eXistenZ (1999)

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Originaltitel: eXistenZ
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Peter Suschitzky
Musik: Howard Shore
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Jude Law, Ian Holm, Willem Dafoe
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Kanada, Großbritannien
FSK: ab 16 Jahren

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Allegra ist eine Designerin von Computerspielen. Aber sie ist nicht irgendeine Spieleentwicklerin, sie ist die beste ihrer Zunft. Ihre Meisterschaft besteht in der Erschaffung Virtueller Realitäten. Dieses Können hat ihr zwar viele Fans gebracht, aber auch viele Neider.  Eines Tages entkommt sie nur knapp einem Attentat auf sich und ihre neueste Kreation. Um sicher zu stellen, dass das Spiel namens „eXistenZ“ keinen Schaden genommen hat, muss Allegra es an sich selber testen. Gemeinsam mit ihrem Leibwächter Ted Pikul begibt sie sich in die von ihr geschaffene Welt. Von da an verschwimmen Realität und Konstruierte Wirklichkeit immer mehr miteinander …

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Wer David Cronenberg kennt, weiß, dass er eine Vorliebe für das Bizarre hat. Dies hat er auch mit „eXistenZ“ zum wiederholten Male bestätigt. Inspiriert wurde der Film durch ein Interview von David Cronenberg mit dem Schriftsteller Salman Rushdie. Dieser lebte nach dem Erscheinen seines Romans „Die satanischen Verse“, der von konservativen Muslimen als Beleidigung verstanden wurd, in ständiger Todesangst, weil das damalige iranische Staatsoberhaupt zum Mord an ihm aufrief. Übersetzer des Buches wurden ermordet und etliche Anschläge gegen Verlage verübt. Ähnliches geschieht im Film Allegra, deren Kunst einen Strudel der Gewalt auslöst. Dieser Aspekt des Zusammenspiels von Fiktion und Realität wird von Cronenberg hier zwar nicht vertieft, aber als Aufhänger für eine faszinierende Betrachtung über Wahrnehmung und Identität benutzt.

„eXistenZ“ stellt die Frage nach der Wirklichkeit, nach Schein und Sein und stellt die Realität, wie wir sie kennen, in Frage. Schließlich könnte das alles auch nur ein Programm sein. Wer jetzt an „Matrix“ denkt, liegt nicht ganz falsch, doch Cronenbergs Film geht einen völlig anderen Weg. Er schafft nicht etwa eine Definition einer Wirklichkeit und grenzt diese eindeutig von der Fiktion ab, sondern lässt beides geschickt miteinander verschwimmen. Immer wieder stellt sich die Frage, ob die Protagonisten in der realen Welt, oder in der dieser so ähnlich scheinenden Welt des Spiels stecken. Nicht zu letzt in dieser Vermischung aus Wirklichkeit und Fiktion ähnelt „eXistenZ“ dem früheren Film „Videodrome“ von Cronenberg.

Doch der Film ist auch gewöhnungsbedürftig: Man spielt das Spiel nämlich mittels einer organischen Spielkonsole, die mit einer Art Nabelschnur über einen „Bioport“ direkt mit den Rückenmark und Zentralnervensystem verbunden ist. Immer wieder wird der Zuschauer mit Blut, Innereien, Knochen und gallertartigen Massen konfrontiert, was bei vielen Ekel hervorrufen dürfte, obwohl jeder Mensch dies alles ständig in sich trägt. Die verstörenden, herausfordernden Bilder erhalten eine zusätzliche Intensität durch die hypnotische Filmmusik von Cronenbergs Hofkomponisten Howard Shore. Jennifer Jason Leigh bietet eine herausragende Leistung als fanatische Spielerin und auch Jude Law, der ihren Mitarbeiter spielt, macht seine Sache sehr gut.

