Stay (2005)

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Originaltitel: Stay
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Marc Forster
Kamera: Roberto Schaefer
Musik: Asche & Spencer
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Ewan McGregor, Ryan Gosling, Naomi Watts, Bob Hoskins
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Dass er plötzlich nicht mehr mit Dr. Beth Levy, sondern mit einem neuen Psychiater zu tun hat, irritiert den jungen Henry Letham . Warum dieser Wechsel? Die Vertretung Sam Foster will es nicht genau sagen. Dennoch gelingt es dem Psychologen, langsam das Vertrauen von Henry zu erlangen – bis Sam durch einen Paukenschlag wachgerüttelt wird: Der begabte Künstler Henry will sich an seinem 21. Geburtstag umbringen. Foster hat noch drei Tage Zeit, ihn davon abzubringen. Diese Herausforderung belastet auch seine Beziehung zu der Künstlerin Lila, die Sam vor einiger Zeit nach einem Selbstmordversuch gerettet hat. Je mehr er in Henrys Welt eintaucht und Nachforschungen anstellt, desto verwirrter wird er. Sam trifft auf Personen aus Henrys Leben, die eigentlich schon tot sein müssten. Die Zeit drängt, um seinen Patienten vor dem Tod zu bewahren, aber bei Foster verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung zunehmen …

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„Stay“ ist ein optisch brillianter Psychothriller des deutsch-schweizerischen Regisseurs Marc Forster und meiner bescheidenen Meinung nach einer der außergewöhnlichsten Filme der letzten Jahre.  Man sollte den Film völlig ohne Vorabinformationen schauen. Genauso wie „The Sixth Sense“ funktioniert dieser hier auch nur wenn man das Ende noch nicht kennt. „Stay“ ist nicht unbedingt leichte Kost, aber dafür ein audiovisuelles Meisterwerk. Er erinnert ein wenig an „Mulholland Drive“ von David Lynch, aber schafft es leider nicht an die Klasse des Großmeisters heranzureichen. Nichtsdestotrotz werden einem hier berauschende Bilder und extrem bizarre Überblendungen und Perspektivenwechsel geboten. Ich finde allein die visuelle Umsetzung rechtfertigt ein genaueres Hinsehen . Wenn man sich auf den Film einlassen will (und kann), stellt man fest, dass am Anfang nicht wirklich viel einen Sinn ergibt. Es gibt keine herkömmliche Story, doch wenn man den Film erst zu Ende gesehen hat, erschließt sich der Blick auf das große Ganze. Dann erklären sich rückblickend betrachtet die vielen Sonderbarkeiten und visuellen Feinheiten. Man findet nicht die ultimative Erklärung, aber viele Erklärungsansätze. Und auch schauspielerisch weist „Stay“ erstklassiges Niveau auf. Jedoch schwächelt der Film etwas an der Darstellung der Beziehung zwischen Sam und Leila. Einige Dialoge des Paares wirken ein wenig flach und unpassend konventionell. So richtig will man ihnen ihre Beziehung nicht abnehmen, aber auch das könnte in Anbetracht des Storyverlaufes durchaus beabsichtigt sein. Das Ende wiederum weiß gleichermaßen zu überraschen und zu verwirren. Mir hat der Film trotzdem sehr gut gefallen.

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Fazit: Wer in einem Film klare Erzählstrukturen braucht und sich in der Regel nur leichte Unterhaltungsfilme ansieht, wird mit „Stay“ wohl nicht glücklich werden. Wahrscheinlich wird dieser Personenkreis, der sich sowieso meist nur ins Kino traut, um Blockbuster zu sehen und eine Sammlung der erfolgreichsten deutschen Komödien der letzten Jahre im Regal stehen hat, den Film über alle Maßen schlecht finden. Doch geschmackvolle Zuschauer – besonders die, die sich zum Beispiel auch für David Lynch und David Cronenberg begeistern können, bekommen mit „Stay“ einen außergewöhnlichen Film geboten.

© 2014 Lucas Dämmig

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