Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)

TokarevPoster

Originaltitel: Tokarev (Rage)

Regie: Paco Cabezas

Laufzeit: 98 Minuten

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Paul Maguire ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und führt mit seiner Frau und seiner Tochter ein gutbürgerliches Leben. Seine Zeit als Gangster hat er lange hinter sich gelassen. Doch plötzlich scheint ihn seine Vergangenheit eingeholt zu haben. Eines Abends dringen maskierte Männer in sein Haus ein und entführen seine Tochter. Einige Zeit später findet man die Leiche das Mädchens. Sie wurde mit einer Tokarev erschossen, der Standardwaffe der Russenmafia. War der Mord ein Racheakt, eine Warnung, oder gar eine Herausforderung? Obwohl ihn sein ehemaliger Boss und der örtliche Polizeichef davor warnen, reaktiviert Maguire alte Gangsterfreundschaften und macht sich auf die Suche nach den Mördern, um blutige Rache zu üben.

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Zuerst einmal alles, was mir an dem Film gefallen hat: Nicolas Cage spielt mit.

Kommen wir jetzt zu den negativen Kritikpunkten. Der Film ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Teils Thriller, teils Krimi, teils Gangsterdrama, aber nichts wird konsequent durchgehalten. Außerdem fehlt der Geschichte das treibende Element. Wo zum Beispiel Liam Neeson in 96 Hours (und der Vergleich drängt sich ja geradezu auf) die Zeit im Nacken saß, bevor sich die Spur seiner Tochter für immer verlieren würde, hat Maguire quasi alle Zeit der Welt, um den Schuldigen zu finden. Der vermeintliche Schuldige ahnt nichts von der Jagd und kann somit nicht reagieren. Die Polizei ist Maguire wohlgesonnen und will nicht reagieren. Alle brenzligen Situationen, in die sich Maguire bringt, hat er zwar selbst verschuldet, er ist aber trotzdem jederzeit Herr der Lage. Durch dieses Fehlen des Drucks und der Bedrohung, fehlt es der Geschichte leider auch an Spannung. Denn wo der Charakter nicht leidet, kann der Zuschauer nicht mitleiden. Und wenn dann doch mal einer der Charaktere stirbt, ist er sowieso so unsympathisch gewesen, dass es einem nicht wirklich leidtun will.

Das reißen leider auch die namhaften Schauspieler nicht raus. Nicolas Cage nähert sich zwar manchmal an seine bekannt manische Spielweise an, bleibt aber weit unter seinen Möglichkeiten, Peter Stormare (den ich wirklich sehr gerne mag) ist nur nettes Beiwerk zur Geschichte, und Danny Glover als ermittelnder Detective wirkt blass und lustlos, so als wäre er mittlerweile doch etwas „zu alt für diesen Scheiß“.

Das Ende des Films bringt dann ein bisschen Abwechslung, doch leider wurde vorher schon zuviel kaputt gemacht, als dass es noch etwas retten könnte. Irgendwie hat man das Gefühl, als wären zuerst Ende und Anfang da gewesen, und die Autoren hätten irgendwie versucht, eine Geschichte dazwischen zu basteln. Leider haben sie sich dabei völlig in Klischees und Belanglosigkeiten verrannt. Alles ist schonmal dagewesen, und wird bei Tokarev nur noch mal schnell „abgearbeitet“.

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Fazit: Ich habe ja im Allgemeinen eine sehr hohe Meinung von den Werken junger Nachwuchsregisseure und versuche, so viele gute Aspekte wie möglich zu finden. Leider kann ich an Tokarev nicht viele gute Haare lassen (ich spare mir jetzt eine Anspielung an Cages lächerliches Haarteil in diesem Film). Die Geschichte ist Standardkost und äußerst uninspiriert umgesetzt, Kamera und Schnitt sind an manchen Stellen mehr als unschön, die Charaktere sind oberflächlich und seelenlos. Oft hat man das Gefühl, der Regisseur habe die Schauspieler mehr gebremst als gefordert. Cabezas hat bereits zwei neue Filme in Arbeit, einen davon voraussichtlich erneut mit Nicolas Cage. Mal sehen, ob sich in Zukunft aus diesem Duo noch etwas Gutes entwickelt. Bisher habe ich meine Zweifel.

© 2014 Tobias Schumacher

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