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Fazit: Ich finde heutzutage, wo die Möglichkeiten virtueller Realitäten greifbarer sind, als zu der Zeit, als der Film erschienen ist, zeigt er die möglichen Gefahren solch einer Virtuellen Realität auf und ist somit aktueller denn je. So werden auch zwei Zitate aus dem Film noch lange nach­hallen: „Tod dem Realismus!“, und: „Sind wir immer noch in dem Spiel?“

© 2014 Lucas Dämmig

 

S-VHS aka V/H/S/2 (2013)

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Originaltitel: V/H/S/2
Regie: Simon Barrett (Tape 49), Adam Wingard (Clinical Trials), Eduardo Sánchez, Gregg Hale (A Ride in the Park), Gareth Huw Evans, Timo Tjahjanto (Safe Haven), Jason Eisener (Alien Abduction Slumber Party)
Drehbuch: Simon Barrett, Jamie Nash, Timo Tjahjanto, Gareth Huw Evans, John Davies
Kamera: Tarin Anderson, Stephen Scott, Seamus Tierney, Jeff Wheaton
Musik: James Guymon, Aria Prayogi, Fajar Yuskemal, Steve Moore
Laufzeit: ca. 96 Minuten (uncut)
Darsteller: Lawrence Michael Levine, Kelsy Abbott
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: Ungeprüft (Ungeschnitten)

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Um einen vermissten Jungen zu finden, brechen zwei Privatdetektive in ein Haus ein, um nach Spuren des Verschwundenen zu suchen. Dabei stoßen sie auf diverse Videobänder, auf denen Snuff-Filme sind.

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Wie schon beim ersten Teil ist die Rahmenhandlung (Tape 49) im Grunde genommen absoluter Quatsch. Aber darum geht es bei S-VHS gar nicht. Die einzelnen Episoden, die die Prtivatdetektive dann auf einem Videorekorder ansehen, machen den Reiz dieser Horror-Anthologie aus.

In Clinical Trials bekommt ein Patient ein künstliches Auge in Form einer Kamera implantiert und entdeckt, dass er plötzlich tote Menschen sehen kann. Diese erste Episode hat mir persönlich fast am besten gefallen. Hier wirkt vor allem der Wackelkamera-Effekt logisch und Adam Wingard (Regisseur von You’re Next) schafft eine gruselige, spannende Atmosphäre.

Auch bei A Ride In The Park, in dem ein Radfahrer mit Helmkamera mitten im Wald von Zombies angefallen wird und selbst zu einem mutiert, wurde ich angenehm überrascht.

Safe Heaven ist eine Episode, in der ein Kamerateam eine Dokumentation über eine indonesische Sekte machen will. Hier bin ich etwas zweigespalten, da der Anfang etwas anstrengend und in die Länge gezogen wirkte. Aber zum Schluss hin entwickelt sich diese Episode als eine der brutalsten und schockierendsten. Bis auf den Schluss, der leider irgendwie lächerlich wirkte und aus meiner Sicht unpassend war.

Alien Abduction Slumber Party war die Episode, auf die ich mich am meisten gefreut habe, führte doch Jason Eisener Regie, der mich mit seinem Hobo With A Shotgun richtig begeistert hat. Die ALiens sind auch hervorragend gemacht und sehr unheimlich. Aber die Story an sich war dann doch nicht so prickelnd, wie ich eigentlich dachte.

Insgesamt ist die Fortsetzungs-Anthologie von V/H/S um Längen besser, als das Original. Man merkt den Filmen an, dass deutlich mehr Budget vorhanden war. Auch wirken die Episoden reifer und nicht mehr so amateurhaft wie beim ersten Teil.

Dass der Film in Deutschland in einer FSK 18-Mogelpackung erscheint, obwohl er um etwa 5 Minuten gekürzt wurde, ist wie so oft eine Frechheit. Für die verstümmelte Schnittfassung hätte locker eine FSK 16-Freigabe gereicht.

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Fazit: S-VHS ist eindeutig besser als sein Vorgänger. Die Episoden sind reifer und routinierter, aber auch deutlich brutaler. Safe Heaven weiß zu schocken. Wer auf Found Footage Filme steht, macht hier garantiert nichts falsch, allen anderen sei gesagt, dass sich S-VHS allemal lohnt, eineinhalb Stunden Wackelbilder zu ertragen. Man wird mit einigen derben Gore-Effekten belohnt (natürlich nur in der ungeschnittenen, ungeprüften Fassung.

© 2014 Wolfgang Brunner

Von Mann zu Mann (1967)

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Originaltitel: Da uomo a uomo
Regie: Giulio Petroni
Drehbuch: Luciano Vincenzoni
Kamera: Carlo Carlini
Musik: Ennio Morricone
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: John Phillip Law, Lee van Cleef, Luigi Pistilli
Genre: Italowestern
Produktionsland: Italien
FSK: ab 16 Jahren (in Wikipedia steht ab 12 – wem soll man glauben?)

