt willigte der König ein, den Thron zu verlassen, doch die Königin hinderte ihn daran und sagte: „Laß uns zum Brunnen gehen und auch daraus trinken. Dann sind wir genauso wie sie.“ So geschah es: Der König und die Königin tranken vom Wasser der Verrücktheit und fingen sogleich an, sinnlose Dinge zu sagen. Nun bereuten die Untertanen ihr Ansinnen. Jetzt, da der König so viel Weisheit zeigte, könne man ihn doch weiter das Land regieren lassen. Das Leben in diesem Land verlief ohne Zwischenfälle, wenn es auch anders war als das der Nachbarvölker. Und der König regierte bis ans Ende seiner Tage.“

Ich habe daraus gelernt, dass Verrücktheit objektiv ist und was normal ist, entscheidet sich danach, was die meisten Leute in der Gesellschaft für normal halten. Wenn man sich aber immer nur danach richten wollte, würde man am Ende wahrscheinlich genauso dastehen wie Veronika. Das Buch werde ich mir sicher nicht zum letzten mal durchgelesen haben. Was ich vom Ansehen des Films leider nicht behaupten kann.

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Fazit: Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen … Liebe Amis, besser keine Literaturverfilmung, als so eine, wo alles verfälscht wird. Mein Tipp: Lasst die Finger vom Film und lest das Buch!

© 2014 Lucas Dämmig

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