Wehrmann (2013)

wehrmann

Originaltitel: Wehrmann

Laufzeit: ca. 35 Minuten

Regie: Tobi Schumacher

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Frank Wehrmann stellt es geschickt an, Thorsten für seine Neonazi-Kameradschaft zu überzeugen: Der starke Alkoholkonsum von Thorstens Vater und die daraus resultierende Arbeitsplatzmisere sind für Wehrmann eindeutig bei den Ausländern zu finden, die seiner Meinung nach indirekt daran Schuld tragen, dass die Deutschen solche Probleme haben. Durch eine Rock-CD mit entsprechenden Texten schafft Wehrmann es tatsächlich, Thorstens Interesse an der Neonazi-Gruppe zu wecken. Bald ist das Zimmer des Jugendlichen mit Hitlerplakaten und ausländerfeindlichen Haßparolen tapeziert.
Als Wehrmann dann aber den kleinen Jamaal, Sohn seiner afrikanischen Nachbarin, für ein paar Stunden hüten soll, verändert sich plötzlich seine Einstellung zu Ausländern. Während Thorsten in seiner Naziwelt aufgeht, gerät Wehrmanns Sicht beträchtlich ins Wanken. Und dann geraten die Dinge plötzlich außer Kontrolle …

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„Wehrmann“ ist großes Kino, das mit kleinem Geld gemacht wurde. Tobi Schumacher (ja, der Schumacher aus unserem Team hier 😉 ) hat einen Abschlussfilm abgeliefert, der absolut routiniert rüberkommt. Da stimmen die Schauspieler, die Kameraführung und die Musik. Das Drehbuch hätte locker auf einen 90-Minuten Film ausgebaut werden können und Schumachers Regie ist aus meiner Sicht schlichtweg professionell.

Schumachers Gespür für Dramatik macht bei diesem Film wirklich Spaß und die „netten Zwischentöne“, wenn Wehrmanns Nazi-Dasein durch den ausländischen Jungen Jamaal ins Wanken gerät, sind absolut gelungen und lassen einen trotz ernster Thematik so manches Mal schmunzeln. Aber auch die tragische, brutale Wende, die „Wehrmann“ am Schluss beschert, könnte besser nicht dargestellt werden.
Timm-Marvin Schattling, der den Thorsten spielt, kann überzeugen. Aber nicht nur er, sondern die gesamte Schauspiel-Crew ist es, die absolut qualifiziert agiert.

Der Spaß am Set ist während des ganzen Kurzfilms zu spüren und da tut es einem schon leid, wenn nach einer knappen halben Stunde das Ganze vorbei ist und man eigentlich mehr sehen möchte. Schade eigentlich …

Am Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Tobias Schumacher macht zwar hier bei „Filmbesprechungen“ mit, aber ich kenne ihn (leider noch) nicht persönlich. Sein Interesse an Filmen hat uns hier zusammengebracht und hätte mir sein „Wehrmann“ nicht gefallen, hätte ich dies hier auch -so leid es mir getan hätte- kundgetan. Denn auf diesem Blog äußern wir unsere eigene, aber ehrliche Meinung über den gesehenen Film. Tobias hat aber Glück gehabt und sein Film hat mir außerordentlich gut gefallen. 🙂
Weiter so!

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Fazit: Absolut professioneller Abschluss-Kurzfilm, der in allen Belangen überzeugt. Drehbuchautor und Regisseur Tobi Schumacher hat eine routinierte Crew um sich versammelt, die „Wehrmann“ zu einem beeindruckenden Erlebnis über ein (leider) immer noch aktuelles Thema macht. Man wünscht sich manchmal, man könnte mehr Filme dieser Art in den Kinos zu sehen bekommen, anstatt mit unzähligen digital hergestellten, und leider oft auch ziemlich hirnlosen, Action-Blockbustern zugeballert zu werden.

© 2014 Wolfgang Brunner

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