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Fünfzehn Jahre nachdem der Rest seiner Familie von einer Gangsterbande ermordet wurde, ist Bill zum jungen Mann herangewachsen und auf Rache aus. Fast ebenso viele Jahre hat der Scharfschütze Ryan im Gefängnis verbracht, weil er von den Mitgliedern eben jener Bande gelinkt wurde. Nach seiner Entlassung knöpft sich Ryan die alten Kameraden vor und hat nur wenig Verständnis dafür, dass ihm Bill in die Quere kommt …

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Nachdem ich in einer Sitcom eine Anspielung auf einen Western gesehen habe, hatte ich richtig Lust, mir mal wieder einen anzusehen. So habe ich mir schließlich „Von Mann zu Mann“ ausgesucht. Es ist ein klassischer Italowestern und Taratino’s „Kill Bill“ ist stark von ihm inspiriert. Er erinnert auch in vieler Hinsicht an die Dollar-Triologie von Sergio Leone, sei es durch das fintenreiche Drehbuch, die ironischen Dialoge, die brilliante Regieführung von Petroni oder die wirklich gute Filmmmusik. Wenn man von kleinen Logiklöchern und einigen Unklarheiten einmal absieht, hat man hier einen guten Film für einen unterhaltsamen Abend vor sich. Wer das Genre mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Der Film beginnt, wie so viele Western, mit einer Standardsituation. Eine einsame Ranch fernab jeglicher Zivilisation, ein paar ach so böse Banditen, ein bisschen Mord und Totschlag und – wie sollte es sonst sein – der kleinste überlebt das Ganze natürlich, nachdem er von einem ominösen Jemand gerettet und versteckt wurde. Die Jahre ziehen in’s Land und aus dem kleinen Bübchen wird ein junger Mann, der nichts anderes im Sinn hat als nur eines – RACHE!  So beginnt nun eine Odyssee durch den Westen, bei der nicht an Wortwitz und Blei gespart wird. Ganz so wie es bei einem Italowestern sein sollte. Mir haben noch besonders die Landschaften , durch die man auf einem Pferd mitgenommen wird, sehr gefallen.

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Fazit: Ein handwerklich gut umgesetzter Film, wo Petroni für seinen ersten Western ein beachtliches Talent zeigt. Wegen seiner Verherrlichung der Rache vielleicht nur bedingt zu empfehlen, aber es ist und bleibt halt meiner Meinung nach ein guter Film.

© 2014 Lucas Dämmig

Die Horde (2009)

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Originaltitel: La Horde
Regie: Yannick Dahan, Benjamin Rocher
Drehbuch: Arnaud Bordas, Yannick Dahan, Stéphane Moïssakis, Benjamin Rocher
Kamera: Julien Meurice
Musik: Christopher Lennertz
Laufzeit: ca. 102 Minuten (ncut)
Darsteller: Claude Perron, Jean-Pierre Martins, Eriq Ebouaney, Aurélien Recoing
Genre: Horror, Action
Produktionsland: Frankreich
FSK: Ungeprüft (Indiziert)

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Eine Gruppe von Polizisten will sich an Gangstern rächen, die einen ihrer Kollegen umgebracht haben. Sie finden die Verbrecher in einem Hochhaus und beginnen mit ihrem Racheakt, als sie jäh unterbrochen werden. Horden wilder Zombies stürmen das Gebäude und die beiden verfeindeten Gruppen sehen sich gezwungen, sich miteinander zu verbünden, um am Leben zu bleiben.

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Der französische Zombie-Thriller war für mich eine Art Mischung aus The Raid und Rec. Was am Anfang wie ein Cop-Thriller beginnt, endet in einem Splatter-Feuerwerk, das manches Mal an die alten Filme von Peter Jackson erinnerte.
Die Horde ist spannend und unterhaltsam, kann aber nicht immer überzeugen. Die Darsteller sind nicht schlecht, aber ihre Charakterzeichnung ist nur in den ersten Sequenzen des Films glaubhaft und wird während des weiteren Handlungsverlaufs leider nicht konsequent verfolgt beziehungsweise ausgearbeitet.

