21 Gramm (2003)

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Originaltitel: 21 Grams
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Dave Matthews, Gustavo Santaolalla
Laufzeit: 125 Minuten
Darsteller: Sean Penn, Benicio del Toro, Naomi Watts
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Durch einen tragischen Unfall werden die Schicksale von drei unterschiedlichen Personen untrennbar miteinander verknüpft. Ein Mathematikprofessor, der schwer krank ist und auf ein Spenderherz wartet, während er sich anscheinend bereits mit seinem jederzeit möglichem Tod abgefunden hat. Ein früherer Sträfling, der glaubt seine Ruhe gefunden zu haben und tief religiös geworden ist. Und eine ehemals drogensüchtige Frau, die jetzt eine fürsorgliche Mutter und Ehefrau ist. Jeder von ihnen glaubt mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und sich mit der Zukunft arrangiert zu haben. Doch sie müssen feststellen, dass ihr jeder Leben von einem Moment auf den anderen komplett aus der Bahn geworfen wird. Schlussendlich stehen sie alle vor der selben Frage: Welchen Wert hat ein Menschenleben?

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Im Jahre 1901 versuchte ein amerikanischer Arzt aus Massachusets durch das Wiegen von sterbenden Patienten das „Gewicht der Seele“ zu ermitteln. Er wollte beweisen, dass eine Seele etwas Materielles und Messbares ist. 1907 wurden seine Ergebnisse veröffentlicht, nach denen die Gewichtsdifferenz zwischen lebenden und toten Patienten durchschnittlich 21 Gramm beträgt. Auch wenn seine Untersuchungen heutzutage als unwissenschaftlich gelten, verdankt diesem experimentierfreudigen Doktor der Film seinen Namen. „21 Gramm“ ist ein ergreifendes Drama über Liebe und Tod, Schuld und Rache, sowie über Vergänglichkeit und Vergebung und die Rolle, die die Religion dabei spielt. Sehr viel Stoff zum Nachdenken.
Ob da ein FSK-12-Rating gerechtfertigt ist? Ich weiß nicht, ob ich den Film mit 12 Jahren schon verstanden hätte, geschweige denn, ob er mich überhaupt interessiert hätte. Jedenfalls hatte ich den Film vor 2-3 Jahren schon einmal gesehen und jetzt wiederentdeckt. Und er hat mich wieder gepackt, genau wie damals. Das liegt wohl zum einen an der düsteren Optik und dass über allem ein Schatten von Elend und Verzweiflung zu liegen scheint. Zum anderen liegt es, wie ich finde, auch an den wirklich grandiosen schauspielerischen Leistungen, die die drei Hauptdarsteller hier abliefern. Sehr gut gefallen hat mir bei dem Film auch die komplex verschachtelte, nicht chronologische und somit anspruchsvolle Erzählstruktur.

Am Anfang ist man etwas verwirrt, weil der Film scheinbar wahllos durch die Zeitebenen springt. Doch nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran und beginnt die Szenen im Kopf in die richtige Reihenfolge zu bringen. So beginnt man nach einiger Zeit, verschiedene Sachen zu vermuten. Das Ende überrascht einen dann trotzdem wieder, weil man das so nicht erwartet hätte. Zum Schluss ist noch der Abspann lobend zu erwähnen. Er wartet mit einem Lied auf, das genau zum Film passt, obwohl ich normalerweise kein Fan solcher Musik bin.

Leider gibt es auch ein paar Kritikpunkte bei diesem sonst großartigen Film. Das ganze pseudo-religiöse Gequatsche hat mich etwas genervt, doch es war auch ganz interessant zu sehen, wie verschieden Menschen Schicksalsschläge berwerten. Für die einen ist es nur reiner Zufall, für die anderen aber „Gottes Wille“. Was mich auch etwas gestört und irritiert hat,  ist der wiederholte Monolog am Ende. War der wirklich nötig und hat uns neue Erkenntnisse gebracht? Mir jedenfalls nicht.

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Fazit: Ein mitreißender und handwerklich gut umgesetzter Film, dem man auch den Titel hätte geben können „Wie das Leben so spielt“. Er war für den Oscar 2004 nominiert und hat etliche kleinere Auszeichnungen gewonnen – zurecht wie ich finde. Wer Iñárritus vorherigen Film „Amores Perros“ und den nachfolgenden „Babel“ mag, wird diesen Film lieben.

© 2014 Lucas Dämmig

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