René, der von Yves Pignot verkörpert wurde, nervte mich desöfteren. Pignot spielt den alten Draufgänger zwar wirklich gut und überzeugend, aber die John-Wayne-Sprüche, die cool und lustig gemeint waren, haben mich eher gestört und mir die Spannung genommen.

Insgesamt funktioniert Die Horde aber als Splatter-Zombie-Film weitgehend gut. Die Endszene, in der sich Aurélien Recoing in der Rolle des Jimenez gegen unzählige Untote verteidigen muss, hat für mich schon Kultcharakter und hat in seinen Einstellungen fast schon etwas von George A. Romero-Filmen. Aber genau jene Szene wurde in der deutschen FSK 18-Fassung ziemlich gekürzt und verliert daher jede Dramatik.
In der ungekürzten Fassung funktioniert diese Szene allerdings wirklich hervorragend, auch wenn so einige CGI-Effekte eingesetzt werden, die aber definitiv ihre Wirkung tun.
Handlungstechnisch hat Die Horde nicht wirklich viel zu bieten, aber die Drehbuchautoren haben sich zumindest Mühe gegeben, eine etwas außergewöhnliche Idee zu konstruieren. Dennoch wirkt der Film oft ideenlos, was aber nicht weiter stört, weil die Gangart, die eingeschlagen wird, sehr rasant  und daher weitgehend frei von langweiligen Szenen ist.

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Fazit: Die Horde ist ein Horrorfilm, der auf der Schiene der harten Frankreich-Filme schwimmt und der auch akzeptabel in Szene gesetzt wurde. Insgesamt schwankt der Film bei mir zwischen „enttäuschend“ und „ganz gut, weil unterhaltsam und die Zombies sehr unheimlich und gefährlich wirken.“ Ansehen würde ich mir den Film nur in der ungeschnittenen Fassung, weil in der deutschen FSK 18-Version sechs Minuten fehlen, die den Großteil des Gewaltanteils einnehmen und dem Film daher defintiv die beabsichtigte Wirkung nehmen.

© 2014 Wolfgang Brunner

No Country for Old Men (2007)

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Originaltitel: No Country for Old Men
Regie: Ethan und Joel Coen
Drehbuch: Ethan und Joel Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Der Vietnamveteran Llewelyn Moss stößt bei der Antilopenjagd im Südwest-Texas des Jahres 1980 inmitten der Wüste auf ein Blutbad. Das, was er sieht, ist scheinbar der Schauplatz eines missglückten Drogendeals. Nicht unweit des Schlachtfelds befindet sich ein Koffer mit zwei Millionen Dollar. Moss nimmt den Koffer an sich – nicht ahnend, dass bereits der Profikiller Anton Chigurh seine Spur aufgenommen hat. Chigurh ist eiskalt, sein Weg gepflastert von Leichen. Llewelyn steht jedoch nicht ganz allein da. Dorfsheriff Ed Tom Bell weiß, in welcher Gefahr sich der Gejagte befindet und will ihn retten. Doch der Gesetzeshüter hinkt Chigurh stets einen Schritt hinterher. Er fühlt sich fremd in einer Welt, die einem solch unaufhaltsamen Killer nichts entgegenzusetzen weiß …

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Nein, für alte Männer ist das Texas der 80er Jahre eher nichts, in dem sich die skrupellosen Drogendealer zunehmend gegenseitig umbringen. Doch es stellt sich die Frage, ob es wirklich das Alter ist, was Sheriff Bell bei seinen Ermittlungen im Wege steht? Vielleicht ist es viel mehr die Eintönigkeit des Landlebens oder die Machtlosigkeit vor der zunehmenden Kriminalität, die kaum noch in den Griff zu kriegen ist und selbst auf die ruhigen Landgebiete überschwappt? Gerade ist der Serienmörder Chigurh aus dem Gefängnis entkommen und geht ohne zu Zögern wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Ein großartig aufgelegter Javier Barden spielt den psychopatischen Killer und das mit einer Brillianz, die ihn für mich zu dem großartigstens Mörder seit Jack Nicholson in Kubrick’s „Shining“ macht. Und man lernt: Sauerstoff ist nicht nur zum Atmen da!

Währenddessen macht Josh Brolin als Vietnamveteran Llewellyn Moss eine Entdeckung, die sein Leben mit einem Schlag verändert: Mitten in der Wüste liegen die Leichen mehrerer Drogendealer neben ihren Autos, in denen sich neben einer Ladung Heroin auch ein Koffer mit 2 Millionen Dollar befindet. Für den Cowboy eine günstige Gelegenheit, um sich und seiner Frau ein besseres Leben zu bieten. Doch so einfach lassen sich die Drogenbosse nicht um ihre Kohle erleichtern und hetzen Moss Chigurh zu einer spannenden Verfolgungsjagd durch das Grenzgebiet auf den Hals.

Dabei haben sich die Coen-Brüder wieder einmal selbst übertroffen. Nach einem Roman von Cormac McCarthy entstand ein Film, der mit langen Einstellungen ohne große Schnitte und fast ohne Hintergrundmusik auskommt und dennoch alles beinhaltet, was das Herz eines Filmfans begehrt. Der Film war im Jahr 2008 für acht Oscars nominiert, von denen er vier gewann: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller an Javier Bardem und Bestes adaptiertes Drehbuch.

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Fazit: Der Film sprengt sämtliche Hollywood-Konventionen, was sicherlich auch zu großen Teilen an der Vorlage liegt. So versterben selbst Hauptdarsteller, der Plot wird nur unzureichend aufgelöst und das Ende ist mehr als offen. Dabei zieht der Film aus seiner Andersartigkeit großes Potential und regt noch lange zum Nachdenken an. Meine Meinung nach ist „No Country for Old Mender beste Film der Coen-Brüder seit Fargo wenn nicht ihr bester Film überhaupt.

© 2014 Lucas Dämmig

All Is Lost (2013)

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Originaltitel: All Is Lost
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Kamera: Frank G. DeMarco, Peter Zuccarini
Musik: Alex Ebert
Laufzeit: ca. 106 Minuten
Darsteller: Robert Redford
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Ein mitten auf dem Indischen Ozean treibender Schiffscontainer wird einem Mann zum Verhängnis. Mit seiner Segelyacht rammt er diesen und verliert durch den Unfall sämtliche Navigationsgeräte  und das Funkgerät. Er treibt hilflos auf dem offenen Meer und steuert geradewegs auf eine Sturmfront zu. Durch Intuition und Geschick  schafft es der Mann, das Unwetter zu überstehen. Doch der Kampf ums Überleben hat gerade erst begonnen …

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All Is Lost ist eine Einmann-Show, die leider nur teilweise funktioniert, obwohl die Ausgangssituation Stoff genug für ein „Meisterwerk“, wie „Der Spiegel“ meint, gegeben hätte. Die Inszenierung und Schauspielleistung sind routiniert und ohne Frage nahezu perfekt. Dennoch fehlen dem Film menschliche Wärme und Emotionen.

Was in Gravity funktioniert hat (nämlich am Anfang des Films eine Situation zu schaffen, bei der man sich die Frage stellt, wie der Regisseur nun eineinhalb bis zwei Stunden füllen kann, obwohl eigentlich alles schon vorbei sein müsste), geht bei All is Lost leider irgendwie daneben. Auch wenn es Chandor und Redford hervorragend gelungen ist, niemals langweilig zu wirken, fehlt dem Plot in den meisten Szenen die Spannung.

All Is Lost ist ohne Frage ein beeindruckender Film, der sich irgendwo zwischen Schiffbruch mit Tiger (Life Of Pi) und Castaway ansiedelt. Hier ist der Schiffbruch ohne Tiger und die Einmann-Show kriegt Tom Hanks in Castaway besser hin als Redford hier. Dennoch ist es auf eine gewisse Art schon eine Meisterleistung, die der alternde Schauspieler da zeigt. Am Ende wirkte sein verbissener Cowboy-Blick allerdings fehl am Platz und nicht mehr überzeugend.

Sicherlich ist All Is Lost ein außergewöhnlicher Film, der nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt. Im Nachhinein wirkt der Film sogar besser, als er während des Sehens ist.
Man erfährt weder den Namen des Mannes, noch irgendein Detail aus seinem Leben. Das macht den Film unpersönlich, ein paar Rückblenden in das Privatleben hätten dem Film meiner Meinung nach mehr Tiefgang verliehen und hätten den Zuseher mitleiden lassen. So aber lässt einen das Schicksal irgendwie meistens kalt.

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Fazit: Handwerklich und schauspielerisch gutes Drama auf offener See. Die Einmann-Show von Robert Redford funktioniert leider nur bedingt, da viele Szenen emotionslos rüberkommen und nicht packen. Insgesamt wirkt der Film im Nachhinein beeindruckender, als er es während des Zusehens ist.

© 2014 Wolfgang Brunner

Pans Labyrinth (2006)

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Originaltitel: El laberinto del fauno
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro
Kamera: Guillermo Navarro
Musik: Javier Navarrete
Laufzeit: 119 Minuten
Darsteller: Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi López, Maribel Verdú
Genre: Fantasy, Drama
Produktionsland: Spanien, Mexiko
FSK: ab 16 Jahren

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Nordspanien 1944, fünf Jahre nach Ende des Bürgerkrieges: Die elfjährige Ofélia zieht mit ihrer schwangeren Mutter zum neuen Stiefvater, der für das faschistische Regime des General Franco mit sadistischen Methoden die republikanischen Rebellen bekämpft. Das schwierige Verhältnis zum unbarmherzigen Capitan und die grausamen Umstände lassen das Mädchen in eine unterirdische Fantasiewelt flüchten, in der sie auf unheimliche und fabelhafte Kreaturen trifft, die ihr Mutproben auferlegen und sie mit ihren Ängsten konfrontieren …

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„Es heißt, dass vor langer, langer Zeit im unterirdischen Reich, da wo es weder Lüge noch Schmerz gibt, eine Prinzessin lebte, die von der Welt der Menschen träumte …“

Mit diesen wundervollen, sehr an ein Märchen erinnernden Worten beginnt „Pans Labyrinth“. Der Film zeigt auch eine Art Märchen, jedoch ist es nicht wirklich für Kinder geeignet. Es verbindet kindliche Fantasie mit der harten Wirklichkeit und gibt gleichzeitig noch ein wenig Geschichtsunterricht. Dem Regisseur ist hier ein Balanceakt gelungen, der diesen Film für mich zu einem der besten Fantasydramen macht, die ich je gesehen habe. Die herausragendste Qualität von „Pans Labyrinth“ ist meiner Meinung nach seine Fähigkeit, den Zuschauer immer wieder in Staunen zu versetzen. Von der ersten Szene an wird man wie von einer unsichtbarer Hand gepackt und nicht wieder losgelassen. Man wird direkt zurück in die Kindheit versetzt, in der man Geschichten über gemeine Stiefmütter und den bösen Wolf gelauscht hat.

Hier ist es der Stiefvater, der Angst und Schrecken verbreitet und die einzigartigen Gestalten die Del Toro erschaffen hat, stellen jeden Wolf in den Schatten. So taucht zum Beispiel eine lebendige, sich windende Wurzel auf, die einer großen Ingwerknolle ähnelt, in einer Schale Milch badet und glucksende Babylaute von sich gibt. Oder auch eine geisterhafte, mannähnliche Kreatur mit leichenblasser Haut, die faltig über seinem knochigen Körper hängt und dessen blutunterlaufende Augen statt im Gesicht in seinen Handflächen sitzen. Nicht umsonst wurde der Film national und international mit etlichen Auszeichnungen versehen. In der Oscar-Verleihung 2007 wurde er in 6 Kategorien nominert. Der Film konnte schließlich 3 Oscars für sich gewinnen. Ein Oscar für beste Kamera, der zweite für bestes Szenenbild und der dritte Oscar für das beste Make-Up. Die hat er meiner Meinung nach auch verdient.

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Fazit: „Pans Labyrinth“ ist ein hervorragender Film, der über die Kraft der Fantasie in Zeiten voller sinnloser Gewalt philosophiert. Ein Film mit vielen dramatischen Momenten, der aber stellenweise ziemlich düster und brutal ist und von daher nicht jedermanns Sache sein dürfte. Die Optik und Effekte des Films sind, ebenso wie die Kameraführung, auf höchstem Niveau und auch inhaltlich bietet der Film eine interessante Geschichte mit viel Spannung.

© 2014 Lucas Dämmig